idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
29.03.2012 08:56

Angehende Osteopathen mit Sehbehinderung begreifen in Marburg die Anatomie des Menschen

Dr. Susanne Igler Pressestelle
Philipps-Universität Marburg

    TransMIT und Anatomisches Institut der Philipps-Universität boten maßgeschneiderte Fortbildung an

    Absolutes Neuland haben der Projektbereich für anatomische Weiterbildung und Präparation an der TransMIT – Gesellschaft für Technologietransfer mbH und das Institut für Anatomie und Zellbiologie der Marburger Philipps-Universität letzte Woche betreten: In Zusammenarbeit mit dem Berufsförderungswerk Mainz (Zentrum für Pysikalische Therapie) wurden 36 angehende Osteopathen an anatomischen Original-Präparaten fortgebildet. Die Besonderheit: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des mehrtägigen Kurses hatten eine Sehbehinderung unterschiedlicher Ausprägung.

    „Soweit wir wissen, war dies der erste Anatomie-Kurs für blinde und sehgeschädigte angehende Osteopathen“, sagte Privatdozent Dr. Reiner Westermann, einer der Kursleiter. Der Kurs habe auch die Tutoren vor große Herausforderungen gestellt. „Allein die Orientierung in den Kursräumen musste geplant werden und alles, was in anderen Kursen gezeigt wird, musste den Teilnehmerinnen und Teilnehmern intensiv erklärt werden. Auf eine anatomische Struktur zu zeigen, hat in diesem Fall nicht gereicht. Jeder Kursteilnehmer hatte die Möglichkeit, Strukturen, Muskeln oder Organe mit den Händen zu ertasten und im Wortsinne zu begreifen“, fuhr Westermann fort.

    Dirk Fleger, einer der blinden Kursteilnehmer aus Mainz, war von dieser Möglichkeit der Ausbildung begeistert. „Überwindung hat es nicht gekostet, die anatomischen Präparate zu berühren. Es war hochinteressant, die Organe und Strukturen zu ertasten“, erzählte er. Dabei habe er sehr große Erkenntnisse gewonnen.

    Auch Kursteilnehmerin Nicole Plaul aus Mainz fand den Kurs sehr aufschlussreich: „Wenn man weiß, wie sich ein Organ unter der Hülle, die es sonst umgibt, anfühlt und wie es im Körper gelagert ist, kann man später am Patienten viel besser darauf eingehen“, erzählte sie. Auch die Topografie, also die Lage und Position verschiedener Organe, Muskeln, Nerven oder Gefäße zueinander, sei durch diesen Kurs viel besser zu erfassen gewesen. „Am Modell kann man das so genau nicht lernen“, erläuterte Plaul.

    Der Kurs im Marburger Institut für Anatomie und Zellbiologie fand unter der Leitung von PD Dr. Reiner Westermann und Jens Cordes statt. Der ebenfalls von Westermann und Cordes geleitete TranMIT-Projektbereich für anatomische Weiterbildung und Präparation bietet eine breite Palette von Fortbildungsveranstaltungen, zum Beispiel OP-Trainings für Ärzte, Demonstrationen an humanen Präparaten für Wissenschaftler und Studierende nichtmedizinischer Fächer mit Bezügen zur Humanmedizin (etwa aus Biologie, Neurowissenschaften, Pharmakologie, Sexualwissenschaften, Physik, Linguistik, Sportwissenschaften) sowie Fortbildungen für Angehörige und Auszubildende aller medizinischen Hilfsberufe und anderer Berufsgruppen mit medizinischen Bezügen (Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk). Auch Studierende der Medizin und Doktoranden des Instituts, die über langjährige Erfahrung als Tutoren in der anatomischen Ausbildung verfügen, kamen als Unterrichtspersonal für die sehbehinderten angehenden Osteopathen zum Einsatz.

    Weitere Informationen:
    Ansprechpartner: PD Dr. Reiner Westermann und Jens Cordes, TransMIT Projektbereich für anatomische Weiterbildung & Präparation
    Institut für Anatomie und Zellbiologie am Fachbereich Humanmedizin
    der Philipps-Universität-Marburg
    Tel.: 06421-28-64023, 28-64078
    e-mail: Westermann@transmit.de, cordes@staff.uni-marburg.de


    Weitere Informationen:

    http://www.transmit.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin, Pädagogik / Bildung, Sportwissenschaft
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, wissenschaftliche Weiterbildung
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).