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02.05.2012 14:06

Amöbe erwacht zum Leben

Dr. Boris Pawlowski Presse und Kommunikation
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

    Zentrum für Molekulare Biowissenschaften übergeben

    Der Neubau des Zentrums für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) in Form einer Amöbe ist heute (Mittwoch, 2. Mai) offiziell an die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) übergeben worden. Die Forschungsplattform bietet Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Fächer künftig die Möglichkeit, vielfältige biologische Systeme unter einem Dach zu entschlüsseln. Wissenschafts-Staatssekretärin Dr. Cordelia Andreßen nahm den symbolischen Schlüssel vom Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) in Empfang und übergab ihn an die Kieler Universität.

    Wie Andreßen sagte, wurden die Kosten für den Neubau in Höhe von rund 24 Millionen Euro vollständig vom Land getragen. Weitere fünf Millionen Euro aus dem Zukunftsprogramm Wirtschaft und dem Schleswig-Holstein Fonds werden für die Geräteausstattung aufgewendet. „Die neuen Forschungsmöglichkeiten sind nicht nur für die Medizin von eminenter Bedeutung, sondern auch für die Biologie und die Agrar- und Ernährungswissenschaften. Interdisziplinarität wird hier deshalb nicht nur groß geschrieben, sie wird auch gelebt werden“, sagte die Staatssekretärin. „Es zeigt sich in der Wissenschaftslandschaft, dass wir nur mit einem solchen Ansatz im Wettbewerb um Exzellenz erfolgreich sein werden.“ Dies gelte für Drittmitteleinwerbung aber auch mit Blick auf die Attraktivität für Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler.

    „Das ZMB erhält mit diesem Gebäude in jeglicher Hinsicht etwas ganz Besonderes“, schwärmte GMSH-Geschäftsführer Hans-Adolf Bilzhause. Schon von außen beeindrucke der Baukörper mit seiner ungewöhnlichen und eleganten Form, die ihm den Spitznamen „Amöbe“ eingebracht hat. Die goldfarbene Fassade trägt zusätzlich dazu bei, dass sich der Bau deutlich von seiner Umgebung abhebt. „Im Inneren glänzt das Gebäude mit seiner hochwertigen technischen Ausstattung und mit extrem flexiblen Laboren, die den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern interdisziplinäre Forschung auf höchstem Niveau ermöglichen“, so Bilzhause.

    In dem Neubau spiegelt sich somit auch das enorme Entwicklungspotential der Kieler Universität wider, sagt Professor Gerhard Fouquet, Präsident der CAU:
    „Das Zentrum für Molekulare Biowissenschaften steht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus drei Fakultäten und zahlreichen Projekten zur Verfügung. Durch die flexible Aufteilung der Räume hat jedes Team die Möglichkeit, sich Labor und Arbeitsplatz entsprechend individueller Bedürfnisse zusammenzustellen. Das ZMB mit seinen verschiebbaren Wänden steht damit für universitäre Forschung, die in Bewegung bleibt und Grenzen zwischen Disziplinen auflöst.“

    Die sechs Stockwerke samt Untergeschoss bieten der Medizinischen, Mathematisch-Naturwissenschaftlichen sowie der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät auf einer Nutzfläche von 3.100 Quadratmetern ideale Voraussetzungen für ihre Arbeit. „Neben den universitären Forschungsgruppen beherbergt das ZMB auch die in Deutschland einmalige Biobank ‚popgen’. Für die Lagerung der Proben wurde eigens ein begehbarer Kälteschrank eingerichtet, der bis zu Minus 80 Grad Celsius erreicht. Darüber hinaus können sich junge Biotech-Unternehmen in einer Etage einmieten und den direkten Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nutzen“, ergänzt CAU-Vizepräsident Professor Thomas Bosch.

    „Das ZMB ist nicht nur ein äußerlich sichtbares Zeichen, dass Schleswig-Holstein auch weiterhin in der molekulargenetische Forschung am Menschen ein Leuchtturm sein will. Es ist auch eine notwendige Investition, um diese Forschung in die Zukunft zu führen“, betont Professor Stefan Schreiber, Dekan der Kieler Medizinischen Fakultät. „In einem internationalen Rennen wird derzeit entschieden, wo das Wissen um die wirklichen Krankheitsursachen entsteht und zuerst in die Behandlung umgesetzt wird.“ Das ZMB stelle die dafür benötigten Voraussetzungen zur Verfügung, so Schreiber.

    Das Innere des Gebäudes steht ganz im Zeichen der Flexibilität. Das Foyer besteht aus aufteilbaren Bereichen für Kommunikation und Begegnung. Die in der Gebäudemitte liegende Freitreppe mit integriertem Aufzug bestimmt die Innenarchitektur. Diese Mitte wird von zwei rechteckigen Gebäudekernen mit einem zweiten Aufzug flankiert. In den einzelnen Etagen sind auch Lager- und Serviceflächen untergebracht. Professor Gunter Henn, Architekt des Gebäudes, sagt über den Neubau des ZMB: „Die Architektur der Räume muss den Wissensfluss ermöglichen.“

    Hintergrundinformationen zum ZMB:
    Die baulichen Voraussetzungen für die Flexibilität des Gebäudes zeigen sich zum Beispiel in der vollständigen Entkoppelung von Medien und Mobiliar. Die Versorgung wird über unter der Decke liegende Kanäle, so genannte Medienflügel, an die einzelnen Arbeitsplätze geführt. Es werden nur die Medien an die Arbeitsplätze herangeführt, die dort für die jeweilige Aufgabenstellung benötigt werden. So kann die technische Ausstattung flexibel auf Einzelbedürfnisse sowie auf Forschungsgruppen abgestimmt werden. Die Labormöbel sind nicht fest mit den Medienflügeln verbunden. Einzelne Module des Labormobiliars sind auf Rollen installiert. Dadurch lassen sich die Laborräume immer wieder an neue Forschungsaufgaben und neue Geräte anpassen. Für Teamarbeit stehen für die Projektteams Besprechungsräume zur Verfügung. Unabhängig davon befinden sich in allen Geschossen räumlich abgeschlossene Büroräume, die projektbezogen und zeitlich befristet genutzt werden können.

    Trotz aller Flexibilität gibt es eine feste Aufteilung im Gebäude. Vom Untergeschoss bis zum zweiten Geschoss sowie in der vierten Etage finden eine Reihe von universitären Einrichtungen Raum für interdisziplinäre Forschung. Hier gibt es die Möglichkeit, Analysen, Sequenzierungen oder Genotypisierungen vorzunehmen. Zudem wird es auch ein DNA-Labor und Räume für die Zellbiologie geben.

    http://www.zmb.uni-kiel.de
    http://www.popgen.de
    http://www.gmsh.de

    Daten des Zentrums für molekulare Biowissenschaften (ZMB):
    Baukosten: rund 18.897.000 Euro
    Ersteinrichtung: rund 670.000 Euro
    Baunebenkosten: rund 4.300.000 Euro
    Gesamtherstellungskosten: rund 23.870.000 Euro
    Baubeginn: März 2010
    Fläche: 3.100 Quadratmeter Nutzfläche, davon 2.100 Quadratmeter Laborfläche

    Fotos stehen zum Download bereit:
    http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-126-1.jpg
    Bildunterschrift: Eine architektonische und wissenschaftliche Landmarke in der bio-medizinischen Forschung: das neue Zentrum für Molekulare Biowissenschaften der Kieler Universität.
    Copyright: CAU, Foto: Jürgen Haacks

    http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-126-2.jpg
    Bildunterschrift: Unter dem Dach des Zentrums für Molekulare Biowissenschaften finden verschiedene Forschungsdisziplinen ein Zuhause.
    Copyright: CAU, Foto: Jürgen Haacks

    http://www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-126-3.jpg
    Bildunterschrift: Nun können die Projektteams einziehen: GMSH-Geschäftsführer Hans-Adolf Bilzhause (3.v.l.) und Wissenschafts-Staatssekretärin Cordelia Andreßen übergaben der Kieler Universität das „Amöbe“ genannte neue Forschungsgebäude. Im Bild (v.l.): Dekan Stefan Schreiber, CAU-Präsident Gerhard Fouquet, Hans-Adolf Bilzhause, Cordelia Andreßen, Architekt Gunter Henn, Vizepräsident Thomas Bosch und ZMB-Direktor Axel Scheidig
    Copyright: CAU, Foto: Jürgen Haacks


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-kiel.de/aktuell/pm/2012/2012-126-zmb-eroeffnung.shtml


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Biologie, Medizin
    überregional
    Organisatorisches
    Deutsch


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