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08.05.2012 13:35

Kariesbehandlung ohne Bohren: Hendrik Meyer-Lückel neuer Professor für Zahnerhaltung am UK Aachen

Felix Lennertz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Aachen

    Hendrik Meyer-Lückel hat im März den Ruf auf die W3-Professur für Zahnerhaltung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen angenommen und die damit verbundene Leitung der Klinik für Zahnerhaltung, Parodontologie und Präventive Zahnheilkunde am Universitätsklinikum Aachen übernommen. Meyer-Lückels Forschnugsschwerpunkt ist die Kariologie, in der er sich an der Berliner Charité mit dem Thema Kariesinfiltration habilitierte. Was nüchtern klingt, ist für manchen geplagten Zahnarztbesucher eine kleine Revolution – die Behandlung kleinerer bis mittlerer Kariesstellen ganz ohne Bohren und Spritzen.

    Als Zahnmediziner und Kariologe möchte er so viel natürliches Zahnmaterial so lange wie möglich erhalten. Feind Nummer eins ist dabei die Karies. Sie ist eine echte Volkskrankheit: „Bis auf wenige Ausnahmen leiden die meisten Erwachsenen unter Karies. 40-Jährige haben im Durchschnitt sechs bis acht kariöse Stellen an ihren Zähnen, die durch eine Füllung behandelt wurden“, sagt Meyer-Lückel.

    Sein Credo: Die Menschen werden immer älter – ergo müssten sie vielfach auch immer länger mit Zahnersatz leben. Ein echter Zahn, oder möglichst viel davon, sei immer besser als ein von Menschenhand gefertigter Ersatz, und Füllungen seien nie so beständig wie die original erhaltene Zahnsubstanz. Also gilt es, bereits die erste Füllung, die die Restaurationsspirale in Gang setzt, möglichst lange hinauszuzögern.

    Mikro-invasive Behandlung: Weg vom Bohren, hin zur Infiltration

    Nur: Wie soll man erkrankte Zähne auf Dauer erhalten? Meyer-Lückel ist nicht nur Professor, sondern auch Forscher, und als solcher habilitierte er sich an der Berliner Charité mit dem Thema Kariesinfiltration. Was nüchtern klingt, ist für manchen geplagten Zahnarztbesucher eine kleine Revolution – die Behandlung kleinerer bis mittlerer Kariesstellen ganz ohne Bohren und Spritzen.

    Gemeinsam mit einem Kollegen untersuchte Meyer-Lückel, wie sich kariöse und damit poröse Zahnsubstanz füllen lässt. Daraus entwickelten die beiden schließlich einen speziellen Kunststoff, der die porösen Strukturen schließt und damit dauerhaft konserviert. Der Zahn muss vorher lediglich aufgeraut werden, den Rest macht der Kunststoff. Das Resultat: Die Karies kommt zum Stillstand, die Zahnstruktur bleibt erhalten. Das funktioniert auch an den Frontzähnen, zum Beispiel nachdem eine feste Zahnklammer entfernt wurde. Die eventuell sichtbaren weißen Flecken, Zeichen einer beginnenden Karies, verschwinden ziemlich spurlos.

    Das Produkt, es hört auf den Namen Icon, ist mittlerweile seit drei Jahren auf dem Markt und zu Preisen, die denen einer herkömmlichen Füllung vergleichbar sind, zu bekommen – allerdings längst nicht überall: „Viele Zahnärzte sind über Generationen dazu ausgebildet worden, Karies in einem relativ frühen Stadium herauszubohren.“ Wo gebohrt wird, kann aber auch nicht mehr remineralisiert oder eben infiltriert werden. Meyer-Lückel: „Mein Traum ist es, dass es da zu einem Sinneswandel kommt.“

    Zu seinen derzeitigen und künftigen Forschungsprojekten zählt er unter anderem die Vermeidung oder das Hinauszögern der Kariesentstehung, zum Beispiel durch neuartige Fluoridprodukte, die er gemeinsam mit der Industrie für den Konsumenten voranbringen will. „Je besser diese Produkte, zum Beispiel in Zahncremes, Mundwassern oder Gelees, sind, desto länger dauert es, bis sich eine mittlere Karies entwickelt“, sagt er.

    Durch eine frühzeitige Behandlung ohne Bohren und eine darauf aufbauende behutsame Infiltrationen der Karies sei es zu schaffen, sehr viel originale Zahnsubstanz bis hin ins hohe Alter zu erhalten.

    Lebenslauf

    Meyer-Lückel studierte von 1992 bis 1997 Zahnmedizin in Gießen und war in den darauffolgenden Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der dortigen Abteilung für Parodontologie (1998) sowie in zwei Zahnarztpraxen beschäftigt. Während seiner Assistenz- und Promotionszeit an der Universität Freiburg engagierte er sich zudem in der zahnärztlichen Entwicklungshilfe.

    Von 2000 bis 2008 war Meyer-Lückel an der Berliner Charité tätig, seit 2001 als Oberarzt. Im Jahre 2008 wurde er dort habilitiert und absolvierte bis 2009 einen Masterstudiengang Public Health. Von 2008 bis 2012 war er in der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Schleswig Holstein als Oberarzt beschäftigt.

    Hendrik Meyer-Lückel ist Autor und Koautor von über 60 wissenschaftlichen Originalarbeiten sowie Herausgeber eines in Kürze zweisprachig erscheinenden Lehrbuchs der Kariologie. Wissenschaftliche Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet sowie seine gesamte bisherige wissenschaftliche Tätigkeit im Bereich der Kariologie wurde im Jahr 2010 mit dem Basil Bibby Young Investigator Award der IADR honoriert.

    Gemeinsam mit seiner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kleinkindern wohnt Meyer-Lückel in Aachen.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Personalia
    Deutsch


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