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23.05.2012 17:57

Treue fordert mehr Transparenz bei Tierversuchen

Dipl. Pol. Christian Walther Pressestelle Berlin
Leibniz-Gemeinschaft

    Der Direktor des Deutschen Primatenzentrums, Stefan Treue, hat zu mehr Transparenz bei Tierversuchen aufgerufen. In einem Beitrag für die Juni-Ausgabe des Leibniz-Journals schreibt Treue, dass für bestimmte wissenschaftliche Fragen Tierversuche unersetzbar seien, dass es aber „ein wesentliches Versäumnis der Wissenschaftler und ihrer Fachverbände ist, die Öffentlichkeit zu wenig über die Notwendigkeit, Bedeutung und Unerlässlichkeit von Tierversuchen informiert zu haben.“

    Und weiter: „Nur wenn wir verständlich vermitteln, wie streng Tierversuche in Deutschland geregelt sind und dass unser Wissen um die Physiologie und Medizin von Tieren und Menschen – und damit der biomedizinische Fortschritt – wesentlich von Tierversuchen abhängt, ist deren gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten.“

    Der Beitrag im Wortlaut:

    Für die biomedizinische Forschung spielen Tierversuche eine kleine, aber oft entscheidende Rolle. Angesichts der ethischen Herausforderung dieser Forschungsmethode ist ihre gesellschaftliche Akzeptanz von großer Wichtigkeit.
    Der aktuelle Konsens spiegelt sich im Tierschutzgesetz wider, das die Rahmenbedingungen für die wissenschaftliche Verwendung von Tieren festlegt. Jetzt aber steht eine Novellierung dieses Gesetzes auf Grundlage der neuen EU-Tierschutzrichtlinie an. Eine kurze Bestandsaufnahme der Rolle von Tierversuchen in der Wissenschaft und im Bild der Öffentlichkeit ist also angebracht.
    Betrachtet man die Nutzung von Tieren für menschliche Zwecke insgesamt, so spielen Tierversuche nur eine kleine Rolle. Von 1.000 Wirbeltieren, die in Deutschland legal getötet werden, sind weniger als zwei Versuchstiere. Alleine bei der Jagd werden mehr Tiere erlegt, als für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden. Die Tötung von Tieren als Nahrungsmittel und von Ratten und Mäusen als Schädlinge ist gesellschaftlich breit akzeptiert. Bei Tierversuchen hingegen sieht die öffentliche Wahrnehmung anders aus. Auch wenn viele Untersuchungen und Gremien (auch unter Beteiligung von Tierschutzverbänden) immer wieder bestätigen, dass für bestimmte wissenschaftliche Fragen Tierversuche unersetzbar sind, gelingt es Tierversuchsgegnern, in Teilen der Öffentlichkeit Zweifel an der Notwendigkeit und Bedeutung von Tierversuchen zu wecken. Was ist die Ursache dieser Diskrepanz zwischen der wissenschaftlichen Bedeutung von Tierversuchen und ihrer Wahrnehmung in Politik und Öffentlichkeit?
    Auch wenn sicherlich Kampagnen von Tierversuchsgegnern eine Rolle spielen, muss man anerkennen, dass es ein wesentliches Versäumnis der Wissenschaftler und ihrer Fachverbände ist, die Öffentlichkeit zu wenig über die Notwendigkeit, Bedeutung und Unerlässlichkeit von Tierversuchen informiert zu haben. Auch wenn Wissenschaftler ihre Aufgabe üblicherweise nicht darin sehen, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben, ist Transparenz politisch und ethisch unerlässlich. Nur wenn wir verständlich vermitteln, wie streng Tierversuche in Deutschland geregelt sind und dass unser Wissen um die Physiologie und Medizin von Tieren und Menschen – und damit der biomedizinische Fortschritt – wesentlich von Tierversuchen abhängt, ist deren gesellschaftliche Akzeptanz zu erhalten. Zu dieser Transparenz haben sich Wissenschaftler vor zwei Jahren in der Basler Deklaration (www.basel-declaration.org) verpflichtet, der sich seitdem mehr als 1.000 Forscher angeschlossen haben. Zu dieser Selbstverpflichtung gehört auch, dass Wissenschaftler als diejenigen, deren verantwortliches und kompetentes Handeln am meisten zum Tierschutz beiträgt, ihre Kenntnisse und Tätigkeiten an den höchsten wissenschaftlich-technischen Standards ausrichten.
    Ich bin überzeugt davon, dass eine solche Kombination von Kompetenz und Transparenz,zusammen mit der Etablierung einer wissenschaftlich fundierten Informationsplattform über Tierversuche, dazu führen wird, dass in absehbarer Zeit die öffentliche Debatte über und die Wahrnehmung von Tierversuchen ihre wissenschaftliche und ethische Bedeutung angemessen widerspiegeln wird.

    Stefan Treue ist Direktor des Deutschen Primatenzentrums - Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen und Professor für Kognitive Neurowissenschaften und Biopsychologie an der Universität Göttingen.

    Pressekontakt Deutsches Primatenzentrum:

    Dr. Susanne Diederich
    Deutsches Primatenzentrum GmbH - Leibniz-Institut für Primatenforschung
    Tel: +49 551 3851-359 Mobil: +49 151 42616141
    E-Mail: sdiederich@dpz.eu http://www.dpz.eu

    Pressekontakt für die Leibniz-Gemeinschaft

    Christian Walther Christoph Herbort-von Loeper
    Tel.: 030 / 20 60 49 – 42 Tel.: 030 / 20 60 49 – 48
    Mobil: 0173 / 513 56 69 Mobil: 0174 / 310 81 74
    walther@leibniz-gemeinschaft.de herbort@leibniz-gemeinschaft.de

    Die Leibniz-Gemeinschaft

    Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, und Sozialwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagenforschung, anwendungsorientierter Forschung, wissenschaftlicher Infrastrukturen und forschungsbasierter Dienstleistungen. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegt intensive Kooperationen mit den Hochschulen, u.a. über gemeinsame Wissenschaftscampi, und mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Ihre Einrichtungen unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und externalisierten Begutachtungsverfahren. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Daher fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.800 Personen, davon sind ca. 7.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, einschließlich der 3.300 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.


    Weitere Informationen:

    http://www.leibniz-gemeinschaft.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Gesellschaft, Medizin, Politik, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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