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29.05.2012 11:08

Mediziner ehren Kurt Kochsiek

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Fast 20 Jahre lang war Professor Kurt Kochsiek Direktor der Medizinischen Klinik I, drei Jahre stand er dem Universitätsklinikum als Ärztlicher Direktor vor. Für seine vielfältigen Leistungen hat ihm die Medizinische Fakultät der Uni Würzburg die Rinecker-Medaille in Gold verliehen, eine Auszeichnung, die schon an Persönlichkeiten wie Robert Koch oder Emil von Behring ging.

    Lang ist die Liste der Aufgaben, die Kurt Kochsiek im Laufe seiner Karriere als Arzt und Wissenschaftler übernommen hat; zahlreich sind seine Auszeichnungen und Ehrungen. Ein paar Beispiele:

    Von 1987 bis 1989 war er Vorsitzender des Wissenschaftsrates. Von 1989 bis 1991 Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Von 1980 bis 1998 leitete er die Medizinische Klinik I. Von 1994 bis 1997 war er Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Die Humboldt-Universität Berlin verlieh ihm die Ehrenmitgliedschaft und Ehrendoktorwürde; einen Ehrendoktor bekam er auch von der Universität Leipzig. Seit 1989 ist Kochsiek Mitglied der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften; von 1999 bis 2004 war er dort Präsidiumsmitglied. 1993 erhielt er den Bayerischen Verdienstorden, 1998 das Große Bundesverdienstkreuz und 2010 die Ehrensenatorwürde der Universität Würzburg.

    In Anerkennung seiner umfassenden Leistungen hat ihm die Medizinische Fakultät der Universität Würzburg jetzt die Rinecker-Medaille in Gold verliehen. „Kurt Kochsieks Wissenschaft war getragen von der kardiovaskulären Grundlagenforschung, die er aus der Physiologie in die Klinik brachte“, heißt es in der Laudation von Professor Georg Ertl, Direktor der Medizinischen Klinik I und somit Kochsieks Nachfolger. Komplizierte Methoden, mit denen die Durchblutung der Herzkranzgefäße und der Sauerstoffverbrauch des Herzmuskels gemessen werden können, brachte Kochsiek vom Labor ans Krankenbett und setzte sie ein, wenn Patienten an Herzklappenfehlern oder Herzrhythmusstörungen litten.

    „Kurt Kochsiek hat in Würzburg mit seinen Schülern in der Forschung das Generalthema Herzinsuffizienz, also Herzschwäche aufgegriffen“, sagte Ertl. Dabei sei ihm immer bewusst gewesen, dass Kliniker mit Grundlagenforschern, aber auch Kliniker unterschiedlicher Fachrichtungen gemeinsam arbeiten und forschen müssen, damit ihre Ergebnisse in Behandlungskonzepte münden können. Mit diesem Wissen gründete Kochsiek in Würzburg mit seinen Schülern und in Zusammenarbeit mit der Physik einen Sonderforschungsbereich zur Herzinsuffizienz, der letztlich auch „eine Basis für das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz war, das mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hier vor anderthalb Jahren eingerichtet wurde“, wie Ertl sagte.

    Kurt Kochsiek hat über 450 wissenschaftliche Arbeiten verfasst und zahllose Lehrbücher herausgegeben, zuletzt den Band „Altern und Gesundheit“ der Leopoldinareihe „Altern in Deutschland“. Seit 1998 ist er emeritiert, aber weiter als Berater unter anderem für die Medizinische Fakultät tätig.

    Kurt Kochsieks Werdegang

    Kurt Kochsiek wurde am 3. März 1930 in Oerlinghausen/Lippe geboren. Er studierte Medizin in Mainz, Göttingen, Zürich und in Heidelberg, wo er 1955 das Staatsexamen ablegte und im Oktober des darauffolgenden Jahres auch promovierte.

    Seine wissenschaftliche Prägung erhielt Kochsiek in Göttingen an der medizinischen Universitätsklinik, wo er die so genannte „Kälteverdünnungsmethode“ entwickelte. Dieses Verfahren wird heute bei Herzkatheter-Untersuchungen eingesetzt.

    1973 übernahm Kochsiek den Lehrstuhl für Innere Medizin in Tübingen, im Jahr 1980 den entsprechenden Lehrstuhl in Würzburg, verbunden mit der Leitung der Medizinischen Klinik. Hier etablierte er zunächst eine physiologisch, später auch molekular ausgerichtete Herz-Kreislauf-Forschung.

    Franz von Rinecker: Bedeutender Mediziner

    Der Namensgeber der Medaille, Franz von Rinecker, hat in der Mitte des 19. Jahrhunderts fast fünf Jahrzehnte lang die Geschicke der Würzburger Medizinischen Fakultät geprägt. Er war einerseits einer der letzten Universalmediziner, andererseits bereitete er durch die Gründung neuer Institute und Kliniken der Unterteilung der medizinischen Fächer den Weg.

    Rinecker übernahm im Jahr 1838 die ordentliche Professur für Arzneimittellehre und die Leitung der Poliklinik. Er hielt auch Vorlesungen über Kinderheilkunde, Mikroskopie und Experimentalphysiologie. Das Physiologische Institut gründete er mit, 1863 übernahm er die psychiatrische Klinik am Juliusspital, 1872 die Abteilung für Syphilis und Hautkrankheiten, für die er eine eigene Klinik errichtete.

    Medaille wird seit 1890 vergeben

    Im Andenken an Franz von Rinecker vergibt die Würzburger Medizinische Fakultät seit 1890 in unregelmäßigen Abständen eine Medaille in Gold an bedeutende Mediziner, die eine besondere Beziehung zur Universität haben. Erstmals ging die Medaille an Robert Koch (1890), zu den Trägern gehören unter anderem Camillo Golgi, Emil von Behring, Ludolf Krehl und Adolf Butenandt. 1995 wurde Ernst Helmreich ausgezeichnet, der „Vater“ des Würzburger Biozentrums, und 2010 Volker ter Meulen, langjähriger Leiter des Instituts für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg und später Präsident der Akademie Leopoldina.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    überregional
    Personalia
    Deutsch


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