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01.06.2012 08:34

Uniklinikum Aachen gründet Interdisziplinäres Neurovaskuläres Zentrum

Felix Lennertz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Aachen

    Die Blutgefäße im menschlichen Körper sind fast 100.000 Kilometer lang. Von der fingerdicken Aorta bis hin zur haarfeinen Verästelung durchziehen sie jeden Winkel des Körpers und versorgen ihn mit Nähr- und Sauerstoff. Eigentlich ein perfektes System. Es sei denn, die Gefäße verstopfen oder werden schlaff und brüchig. Im neuen Interdisziplinären Neurovaskulären Zentrum am Uniklinikum Aachen (INZA) befassen sich zehn Fachkliniken gemeinsam mit der Diagnostik und Therapie gefäßbedingter Erkrankungen der arteriellen und venösen Blutgefäße des Hirn- und Rückenmarkkreislaufs – und setzen damit auch Maßstäbe bei der Behandlung von Schlaganfallpatienten.

    Oft handelt es dann um akut lebensbedrohliche Zustände, die der umgehenden Behandlung bedürfen: Ein Schlaganfall beispielsweise muss so schnell wie möglich behandelt werden. „Time is brain“ lautet die Maxime, denn das Gehirn trägt sehr schnell irreparable Schäden davon, wenn es nicht mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, schwerste Lähmungen oder gar der Tod sind die Folge. Ähnlich ist es bei Aneurysmen (Gefäßerweiterungen) und Gefäßmissbildungen im Gehirn, die zu Anfällen, Lähmungen und folgenreichen Einblutungen führen.

    Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten in der Behandlung von Gefäßerkrankungen des Gehirns sind in den letzten Jahren derart komplex geworden, dass es einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit bedarf, um eine optimale Versorgung der Patienten zu gewährleisten. In einer immer älter werdenden Gesellschaft leiden viele Patienten des INZA unter verschiedenen Erkrankungen, zum Teil sind sie bereits medikamentös oder chirurgisch vorbehandelt oder stehen kurz vor einem wichtigen Eingriff.

    Die optimale Behandlungsstrategie wird im INZA für jeden einzelnen Patienten individuell entwickelt. Dabei ziehen die Mediziner der verschiedenen Fachrichtungen nicht nur die Symptome und den Zustand der Gefäße in Betracht. Vielmehr ist das Augenmerk auch auf die individuellen Begleitumstände gerichtet: Jedes weitere Medikament muss zum Patient und seiner Standard-Medikation passen, und etwaige Eingriffe bedürfen besonders eingehender Planung. Ein interdisziplinäres Expertenteam aus den Bereichen Neurologie, Neurochirurgie, Neuroradiologie, Gefäßchirurgie, Nephrologie, Kardiologie, Intensivmedizin, Herzchirurgie, Kinder- und Jugendmedizin, Notfallmedizin, Anästhesie und Operative Intensivmedizin arbeitet dabei eng zusammen. Neben der regelmäßigen Fallkonferenz, bei der die Fachärzte gemeinsam das Vorgehen beraten, steht auch die klinische und ambulante Vernetzung sowie die Forschung und Fortbildung im neurowissenschaftlichen Bereich im Fokus des Zentrums.

    Neben der akuten Versorgung von Patienten mit Gefäßerkrankungen und der bestmöglichen Wiederherstellung ihrer Fähigkeiten im Rahmen einer Rehabilitation wird im INZA auch intensiv geforscht. Das ist für Patienten von großem Vorteil, denn neue Behandlungsmethoden können dem Patienten auf diese Weise sehr schnell zur Verfügung gestellt werden.

    "Die enge und strukturierte Zusammenarbeit innerhalb dieses Zentrums kommt nicht nur der Krankenversorgung, sondern auch der klinischen Forschung, der studentischen Lehre und der ärztlichen Fortbildung zugute", sagt Univ.-Prof. Jörg B. Schulz, Sprecher des Zentrums und Direktor der Klinik für Neurologie. Um den jetzt schon hohen Standard in Diagnostik, Therapie und Grundlagenforschung für die Patientenversorgung weiter auszubauen, ist ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit im INZA die Forschung und Entwicklung. Neue interventionelle, chirurgische und medikamentöse Therapien und Strategien werden dabei nach einem klar festgelegten, interdisziplinären Qualitätsprotokoll erarbeitet und systematisch ausgewertet.

    „Unser Zentrum sieht fest definierte Standardprozeduren für die Behandlung von zahlreichen neurovaskulären Erkrankungen vor: So werden beispielsweise alle akuten Schlaganfälle, die interventionelle Schlaganfallbehandlung, die Behandlung von Arterienerweiterungen und die Behandlung von Verengungen der Halsschlagadern auf universitärem Niveau einheitlich geregelt“, erklärt Prof. Schulz. Das beschleunigt den Entwicklungsprozess, und gerade Patienten profitieren frühzeitig, weil Neuerungen besonders schnell und zuverlässig in Behandlungsschemata integriert werden.

    Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Prof. Thomas Ittel, begrüßt die Einrichtung des neurovaskulären Zentrums: „Ein solches Zentrum ist auch ein Signal für unsere Patienten und klinischen Kooperationspartner: Es macht deutlich, dass die Experten unterschiedlicher medizinischer Fachrichtungen im Sinne einer optimalen Diagnose und Behandlung von Patienten mit hochkomplexen Erkrankungen eng zusammenarbeiten und gemeinsam entsprechende Versorgungskonzepte auf universitärem Niveau etablieren.“


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Kooperationen
    Deutsch


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