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08.06.2012 09:56

RABBIT-Risikoscores zur Vorhersage des Infektionsrisikos bei rheumatoider Arthritis geeignet

Jacqueline Hirscher Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin

    Berlin, 8. Juni 2012. Eine Forschergruppe um Professor Angela Zink, Dr. Joachim Listing und Dr. Anja Strangfeld vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin, einem Leibniz-Institut, hat an Patienten des deutschen Biologika-Registers RABBIT einen Score entwickelt, der es Rheumatologen ermöglicht, das Infektionsrisiko eines Patienten bei unterschiedlichen Behandlungsalternativen zu bestimmen. Dieser Score wurde nun an einer neuen Stichprobe von Patienten überprüft und zeigte eine sehr hohe Vorhersagegenauigkeit. Die Ergebnisse der Studie wurden heute auf dem europäischen Rheumatologenkongress (EULAR) in Berlin präsentiert.

    RABBIT ist das deutsche Register zur Beobachtung neuer Therapien bei rheumatoider Arthritis. Der RABBIT-Risikoscore wurde an Patienten entwickelt, die zwischen 2001 und 2006 in das Register eingeschlossen wurden. Er errechnet das Risiko für eine schwerwiegende Infektion bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, die entweder mit einem TNF-Inhibitor oder mit konventionellen krankheitsmodifizierenden antirheumatischen Medikamenten (DMARDs) behandelt werden. Die nun vorgestellte Studie stützt sich auf Daten von 2.603 Patienten, die zwischen 2009 und 2011 zu Beginn ihrer Behandlung mit anti-TNF (n = 1.327) oder konventionellen DMARDs (n = 1.276) in das RABBIT-Register aufgenommen wurden. Mithilfe des RABBIT-Risikoscores wurde für jeden Patienten die Wahrscheinlichkeit einer schwerwiegenden Infektion auf Basis des individuellen Risikoprofils berechnet. „Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen den Score als ein nützliches Instrument zur Identifizierung von Patienten mit rheumatoider Arthritis, die ein hohes Risiko für eine schwerwiegende Infektion bei der Behandlung mit TNF-Inhibitoren oder DMARDs aufweisen“, so Professor Angela Zink.
    Zwischen der beobachteten und der berechneten Anzahl schwerwiegender Infektionen gab es eine hohe Übereinstimmung. Für alle mit TNF-Inhibitoren behandelten Patienten betrug die erwartete Anzahl schwerwiegender Infektionen 3 je 100 Beobachtungsjahre, während die tatsächlich beobachtete Anzahl bei 3,2 lag. Für die mit konventionellen DMARDs behandelten Patienten betrug die erwartete Anzahl schwerwiegender Infektionen 1,5, während die tatsächlich beobachtete Anzahl bei 1,3 je 100 Beobachtungsjahre lag. Bei Vorliegen eines oder mehrerer Risikofaktoren und gleichzeitiger Therapie mit Glukokortikoiden ≥ 7,5 mg/Tag war das errechnete Risiko unter TNF-Inhibitoren 10 Infektionen je 100 Beobachtungsjahre, tatsächlich waren es 9,4. Unter konventionellen DMARDs betrugen die erwarteten und beobachteten Werte 5,0 und 7,9.
    „Dieser Score kann Rheumatologen bei der Entscheidung über Behandlungsalternativen unterstützen. Vor dem Hintergrund des Infektionsrisikos eines bestimmten Patienten, das sich aus Begleiterkrankungen, Alter, Therapiegeschichte, früheren Infektionen und aktueller Therapie ergibt, können Therapien in ihrem Risiko gegeneinander abgewogen werden. Beispielsweise kann eine Behandlung mit einem TNF-Inhibitor, die per se zu einer leichten Risikoerhöhung führt, günstiger sein als eine Behandlung mit einem konventionellen DMARD, wenn hierdurch weniger Glukokortikoide gegeben werden müssen. Ist die TNF- Inhibitor-Therapie hingegen nicht ausreichend wirksam und müssen höher dosierte Glukokortikoide hinzugegeben werden, dann kann ein sehr hohes Infektionsrisiko entstehen“, erläutert Professor Angela Zink.
    Abstract Nummer: OP0144
    Kontakt:
    Für weitere Informationen zu dieser Studie oder Interviewanfragen mit dem Hauptautor der Studie wenden Sie sich bitte während des EULAR-Kongresses an die Pressestelle des EULAR-Kongresses in Halle 6 im zweiten Stock des Kongresszentrums oder an:
    Candice Debleu, E-Mail: eularpressoffice@cohnwolfe.com, Tel.: +44 78 94 38 64 25
    Ulrike Raap, E-Mail: uraap@hs-healthcare.de, Tel.: 040-31 78 64 23
    Juliane Petzold, E-Mail: jpetzold@hs-healthcare.de, Tel.: 0170-765 63 80
    Angela Zink, E-Mail:zink@drzf.de, Tel.:030-28460 621, www.drfz.de

    Über EULAR:
    Die European League Against Rheumatism (EULAR) repräsentiert als europäischer Dachverband wissenschaftliche Gesellschaften, Verbände von Gesundheitsdienstleistern sowie Selbsthilfegruppen aus ganz Europa.

    Die EULAR wie auch die European Union of Medical Specialists (UEMS) schließen rheumatische Erkrankungen des Bindegewebes sowie des lokomotrischen und muskuloskeletalen Systems in ihre Arbeit mit ein.

    Die EULAR fördert und unterstützt die Erforschung, Prävention, Behandlung und Rehabilitation von rheumatischen Erkrankungen. Mit 45 wissenschaftlichen Mitgliedsgesellschaften, 36 PARE Organisationen und 10 Verbänden für Gesundheitsdienstleister unterstreicht EULAR neben der medizinischen Bekämpfung rheumatischer Erkrankungen auch die Bedeutung einer breit angelegten Versorgung und eines profunden Verständnisses der sozialen und sonstigen Bedürfnisse für bzw. von Rheumapatienten.

    Erkrankungen der Knochen und Gelenke wie zum Beispiel rheumatoide Arthritis und Osteoarthritis verursachen bei vier bis fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung eine Behinderung und werden aufgrund der steigenden Lebenserwartung noch weiter zunehmen.

    Der EULAR-Kongress 2012 ist mit mehr als 15.000 Wissenschaftlern, Ärzten, angeschlossenen Gesundheitsdienstleistern und anderen interessierten Teilnehmern aus über 115 Ländern die größte Veranstaltung für rheumatische Erkrankungen in Europa. Im Rahmen des Kongresses gibt es mehr als 275 Vorträge und 1.400 Posterpräsentationen. In 190 Sitzungen werden 1.010 eingeladene Sprecher Vorträge halten.


    Weitere Informationen:

    http://www.eular.org


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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