idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
14.06.2012 09:45

Charakterstärken trainieren macht glücklich

Beat Müller Kommunikation
Universität Zürich

    Wer Charakterstärken trainiert, steigert sein Wohlbefinden. Dies ist das Ergebnis einer breit angelegten Studie eines Psychologenteams der Universität Zürich. Erstmals wurde darin nachgewiesen, dass ein solches Training wirkt. Den grössten Effekt zeigte dabei das Trainieren der Stärken «Neugier», «Dankbarkeit», «Optimismus», «Humor» und «Enthusiasmus».

    Charakterstärken definieren sich als moralisch positiv bewertete Eigenschaften. Dass sie auf positive Weise mit Lebenszufriedenheit in Beziehung stehen, wurde bereits in vielen Studien gezeigt. Dass sie sich aber ursächlich auf die Lebenszufriedenheit auswirken und dass ihr Training eine Steigerung des Wohlbefindens zur Folge hat, haben Willibald Ruch, René T. Proyer und Claudia Buschor vom Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Zürich jetzt erstmals nachgewiesen.

    Wer trainiert, profitiert

    Für ihre aktuelle Studie hat das Forscherteam 178 Erwachsene nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen eingeteilt: Während die eine Gruppe über einen Zeitraum von zehn Wochen die Stärken «Neugier», «Dankbarkeit», «Optimismus», «Humor» und «Enthusiasmus» trainiert hat, hatte die andere Gruppe mit den Stärken «Sinn für das Schöne», «Kreativität», «Freundlichkeit», «Liebe zum Lernen» und «Weitsicht» gearbeitet. Die dritte Gruppe fungierte als Kontrollgruppe und hatte keine Übungen durchgeführt. Drei Hauptergebnisse konnten die Autoren der Studie festhalten: Ein bedeutsamer Anstieg der Lebenszufriedenheit im Vergleich mit der Kontrollgruppe fand sich vor allem bei der Gruppe, die Neugier, Dankbarkeit, Optimismus, Humor und Enthusiasmus trainiert hat. Im Vergleich zu vor dem Trainingsbeginn profitierten aber beide Gruppen von den Stärkentrainings. «Wer die einen oder anderen Stärken trainiert hatte, berichtete von gesteigertem Wohlbefinden», zieht Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik, Bilanz. «Dies äusserte sich beispielsweise darin, dass diese Teilnehmenden heiterer oder häufiger positiver Stimmung waren.» Als dritte Erkenntnis zeigte sich, dass vor allem jene Personen von den Trainings profitiert haben, die im Verlauf der Trainingszeit sowohl ihre Handlungen und Gefühle besser steuern lernten, als auch mehr Enthusiasmus entwickelt hatten.

    Die Übungen waren Aktivitäten, welche die Probanden einfach in ihren Alltag integrieren konnten. Dankbarkeit übten sie beispielsweise, indem sie ein Dankesschreiben an eine Person verfassten, die im eigenen Leben eine wichtige Rolle gespielt hat. Den Sinn für das Schöne konnten sie unter anderem damit trainieren, indem sie in ihrem Alltag auf Momente und Situationen achteten, in denen sie Bewunderung für etwas Schönes empfinden konnten. In Betracht kamen hierfür sowohl Menschen und Dinge, die ihnen gefielen, wie auch besondere Fähigkeiten oder Talente von Mitmenschen oder auch bewegende Gesten und Handlungen.

    Positive Psychologie und Charakterstärken

    Charakterstärken und ihre Beziehung zum Wohlbefinden sind ein wichtiges Forschungsfeld der Positiven Psychologie. Unter diesem Oberbegriff hat sich in den letzten Jahren eine neue Richtung etabliert, die sich hauptsächlich auf die Erforschung positiver Eigenschaften konzentriert und die sich zum Ziel setzt, zu entdecken, was das Leben am meisten lebenswert macht, was also Lebenszufriedenheit ausmacht. Damit fokussiert die Positive Psychologie auf Themen, die von der Psychologie lange Zeit vernachlässigt wurden.

    Literatur:

    René T. Proyer, Willibald Ruch and Claudia Buschor. Testing strengths-based interventions: A preliminary study on the effectiveness of a program targeting curiosity, gratitude, hope, humor, and zest for enhancing life satisfaction. Journal of Happiness Studies (in press). doi:10.1007/s10902-012-9331-9

    Kontakte:

    Prof. Dr. Willibald Ruch
    Persönlichkeitspsychologie
    und Diagnostik
    Psychologisches Institut
    Universität Zürich
    Tel.: +41 (0)44 635 75 20
    E-Mail: w.ruch@psychologie.uzh.ch

    Dr. René Proyer
    Persönlichkeitspsychologie
    und Diagnostik
    Psychologisches Institut
    Universität Zürich
    Tel.: +41 (0)44 635 75 24
    E-Mail: r.proyer@psychologie.uzh.ch

    Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Studie gesucht

    Während die abgeschlossene Studie einen eher breiten Fokus hatte, sollen jetzt in einem Folgeprojekt die einzelnen Stärken erforscht werden. Für diese Studie startet in Kürze ein neues Trainingsprogramm, für das noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht werden.

    Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten sich für eine Woche pro Abend ca. 10-15 Minuten Zeit frei halten und bereit sein, regelmässig einige Online-Fragebogen zu bearbeiten, um Veränderungen im Wohlbefinden beobachten zu können.

    Wer das komplette Programm abschliesst, erhält eine individuelle Rückmeldung zu seinen Charakterstärken und zu möglichen Veränderungen im Verlauf der Teilnahme. Die Teilnahme am Programm erfolgt von zu Hause aus über ein Online-Programm und ist kostenlos.

    Informationen, Kontakt und Anmeldung: www.staerkentraining.ch


    Weitere Informationen:

    http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2012/charakterstaerken-trainieren-macht-glu... – Medienmitteilung der Universität Zürich in deutsch
    http://www.mediadesk.uzh.ch/articles/2012/charakterstaerken-trainieren-macht-glu... – Medienmitteilung der Universität Zürich in englisch
    http://www.staerkentraining.ch – Informationen, Kontakt und Anmeldung für an einer Studienteilnahme Interessierte


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).