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28.06.2012 13:50

Wenn Komponenten der Immunabwehr gesunde Nervenzellen töten

Dr. Julia Biederlack GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

    Charité-Studie untersucht Mechanismen

    Das Absterben gesunder Nervenzellen kann auf Komponenten des Immunsystems zurückgeführt werden. Das haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer internationalen und fächerübergreifenden Forschungskooperation gezeigt. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Juni-Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Neuroscience* erschienen. Sie spielen möglicherweise eine wichtige Rolle, um neurodegenerative Prozesse zu erklären, wie sie etwa bei der Alzheimer-Erkrankung auftreten.

    Greifen Krankheitserreger den Körper an, werden sie von der körpereigenen Immunabwehr bekämpft. Immunrezeptoren wie die sogenannten Toll-like-Rezeptoren (TLR) docken an den Erreger an und lösen eine Abwehrreaktion aus, die sich als Entzündung im betroffenen Gewebe zeigt. Die Arbeitsgruppe um Prof. Seija Lehnardt von der Klinik für Neurologie und vom Institut für Zell- und Neurobiologie an der Charité hat nun nachgewiesen, dass der Immunrezeptor TLR7 nicht nur in Immunzellen des Körpers vorkommt, sondern auch in Nervenzellen zu finden ist.

    Anders als bei Immunzellen kommt es bei einer Aktivierung von Immunrezeptoren in Nervenzellen zu degenerativen Prozessen. Sabrina M. Lehmann, Erstautorin der Studie, erklärt: „Die TLR7-Immunrezeptoren, die wir in den Nervenzellen entdeckt haben, erkennen körpereigene Moleküle wie das let-7-Molekül, das normalerweise an der Genregulation beteiligt ist. Die Immunrezeptoren binden diese Moleküle und lösen so den Tod der Nervenzelle aus.“ Aus der geschädigten Zelle treten dann neue let-7-Moleküle aus, die sich an die Immunrezeptoren der benachbarten Nervenzellen binden, so dass der zerstörerische Prozess von vorn beginnt und sich mit einer Art Domino-Effekt weiter fortsetzen kann. In der Folge werden immer mehr, bisher gesunde Nervenzellen vernichtet.

    „Unsere Daten zeigen, dass bei Patientinnen und Patienten mit Morbus Alzheimer im Vergleich zu gesunden Menschen größere Mengen an let-7-Molekülen im Nervenwasser vorhanden sind“, berichtet Prof. Lehnardt. Das ließe darauf schließen, so Lehnardt weiter, dass die entdeckten zellbiologischen Abläufe auch eine Rolle bei neurodegenerativen Prozessen wie der Alzheimer-Erkrankung spielen könnten. „Möglicherweise lässt sich anhand der Ergebnisse der Studie in Zukunft ein ganz neuer Ansatz für die Therapie solcher Erkrankungen des Nervensystems entwickeln.“

    *Sabrina M Lehmann, Christina Krüger, Boyoun Park, Katja Derkow, Karen Rosenberger, Jan Baumgart, Thorsten Trimbuch, Gina Eom, Michael Hinz, David Kaul, Piet Habbel, Roland Kälin, Eleonora Franzoni, Agnieszka Rybak, Duong Nguyen, Rüdiger Veh, Olaf Ninnemann, Oliver Peters, Robert Nitsch, Frank L Heppner, Douglas Golenbock, Eckart Schott, Hidde L Ploegh, F Gregory Wulczyn & Seija Lehnardt. In: Nature Neuroscience 15, 827–835 (2012). doi:10.1038/nn.3113

    Kontakt:
    Prof. Seija Lehnardt
    Klinik für Neurologie und
    Institut für Zell- und Neurobiologie
    Charité – Universitätsmedizin Berlin
    t: +49 30 450 528 090
    seija.lehnardt[at]charite.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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