idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
23.07.2012 11:04

Die Hälfte der jugendlichen Patienten spricht nicht ausreichend auf Therapie an

Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

    Berlin – Ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung helfen nicht immer, einen Diabetes mellitus Typ 2 zu lindern oder zu verhindern. Insbesondere bei übergewichtigen Jugendlichen bessert ein anderer Lebensstil häufig nicht das Krankheitsbild, wie eine neue Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) zeigt. gemäß einer im Lancet veröffentlichten Studie führten Lebensstilländerungen nur bei circa der Hälfte der Menschen mit Prädiabetes, den Blutzucker wieder zu normalisieren. Warum der Stoffwechsel bei manchen Menschen auf diese Maßnahmen nicht ausreichend reagiert, ist bislang unklar.

    An der jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie nahmen 699 übergewichtige Jugendliche teil, die bereits im Alter von zehn bis 17 Jahren an Diabetes Typ 2, dem „Alterszucker“, erkrankt waren. Ziel der sogenannten TODAY-Studie war es herauszufinden, welche Therapie den Blutzucker bei heranwachsenden Menschen am zuverlässigsten normalisiert.

    Hierfür verteilten die Forscher die jugendlichen Typ-2-Diabetiker nach dem Zufallsprinzip auf drei verschiedene Behandlungsgruppen: Die erste Gruppe erhielt die Blutzucker senkenden Tabletten Metformin, ein Präparat, das auch bei Erwachsenen häufig als erstes gegeben wird. Ein weiteres Drittel kombinierte Metformin mit einem in Deutschland nicht mehr zugelassenen Medikament (Rosiglitazon). Die dritte Gruppe änderte zusätzlich zur Metformintherapie auch ihren Lebensstil – Die Jugendlichen lernten an der Seite eines persönlichen Trainers, kalorienreiche Nahrungsmittel zu meiden, vermehrt ballaststoffreiche Kost zu essen und 200 Minuten Sport pro Woche zu treiben.

    „Die Ergebnisse der Fünf-Jahres-Studie waren leider ernüchternd“, kommentiert Professor Matthaei die Ergebnisse. Nur die Hälfte der jungen Patienten erreichte mit dem Medikament Metformin einen akzeptablen Blutzucker. Und die Änderung des Lebensstils brachte keine zusätzliche Besserung. Auch die im Lancet veröffentliche Präventionsstudie „Diabetes Prevention Programm“, die ebenfalls mit Metformin und Lebensstilintervention arbeitete, zeigte bei den erwachsenen Prädiabetikern bei ungefähr 50 Prozent langfristig keine Normalisierung des Blutzuckers – also eine sogenannte non-response auf die Therapie.

    „Diese unbefriedigenden Ergebnisse können nicht allein mit mangelhafter Disziplin erklärt werden“, betont DDG Pressesprecher Professor Dr. med. Andreas Fritsche aus Tübingen. „Leider wird die TODAY-Studie in der Öffentlichkeit oft anders interpretiert – im Sinne mangelhafter Therapietreue der Patienten. Der Ansicht, dass Patienten ausschließlich selbst schuld an ihrem Therapiemisserfolg seien, möchte die DDG entgegentreten, so Fritsche. Die Autoren der Studie selbst berichten nämlich, dass mehr als 80 Prozent der Patienten Metformin regelmäßig eingenommen haben – ein guter Wert. Gleiches gilt für die Lebensstilmaßnahmen: Die Patienten nahmen an 75 Prozent der Sitzungen in den ersten zwei Jahren der Studie teil – ebenfalls ein guter Wert.

    „Möglicherweise sind vielmehr biologische und pathophysiologische Unterschiede dafür verantwortlich, dass Metformin und Lebensstiländerung bei manchen Prädiabetikern den Diabetes nicht verhindern können, und bei Jugendlichen keine Verbesserung des Stoffwechsels erreichen“, ergänzt Professor Fritsche. Menschen, die schon in ihrer Jugend an Diabetes erkranken, leiden offensichtlich an einer besonders aggressiven Form des Diabetes Typ 2. Über politische und gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensstils hinaus seien daher verstärkte Forschungsanstrengungen nötig, um der Diabetes-Pandemie gezielter und wirkungsvoller begegnen zu können.

    Literatur
    TODAY Study Group, Zeitler P., Hirst K., Pyle L., Linder B., Copeland K., Arslanian S., Cuttler L., Nathan DM, Tollefsen S., Wilfley D., Kaufman F.: A clinical trial to maintain glycemic control in youth with type 2 diabetes. N Engl J Med 2012; 366 (24): 2247–56

    Perreault L., Pan Q., Mather KJ, Watson KE, Hamman RF, Kahn SE: Diabetes Prevention Program Research Group. Effect of regression from prediabetes to normal glucose regulation on long-term reduction in diabetes risk: results from the Diabetes Prevention Program Outcomes Study. Lancet 2012; 379 (9833): 2243–51

    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle DDG
    Anna Julia Voormann
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-552, Fax: 0711 8931-167
    voormann@medizinkommunikation.org
    http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

    Deutsche Diabetes Gesellschaft
    Geschäftsstelle
    Reinhardtstr. 31
    10117 Berlin
    Tel.: 030 3116937-11, Fax: 030 3116937-20
    info@ddg.info
    http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).