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16.08.2012 15:39

Neue Operationstechnik: Speicheldrüsentransplantation bei Tumorpatienten

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Eine neue Operationstechnik erspart Patienten mit Tumoren im Kopf- und Halsbereich die unangenehme Mundtrockenheit nach einer Bestrahlung. Bei der weltweit erstmals durchgeführten Methode wird vor der Bestrahlung eine Speicheldrüse in den Unterarm der Patienten und später wieder zurückverpflanzt.

    Wenn im Mund zu wenig Speichel fließt, ist das unangenehm und problematisch. „Ohne eine ausreichende Speichelproduktion sind Mund und Rachen stets trocken und infektionsanfällig. Die Zunge brennt und klebt am Gaumen, das Geschmacksempfinden ist stark reduziert und auch das Essen macht keine Freude mehr.“

    So beschreibt Professor Rudolf Hagen, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen am Würzburger Universitätsklinikum, die belastende Situation. Auch Zähne und Zahnfleisch werden ohne den Schutz des Speichels auf Dauer beeinträchtigt; es droht Zahnausfall.

    Schädigung der Speicheldrüsen als Nebenwirkung

    Dieses Schicksal blieb vielen Patienten mit bösartigen Tumoren im Kopf- und Halsbereich bislang nicht erspart. „Bei solchen Krebsarten ist in der Regel eine intensive Radiotherapie notwendig, die leider eine dauerhafte Schädigung der Speicheldrüsen als Nebenwirkung mit sich bringt“, so Professor Hagen. Obwohl auch die Radiotherapie deutlich schonender geworden ist und speziell die Ohrspeicheldrüsen effektiv aussparen kann, ist dies bei den Unterkieferspeicheldrüsen bislang nicht möglich.

    Um Abhilfe zu schaffen, hat der Würzburger HNO-Experte eine mikrochirurgische Operationstechnik entwickelt, um bei den Patienten zumindest eine der sechs großen Speicheldrüsen voll funktionsfähig zu erhalten. Dabei wird das etwa sechs Zentimeter lange Organ vor der Strahlentherapie entnommen und in den Unterarm verpflanzt. „Wir schließen die Speicheldrüse dort an die Blutgefäße an und legen ihren Ausführungsgang nach außen an die Hautoberfläche“, schildert Hagen. „So kann der weiterhin produzierte Speichel in einen kleinen, auswechselbaren Auffangbeutel fließen.“

    Nach der Bestrahlung wird die Drüse dann wieder in den Hals zurück implantiert. Diese Rückverpflanzung ist laut Hagen der schwierigste Teil der Operationsmethode, denn das Zielgewebe ist nach der Bestrahlung narbenartig verändert.

    69-jährigen Patienten erfolgreich behandelt

    Dass die weltweit einzigartige „Autotransplantation der Unterkieferspeicheldrüse nach Hagen“ auch wirklich funktioniert, hat der Würzburger Professor in diesem Jahr bewiesen: Im Februar hat er einem 69-jährigen Tumorpatienten die Speicheldrüse entnommen und im Unterarm „zwischengelagert“. Es folgten eine zweimonatige Radiotherapie und weitere zwei Monate Rekonvaleszenz. Im Juli 2012 verlegte Rudolf Hagen die Drüse dann zurück. Sie arbeitet seither problemlos und sorgt für einen ausreichend feuchten Mund und Rachen.

    „Nachdem er mehrere Monate die Einschränkungen ohne ausreichende Speichelproduktion erleben musste, ist der Patient nun sehr glücklich, dass es für ihn hier einen Weg zurück zur Normalität gegeben hat“, freut sich der Würzburger Mediziner.

    Hohes Potenzial für weitere Einsätze

    Das erfolgreiche „Pilotprojekt“ hat den Weg für weitere Einsätze geebnet: Pro Jahr werden über das Krebszentrum (Comprehensive Cancer Center) Mainfranken am Universitätsklinikum Würzburg bis zu 100 Kranke vorstellig, für die diese Methode in Frage kommt. Derzeit warten schon weitere Patienten, deren Speicheldrüse in den Unterarm ausgelagert wurde, auf eine Rückverpflanzung und ein Weiterleben mit genügend Speichel.

    Hinweis für Redaktionen und Journalisten: Presseanfragen zum Thema bitte an Susanne Just, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-59447, just_s@klinik.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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