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28.08.2012 12:30

Viszeralmedizin-Kongress 2012: Schlüsselloch-Operation nicht immer besser

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Viszeralmedizin 2012
    19. bis 22. September 2012, Congress Center Hamburg
    67. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten mit Sektion Endoskopie (DGVS)
    6. Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie gemeinsam mit den Arbeitsgemeinschaften der DGAV

    Schlüsselloch-Operation nicht immer besser: Kleine Schnitte für Blinddarm und Gallenblase, großer Schnitt bei Magenkrebs

    Hamburg – Die sogenannte Schlüsselloch-Chirurgie entwickelt immer feinere technische Zugangswege ins Körperinnere. Doch nicht immer ist die Variante mit kleinstmöglichen Schnitten besser als ein offener Eingriff mit einer längeren Narbe. So überwiegen die Vorteile des offenen Zugangs etwa bei Magen- oder Bauchspeicheldrüsenkrebs, während ein minimalinvasiver Zugang bei Blinddarm- und Gallenblase sinnvoller ist. Die Vor- und Nachteile der verschiedenen OP-Techniken und worauf Patienten bei der Entscheidungsfindung achten sollten, erläutern Experten auf der Pressekonferenz im Rahmen der Tagung „Viszeralmedizin 2012“ am 20. September 2012 in Hamburg.

    Die meisten Operationen im Bauchraum sind heute minimalinvasiv machbar: Über winzige Schnitte in der Bauchdecke führen Ärzte kleine Sonden mit Instrumenten und Kamera zum Organ und operieren mit Blick auf den Bildschirm. Neben der Vorgeschichte des Patienten, Erkrankung und Lage der Organe spiele die Erfahrung des Operateurs bei der Entscheidungsfindung eine sehr wichtige Rolle, betont Professor Dr. med. Stefan Post, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Der Direktor der Chirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Mannheim rät Patienten daher, sich aktiv zu erkundigen, wie häufig der Chirurg den minimalinvasiven Eingriff vorgenommen hat. „Diese Frage ist in den USA mittlerweile üblich und sollte auch in Deutschland zur Routine werden“, erklärt Post.

    Ebenfalls wichtig sei zu erfragen, ob der Operateur während des Eingriffs bei Bedarf vom minimalinvasiven auf ein offenes Verfahren umsteige. „Hier liegt das richtige Maß in der Mitte. Wer sehr häufig umsteigt, beherrscht die Methode unzureichend, wer zu selten umsteigt, gefährdet unter Umständen die Heilungsaussichten. Im Zweifel sollte immer das Wohl des Patienten den Ausschlag für eine Operationstechnik geben und nicht die eher kosmetische Frage, ob die Narbe einen oder sechs Zentimeter lang ist“, meint Viszeralchirurg Post.

    Für einige Eingriffe haben sich unterdessen klare Präferenzen pro oder contra Schlüsselloch-OP herausgebildet. Muss etwa einer Frau im gebärfähigen Alter der Blinddarm entfernt werden, ist die laparaskopische Vorgehensweise mittels Bauchspiegelung vorzuziehen: „Dann kann der Chirurg während des Eingriffs auch erkennen, ob die Eierstöcke entzündet sind“, so Post. Ähnliches gilt für eine Magen-Verkleinerung oder -Umleitung: „Auch übergewichtige Patienten operieren wir ausschließlich minimalinvasiv“, berichtet Post. Denn bei ihnen steige mit der Narbenlänge die Wundinfektionsrate.

    Anders verhält es sich zum Beispiel bei großem, fortgeschrittenen Magenkrebs. Hier ist ein offener Eingriff günstiger. „Der Tumor sollte während der Operation nach Möglichkeit nicht einreißen“, erklärt Post. „Das kann der Chirurg eher sicherstellen, wenn er die Geschwulst vorsichtig mit den Händen hält als mit starren Instrumenten. Der Tastsinn ist in diesem Fall wichtig.“

    Gallenblasen entfernen Chirurgen heute praktisch nur noch laparaskopisch. Ganz neu verläuft dies mit der „Single incision laparascopic surgery“ (SILS). Der Eingriff geht über einen einzigen, etwas größeren Schnitt anstatt mit mehreren kleinen Schnitten wie bei der Laparaskopie üblich. „Diese Technik muss erst noch beweisen, ob sie echte Vorteile für den Patienten bringt und nicht nur eine größere Herausforderung für den Operateur“, erläutert Post.

    Handelt es sich um ältere Patienten, die vor einer Operation stehen, sollten Arzt und Patient auch die Narkosezeit bedenken. Minimalinvasive Eingriffe dauern in der Regel länger als offene Operation. „Je länger die Narkose andauert, desto größer ist das Risiko, dass ältere Patienten hinterher verwirrt sind“, so der Viszeralchirurg. Demgegenüber stehe der Vorteil, dass gerade Senioren sich rascher von einem minimalinvasiven Eingriff erholen.

    Das ausführliche Kongressprogramm finden Sie hier: http://www.viszeralmedizin.com

    Terminhinweise:

    Kongress-Pressekonferenz anlässlich der Viszeralmedizin 2012
    Termin: Donnerstag, 20. September 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
    Ort: Saal 18/19, Congress Center Hamburg (CCH)
    Eines der Themen:
    Schlüsselloch-OP ja oder nein – Wann sind minimalinvasive Verfahren offenen Eingriffen überlegen?, Professor Dr. med. Stefan Post

    Kongresssitzungen zum Thema:
    SILS – mehr als ein Trend!?
    Donnerstag, 20. September 2012, 8.30 – 10.00 Uhr, Saal A, CCH

    Techniken der minimalinvasiven Chirurgie: Videositzung
    Donnerstag, 20. September 2012, 15.00 – 16.30 Uhr, Saal F, CCH

    Chirurgie des Häufigen: Was ist wirklich evidenzbasiert?
    Donnerstag, 20. September 2012, 17.00 – 18.30 Uhr, Saal D, CCH

    MIC (minimalinvasive Chirurgie) aktuell
    Freitag, 21. September 2012, 10.00 bis 11.30 Uhr, Saal D, CCH

    Kontakt für Journalisten:
    Pressestelle Viszeralmedizin 2012
    Christine Schoner, Irina Lorenz-Meyer
    Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Tel: 0711 8931-573
    Fax: 0711 8931-167
    schoner@medizinkommunikation.org
    lorenz-meyer@medizinkommunikation.org
    http://www.viszeralmedizin.com
    http://www.dgvs.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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