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11.09.2012 16:50

HTA-Bericht: beschichtete Katheter können Blutbahninfektionen vermeiden

Sven Borowski Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)

    Der Einsatz bestimmter Antibiotika-beschichteter Venenkatheter kann bei Intensivpatienten Blutbahninfektionen vermeiden. So das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung, die das DIMDI jetzt veröffentlicht hat. Auch ließen sich damit Kosten einsparen. Allerdings erlaubten die zugrunde gelegten Studien keine uneingeschränkt gültigen Aussagen, so die Autoren.

    Betrachtet hatten sie dabei Minocyclin/Rifampicin (MR)-beschichtete zentralvenöse Katheter (ZVK), die in der Intensivmedizin eingesetzt werden. Zu deren Wirksamkeit und Kosteneffektivität haben sie den nun vorliegenden HTA-Bericht erstellt (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Die Ergebnisse im Volltext erhalten Sie kostenfrei beim DIMDI.

    Ergebnisse des HTA-Berichts
    Für ihren HTA-Bericht identifizierten die Autoren per systematischer Literaturrecherche 15 Studien für die medizinische und vier für die gesundheitsökonomische Bewertung. MR-beschichtete Katheter senken demnach die Infektionsrate verglichen zu herkömmlichen oder anderen antimikrobiell beschichteten ZVK. So war in einer Studie unter MR-ZVK das Risiko für Blutbahninfektionen und die Ansiedlung von Keimen am ZVK nur halb so hoch wie unter herkömmlichen ZVK.

    Die Studien zur Kosteneffektivität zeigen Kosteneinsparungen mit MR-beschichteten ZVK von rund 100 EUR pro Patient. Dabei sind die Einsparungen umso größer, je länger ein ZVK gelegt ist, was durch das mit der Zeit steigende Infektionsrisiko zu erklären ist.

    Eingeschränkte Aussagekraft
    Mögliche Nebenwirkungen und das Risiko potentieller Resistenzentwicklungen untersuchen die eingeschlossenen Studien nur ansatzweise. Beispielsweise gehen lediglich zwei der acht herangezogenen randomisierten kontrollierten Studien (RCT) explizit auf allergische Reaktionen ein, finden jedoch keine Hinweise darauf. Allerdings seien RCT laut Studien eher ungeeignet, um seltene Ereignisse zu identifizieren. Geeigneter sind klinische Überwachungen, so die Autoren. In den berücksichtigten RCT fanden sie auch keine Hinweise auf eine Resistenzentwicklung gegen Minocyclin und Rifampicin, die aus In-vitro-Studien durchaus bekannt seien. Zu diesen seltenen Ereignissen können die Autoren daher keine Aussagen treffen.

    Auch die Aussagen zur Wirksamkeit sind wegen der eher kleinen Stichproben der Studien nur eingeschränkt gültig, so die Autoren weiter. Auffallend finden sie, dass seit 2002 keine weiteren RCTs durchgeführt wurden. Die große Zahl systematischer Übersichtsarbeiten jedoch zeige den bestehenden hohen Informationsbedarf in der Fachöffentlichkeit. Beispielhaft nennen sie dazu die ungeklärte Situation hinsichtlich einer möglichen Resistenzbildung. Darüber hinaus sei zu beachten, dass alle bislang vorliegenden RCTs mit Unterstützung der Herstellerfirmen durchgeführt wurden und fünf von acht RCTs vom selben Autorenkollektiv stammen.

    ZVK in der Intensivmedizin
    In der Intensivmedizin gehören ZVK zu den routinemäßig genutzten Medizinprodukten, sowohl zu therapeutischen wie diagnostischen Zwecken. Ihr Einsatz ist mit Risiken wie Blutbahninfektionen verbunden. In Deutschland liegt diese Infektionsrate laut den im Bericht eingeschlossenen Studien bei 1,3 bis 2,1 pro 1.000 Tagen, an denen Patienten ZVK tragen. Dies entspräche für 2010 bis zu 10.000 Fällen oder rund 10% aller Infektionen auf Intensivstationen. Neben den herkömmlichen Kathetern ohne Beschichtung gibt es beschichtete Produkte. Die MR-Beschichtung ist dabei eine von drei etablierten Typen. Verwendet wird daneben Chlorhexidin/Silber-Sulfadiazin (CHSS) oder Silberionen-Platin/Karbon (SPK).

    (Medizinische Wirksamkeit und Kosteneffektivität von Minocyclin/Rifampicin-beschichteten zentralvenösen Kathetern zur Prävention von Blutbahninfektionen bei Patienten in intensivmedizinischer Betreuung; Silke Neusser, Eva Maria Bitzer, Ingeborg Mieth, Christian Krauth)

    HTA-Berichte bei DAHTA
    Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.


    Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und rund 60 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.


    Weitere Informationen:

    http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-329.elnk - HTA-Bericht: Volltext (PDF, 0.6 MB)
    http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-329-zusammenfassung.elnk - HTA-Bericht: Zusammenfassung (PDF, 28 kB)
    http://www.dimdi.de/de/hta/db/index.htm - HTA-Berichte beim DIMDI suchen
    http://www.dimdi.de/de/hta/index.htm - HTA beim DIMDI


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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