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19.09.2012 13:59

AOK finanziert vom Dresdner Uniklinikum entwickeltes Betreuungskonzept für Eltern Frühgeborener

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Die Mütter und Väter haben einen wichtigen Anteil daran, dass sich Frühgeborene psychisch und physisch optimal entwickeln können. Hierzu rief der Fachbereich Neonatologie / Pädiatrische Intensivmedizin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden das Projekt „FamilieNetz“ ins Leben, das nach einer erfolgreichen Pilotphase nun unter Führung der AOK PLUS von den Krankenkassen mit einem sechsstelligen Betrag finanziert wird.

    Am Vortag des in Deutschland am 20. September begangenen Welt-Kindertags unterstreichen das Universitätsklinikum Dresden und die AOK PLUS die große Bedeutung einer qualitativ hochwertigen Versorgung von zu früh oder schwerkrank geborenen Kindern. Nachdem es in den neuen Bundesländern und besonders in Sachsen und Thüringen gelungen ist, die Sterblichkeit dieser besonders kompliziert zu behandelnden Babys auf die bundesweit geringste Rate zu drücken, steht nun die Betreuung der Eltern im Mittelpunkt.

    Etwa zehn Prozent aller Neugeborenen in Deutschland sind „Frühchen“ und kommen bis zu 16 Wochen vor dem erwarteten Geburtstermin zur Welt. Ihr Überleben ist meist dem Fortschritt in der Medizin zu verdanken. Doch bleibt – gerade bei extrem unreifen Frühgeborenen – die Frage nach der Überlebensqualität, die Ärzte und Eltern vor große Herausforderungen stellt. „Neben möglichen Organschäden sind es auch psychosoziale Faktoren, die die Langzeitentwicklung dieser Kinder beeinflussen und sich damit langfristig auf deren gesundheitlichen – insbesondere neurobiologischen – Zustand auswirken“, sagt Prof. Mario Rüdiger, Leiter des Fachbereichs Neonatologie / Pädiatrische Intensivmedizin an der Uni-Kinderklinik. Deshalb rief der Kinder-Intensivmediziner vor gut drei Jahren das Projekt „FamilieNetz“ gemeinsam mit dem Psychologen Privatdozent Dr. Jörg Reichert aufgebaut. Das Anliegen, die aufgrund der langen Zeit im Krankenhaus und gewisser physischer und psychischer Einschränkungen erschwerte Eltern-Kind-Bindung zu fördern, deckt sich mit dem Anliegen des in Deutschland am 20. September stattfindenden Weltkindertags, den UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk organisieren. Damit möchten die beiden Organisationen das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit, aber eben auch auf elterliche Fürsorge ins Bewusstsein rücken.

    „Die hochspezialisierte Versorgung der Frühgeborenen und die so erzielten hervorragenden Behandlungsergebnisse stehen auf diesem Gebiet beispielhaft für die Leistungsfähigkeit der universitären Spitzenmedizin. Das Uniklinikum hat sich nicht darauf beschränkt, ein optimal funktionierendes Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe zu etablieren, sondern baut in einem nächsten Schritt psychosoziale Angebote auf, um eine neue Stufe der Betreuungsqualität zu erreichen. Dass das „FamilieNetz“ nun zu einem regulären Angebot wird, ist der unkomplizierten Unterstützung der AOK PLUS zu verdanken“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Dresdner Uniklinikums.

    Gestärkte Eltern-Kind-Bindung für ein gesünderes Aufwachsen
    „Das ‚FamilieNetz‘-Programm ist uns als familien- und qualitätsorientierte Krankenkasse besonders wichtig, da bei der AOK PLUS mit Abstand die meisten Neugeborenen versichert sind“, bekräftigt Rolf Steinbronn, Vorstandsvorsitzender der AOK PLUS. „Wichtig erscheint uns besonders das frühzeitige und aktive Einbeziehen der Eltern in die Betreuung. Durch diese gefestigte Eltern-Kind-Bindung wächst der Nachwuchs gesünder auf“, fasst der AOK-Chef die Erwartungen an das Projekt zusammen. Die AOK PLUS hat die Teil-Finanzierung des „FamilieNetz“ durch die Krankenkassen koordiniert. Insgesamt fließen dem Uniklinikum dadurch etwa 360.000 Euro pro Jahr zu.

    Ziel des bundesweit einmaligen Betreuungskonzeptes „FamilieNetz“ ist es, die psychologisch-sozialmedizinische Versorgung von Frühgeborenen unter Einbeziehung ihrer Eltern zu verbessern. Dadurch lässt sich die Langzeitentwicklung der Frühchen positiv beeinflussen: Eltern werden während der Zeit des stationären Klinikaufenthalts zur selbstständigen Pflege und Versorgung ihres Kindes und zur „Neu-Organisation“ der Familie befähigt, medizinische Behandlungserfolge durch frühzeitige Organisation ambulanter Nachsorge und Kontrolle ihrer Inanspruchnahme gesichert sowie durch eine bedarfsgerechte psychologisch-sozialmedizinische Versorgung geburtsbedingte Anpassungs- und Belastungsstörungen der Eltern vermieden.

    „FamilieNetz“ setzt bundesweit Maßstäbe und lockt Experten nach Dresden
    „Für die Eltern ist die Frühgeburt ihres Kindes ein Schock. Die zu frühe Beendigung der Schwangerschaft und der meist kritische Gesundheitszustand des Kindes beeinträchtigen die Eltern-Kind-Bindung sowie die Eltern-Kind-Interaktion. Da diese laut Studien jedoch einen stärkeren Einfluss auf die neurologische Entwicklung des Kindes hat als neue Medikamente, ist es unerlässlich die elterlichen Kompetenzen, Bindung und Interaktion gezielt zu fördern. Genau hier setzt das ‚FamilieNetz‘ an", erklärt Prof. Rüdiger. Das Konzept dieses Betreuungsangebotes setzt bundesweit Maßstäbe und hat damit Vorbildcharakter. Das Team um Prof. Rüdiger und PD Dr. Reichert empfängt regelmäßig Kollegen aus anderen Krankenhäusern, die sich über das Dresdner „FamilieNetz“ informieren. Um ihr Wissen an möglichst viele Ärzte, Psychologen, Pflegende und Therapeuten weitergeben zu können, haben die beiden ein kürzlich erschienenes Buch verfasst (Psychologisch-sozial-medizinische Versorgung von Eltern Frühgeborener, Ligatur Verlag für Klinik und Praxis, Stuttgart 2012).

    In der Startphase förderte die „BILD hilft“-Aktion „Ein Herz für Kinder“ das „FamilieNetz“, deren Unterstützung nun über eine Teilfinanzierung von den Krankenkassen abgelöst wird. Dank der Kooperation mit der AOK PLUS bekommt das Projekt, von dem allein in den vergangenen drei Jahren bereits über 2.000 Frühchen und ihre Eltern profitiert haben, nicht nur ein zukunftsgerichtetes finanzielles Fundament sondern auch eine gesundheitsökonomische Komponente. So wird künftig auch der Frage nachgegangen, ob sich die Folgekosten von Frühgeburten durch das „FamilieNetz“-Programm reduzieren lassen. In der wissenschaftlichen Begleitung des Programms werden auch die entstehenden Folgekosten in den ersten Lebensjahren der im „FamilieNetz“ betreuten Frühchen mit der bisherigen Praxis verglichen. Dafür hat die AOK PLUS umfangreiche Daten geliefert.

    Aufwendige Betreuung Frühgeborener gehört in Schwerpunktzentren
    „Dass die aufwendige Betreuung der Frühgeborenen konzentriert in bestimmten hochqualifizierten Schwerpunktzentren wie dem Uniklinikum Dresden erfolgt, unterstützen wir im Interesse unserer Versicherten sehr“, so Steinbronn weiter. „Denn hier tragen fachliche Expertise und weitreichende Erfahrung in der Behandlung außerordentlich zur hohen Versorgungsqualität bei.“ Gesundheitspolitisch steht die AOK PLUS dazu, dass der zielgerichtete Einsatz von Mindestmengen in der Behandlung bestimmter Krankheitsbilder die Qualität in den stationären Einrichtungen sichern kann. „Deshalb bedauern wir es, dass diese bundesweite Regelung durch Klagen verschiedener Krankenhäuser zurzeit weitestgehend ohne Wirkung bleibt.“

    Weitere Informationen
    http://www.uniklinikum-dresden.de/das-klinikum//kik/patienteninfo/familienetz http://www.unicef.de/aktionen/weltkindertag

    Kontakte
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Pressestelle
    Holger Ostermeyer
    Telefon 0351 458 41 62
    Mobil: 0162 255 08 99
    Fax 0351 449 210 505
    E-Mail: pressestelle@uniklinikum-dresden.de

    AOK PLUS - Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen
    Pressestelle
    Hannelore Strobel
    Telefon: 0351 4946-11144
    Fax: 0180 5 026509104
    E-Mail: presse.sac@plus.aok.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Kooperationen, Organisatorisches
    Deutsch


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