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02.10.2012 17:40

Kunst am Bau im Dresdner Uniklinikum: Von der Kraft der Bilder und der Sprache

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Im neu eröffneten Diagnostisch-Internistisch-Neurologischen Zentrum (DINZ) des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden sorgen neben rund 1.000 Ärzten, Schwestern und Servicemitarbeitern auch drei Künstler dafür, dass sich in dem hochmodernen Gebäude Patienten und Gäste so wohl wie möglich fühlen. Die Arbeiten von Judith Siegmund, Eva-Maria Wilde und Nikolaus Koliusis wurden am heutigen Dienstag (2. Oktober) im Rahmen einer Vernissage der Öffentlichkeit vorgestellt. Alle drei Künstler – die Auswahl erfolgte im Rahmen eines Wettbewerbs – haben sich intensiv mit den künftigen Nutzern des DINZ auseinandergesetzt und dadurch überzeugende Werke geschaffen.

    Im Rahmen der Vernissage wurde zudem der umfassend modernisierte Hörsaal pünktlich zu Beginn des Semesters seiner Bestimmung übergeben. Der Saal hat eine Kapazität von rund 140 Sitzplätzen und ist mit modernster Präsentationstechnik ausgestattet. Damit ist es unter anderem möglich, bei Vorlesungen Operationen live in den Hörsaal zu zeigen. Auch besteht eine direkte live-Verbindung zum Saal im Kinder-Frauenzentrum, um Veranstal¬tungen dorthin zu übertragen.

    Öffentliche Gebäude nehmen auch in Bezug auf die Architektur eine Sonderstellung ein: Sie sollen nicht nur ihren Zweck erfüllen, sondern darüber hinaus ihre Auftraggeber repräsentieren und die Bedürfnisse der Nutzer und Gäste achten. Dies schlägt sich nicht allein in der Formensprache und Ausstattung nieder, sondern auch in den künstlerischen Objekten, die untrennbar mit dem öffentlichen Bauen verbunden sind. „Beim Diagnostisch-Internistisch-Neurologischen Zentrum ist dieser Anspruch in einer beispielhaften Weise gelungen“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. Für die Patienten, Gäste und Mitarbeiter sind die Arbeiten von Eva Wilde besonders präsent. Die in Berlin lebende und an der Dresdner Hochschule für bildende Künste ausgebildete Künstlerin schuf ein Ensemble von 32 Motiven, die jeweils zwei Mal inner- und außerhalb der Treppenhäuser des Neubaus (Haus 27) hängen. Dieses „räumliche Memory“ greift nicht nur Bildwelten aus dem Alltag der Krankenversorgung und medizinischen Forschung sowie Motive aus der Medizingeschichte auf, sondern bietet dem Betrachter die Möglichkeit, seine eigene Gedächtnisleistung auf die Probe zu stellen. Neben den rund ein Mal ein Meter großen Bildtafeln gibt es das Memory auch als klassisches Spiel mit handlichen Karten aus Karton. Sie können zum Zeitvertreib, aber auch in der Therapie von neurologisch beeinträchtigen Patienten eingesetzt werden.

    Auch die Arbeit von Prof. Dr. Judith Siegmund – sie lehrt an der Universität der Künste Berlin – beschäftigt sich intensiv mit dem alltäglichen Geschehen in einem Krankenhaus. Die im Treppenhaus befindliche Schriftinstallation verwendet einzelne, insgesamt mehr als 300 Worte, die aus Gesprächen stammen, die die Künstlerin mit Klinikumsmitarbeitern geführt hat. An diesen Orten, die viele Menschen täglich passieren ohne dort zu verweilen, möchte Prof. Siegmund Assoziationen auslösen – zum eigenen Tun aber auch zu Menschen und Situationen, die der Betrachter gerade verlassen hat oder zu denen er gerade geht. Das dies gelingen wird, dessen ist sich Dr. Ralf Schönherr, der dieses Gebäude als Verwaltungsdirektor mit betreut, sicher: „Schon kurz nach Beginn der Nutzung des Treppenhauses haben mich viele, auch vollkommen unterschiedliche Reaktionen zu dieser Schriftinstallation erreicht. Das habe ich so intensiv nicht erwartet.“

    Im Kontrast dazu stehen die Arbeiten des Stuttgarter Künstlers Nikolaus Koliusis, den das Farbenspiel der Elbauen und des Flusses selbst inspiriert hat. Seite Installationen fangen das durch die Fenster des Treppenhauses fallende Licht ein, um es zu wandeln und auf bestimmte Punkte zu lenken.

    Kontakt
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Diagnostisch-Internistisch-Neurologisches Zentrum
    Verwaltungsdirektor: Dr. Ralf Schönherr
    Telefon: 0351 458 2052
    ralf.schoenherr @uniklinikum-dresden.de
    http://www.uniklinikum-dresden.de

    Kurzbeschreibungen der künstlerischen Arbeiten

    Eva-Maria Wilde: SAVANT (Treppenhäuser Haus 27)
    SAVANT (frz.): wissend, gelehrt, sachkundig, bewandert ist ein räumliches Memo-Spiel mit 64 Bildtafeln. Die auf Aluminiumplatten gedruckten Collagen laden Patienten, Besucher, Ärzte und Therapeuten ein, die Erinnerung zu trainieren. Basis der künstlerischen Gestaltung sind Fragen wie: Was führt dazu, dass wir uns manche Dinge merken können und andere sofort wieder vergessen? Wie funktioniert Erinnern und welche individuellen Unterschiede gibt es dabei? Wie funktioniert Denken? Welche Rolle spielt dabei die Wahrnehmung? Welche Bedeutung haben dabei Gerüche, Gefühle Bilder, Räume und Erfahrungen? Die Inselbegabung, auch Savant-Syndrom genannt, bezeichnet ein Phänomen bei dem Menschen, oft mit kognitiver Behinderung, in einem kleinen Teilbereich ihrer Fähigkeiten außergewöhnliche Leistungen vollbringen.

    Die Inhalte der Collagen des Savant- Rundganges basieren auf Zeichnungen von Carl Gustav Carus, Leonardo da Vinci und Ibn Sina Avicenna, auf Bildern und Zeichensystemen von Menschen mit angeborenen oder erworbenen Hirnschädigungen und auf Abbildungen von neuronalen Strukturen, die in neuen bildgebenden Verfahren der Hirnforschung sichtbar gemacht werden. Collagiert mit medizingeschichtlichen Darstellungen des Zusammenhangs von Körper und Seele aus naturwissenschaftlichen Kontexten verschiedener Kulturen thematisieren die Malereien und Collagen die Dynamik und Adaptivität neuronaler Systeme, ihre erstaunliche neuroplastische Flexibilität und die unterschiedliche Arbeitsweise von Gehirnen.

    Judith Siegmund: Schriftinstallation (Treppenhaus Haus 19)
    Menschen, die als Patienten ins Krankenhaus kommen, werden von vielerlei Gefühlen und Gedanken umgetrieben. Aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in diesem Haus im medizinischen, pflegerischen und wissenschaftlichen Bereich tätig sind oder durch andere Dienstleistungen zum Funktionieren des Betriebs beitragen, befinden sich in konkreten Alltagssituationen, sind mit alltäglichen Dingen beschäftigt und gehen ihren eigenen Gedanken nach.

    Manchmal scheint es, als hätten die beiden Welten – die der Patienten und die der Mitarbeiter – nicht viel miteinander zu tun. Die Schriftinstallation im Treppenhaus und im Eingangsbereich zum Hörsaal soll ein realer und imaginärer Ort sein, an dem sich beide Welten überschneiden, ein Ort, an dem die vielen verschiedenen Sichtweisen zu Wort kommen und sich berühren. Im Vorbeigehen fällt der Blick auf das eine oder andere Wort, und vielleicht lässt es sich mit der momentanen Situation des Betrachters oder der Betrachterin in Verbindung bringen.

    Die Menschen, die diese Räume durchqueren, sind nicht nur Akteure ihrer alltäglichen Verrichtungen, sondern sie alle haben eine eigene Lebensgeschichte. So kann das isoliert erscheinende Wort diese oder jene Assoziation auslösen, diesen oder einen anderen Widerhall im Inneren des Betrachters finden. Zugleich verweist es aber auf die Lebens- und Alltagswirklichkeit der anderen Menschen in der Klinik: Es erinnert mit leiser Stimme daran, dass das Nächste, was Du an diesem Ort tun wirst, auf vielfältige Weise mit dem Handeln und Empfinden anderer Menschen in Verbindung steht.

    Nikolaus Koliusis: Moving (Treppenhaus Haus 19)
    Stellen Sie sich vor, unweit von hier einen Spaziergang entlang der Elbe zu machen. Sie schauen auf diese wunderbare Flusslandschaft, schauen auf den fließenden Strom, sehen die Wellen, sehen wie das Wasser sich hinter einem Schiff oder im Wind kräuselt und erleben wie es sich vermischt, das Fließen des Wassers, die Sonne, die sich spiegelt und das Gebüsch, das grüne, das den blauen Fluss in einen grünen verwandelt.

    Der Himmel färbt sich am Abend orange, wenn der Tag ein schöner war oder er leuchtet orangerot am Morgen wenn es ein schöner zu werden verspricht, dieser Tag, der kommt und geht. Stellen Sie sich ein Fernrohr oder ein Mikroskop vor, durch das Sie schauen. Orange, Blau, Grün, Orange – rund und durchsichtig – wie die Tage. Das Licht zu malen ist nicht wirklich machbar, mit dem Licht malen heißt Fotografieren. Meine Arbeiten sind zum Anschauen und zugleich zum Durchschauen auf ein Dahinter, machen den Blick frei auf einen Raum, der rund ist wie die Zeit. An manchen Tagen scheint die Sonne hindurch, so dass die Farben Ihnen auf dem Boden vor den Aufzugstüren plötzlich unerwartet entgegenkommen. Moving – bewegt – wie der Passant im Treppenhaus, wie die Zeit im Raum – ein poetischer Moment im Alltag.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Kunst / Design, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Organisatorisches
    Deutsch


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