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04.10.2012 16:36

Kürzere Wege für Patienten mit schweren Erkrankungen

Anna Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

    Wiesbaden – Menschen mit schweren und seltenen Erkrankungen nehmen häufig weite Wege in spezialisierte Krankenhäuser auf sich, um die optimale Therapie zu erhalten. Infusionen, die Gabe von Medikamenten oder Untersuchungen könnten jedoch auch wohnortnahe Fachärzte vornehmen und damit die Patienten entlasten. Die vom Gesetzgeber neu geschaffene „spezialfachärztliche ambulante Versorgung“ (SAV) soll dies ermöglichen

    Ob Patienten davon profitieren, wenn Unikliniken, niedergelassene Fachärzte und Krankenhäuser in Zukunft enger kooperieren und wie sich die Gesundheitskosten dadurch entwickeln, diskutieren Vertreter aus Medizin und Gesundheitswesen, von Krankenkassen und Fachgesellschaften im Rahmen des Herbstsymposiums der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) am 9. Oktober 2012 in Wiesbaden und einer anschließenden Pressekonferenz.

    Krebs, Erkrankungen des Immunsystems, Mukoviszidose – schwere und seltene Erkrankungen lassen sich heute durch zielgerichtete Therapien vielfach erfolgreich behandeln. Universitätskliniken bieten Patienten Zugang zu neuartigen Verfahren und Medikamenten. Sie filtern beispielsweise aus einer Gruppe von Patienten mit Krebs durch Tests diejenigen heraus, deren Tumor auf neuartige Wirksubstanzen voraussichtlich anspricht. Im Rahmen einer klinischen Studie erhalten sie dann das passende Medikament. „Diese Patienten haben dadurch deutlich bessere Chancen, dass der Tumor kapituliert, als es mit der klassischen Chemotherapie zu erwarten wäre“, berichtet Dr. med. Jan-Peter Glossmann, Kaufmännischer Geschäftsführer des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO Köln Bonn) der Uniklinik Köln.

    Doch weite Wege zur Fachklinik sind für schwer Erkrankte eine große Last. Um bundesweit die flächendeckende fachärztliche Versorgung zu verbessern, dürfen deshalb nach dem Willen des Gesetzgebers künftig auch niedergelassene Vertragsärzte und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) vor Ort „ambulant erbringbare Spezialleistungen“ anbieten und diese Patienten mitbehandeln. Patienten müssten dann nur für bestimmte therapeutische Anwendungen in die Spezialklinik reisen. Für Behandlungen, die keiner aufwändigen klinischen Technik bedürfen, könnten sie den Facharzt in ihrer Nähe aufsuchen. „Unikliniken, niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser der Breitenversorgung müssten im Rahmen der spezialfachärztlichen ambulanten Versorgung künftig noch enger zusammenarbeiten“, sagt Professor Dr. med. Ullrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel.

    Am Beispiel des 2010 im CIO am Uniklinikum Köln gegründeten „Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs“ wird Dr. Glossmann auf dem Herbstsymposium in Wiesbaden erläutern, wie Patienten von einem solchen Verbund profitieren können: „Bisher haben wir 2000 Lungenkrebspatienten auf seltene Veränderungen ihres Genoms zentral untersucht und registriert“, so der Onkologe. Im Falle eines Treffers wurden sie für eine passende Studie an einem universitären Zentrum vorgeschlagen und dort gezielt behandelt. „Im Idealfall überweisen niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser für klinische Studien geeignete Patienten an eine dafür spezialisierte Uniklinik“, so Glossmann im Vorfeld. Im Gegenzug schickten Universitätskliniken Patienten für die reguläre Therapie oder Nachsorge in wohnortnahe Praxen und Kliniken.

    Noch völlig offen sei jedoch die Frage der Kostendeckung, wenn die SAV umgesetzt wird, sagt Professor Fölsch: „Die Unikliniken halten eine kostenintensive Infrastruktur für die klinische Forschung und Maximalversorgung vor, die durch die Erlöse im stationären Bereich schon jetzt nicht gedeckt ist.“ Durch diese in sich stimmige Umverteilung der Patienten könnte die Schere zwischen Kosten und Erträgen weiter auseinanderklaffen. Diese Fakten gelte es von vorneherein zu berücksichtigen, noch bevor Ende 2012 die Richtlinien für die SAV in Kraft treten, so Fölsch. Auch hier sei der Gesetzgeber gefordert, eine tragfähige Lösung anzubieten.

    Bei Veröffentlichung Beleg erbeten.

    Terminhinweis:
    Pressekonferenz anlässlich des Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
    Patienten deutschlandweit wohnortnah gut versorgen – Was bringt die ambulante spezialfachärztliche Versorgung?
    Termin: Dienstag, 9. Oktober 2012, 13.30 bis 14.30 Uhr
    Ort: Salon Ferdinand Heyl, Kurhaus Wiesbaden
    Anschrift: Kurhausplatz 1, 65189 Wiesbaden

    Vorläufige Themen und Referenten:

    Ambulante spezialfachärztliche Versorgung – Wie positioniert sich die
    DGIM zum Versorgungsstrukturgesetz?
    Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann
    Vorsitzende der DGIM 2012/2013, Direktorin der Klinik Innere Medizin IV der
    Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken GmbH Wiesbaden – Klinikum der Landeshauptstadt Wiesbaden, Akademisches Krankenhaus der Universität Mainz, Direktorin der HSK Klinik Schlangenbad Wiesbaden

    Patienten spezialfachärztlich ambulant versorgen: Endlich Vergütung ohne Budgetierung und Regress?
    Dr. med. Hans-Friedrich Spies
    2. Vizepräsident und Schatzmeister des BDI, Internist/Kardiologe, Belegarzt im Bethanien-Krankenhaus, CCB - Cardioangiologisches Centrum Bethanien, Frankfurt am Main

    Krankenhäuser und Fachärzte: Im Wettrennen um Patienten?
    Diplom-Betriebswirt (FH) Ingo Seip
    Hessische Krankenhausgesellschaft e. V., Eschborn am Taunus

    Blickwinkel Klinik: Wie entwickeln sich die spezialfachärztlichen Kosten in der Klinikambulanz?
    Dr. med. Jan-Peter Glossmann (MPA)
    Kaufmännischer Geschäftsführer & Qualitätsmanagement des Centrums für Integrierte Onkologie (CIO), Köln

    sowie:

    Professor Dr. med. Ulrich R. Fölsch
    Generalsekretär der DGIM und Beauftragter der Korporativen Mitglieder, Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel

    Kontakt für Journalisten:
    Anne-Katrin Döbler/Anna Voormann
    DGIM Pressestelle
    Postfach 30 11 20/70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-552/Fax: 0711 8931-167
    voormann@medizinkommunikation.org
    http://www.dgim.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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