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10.10.2012 14:11

Spenderlunge: MHH entwickelt neues Transportsystem

Stefan Zorn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

    Studie zu Organ Care System für die Lunge erfolgreich / Veröffentlichung in Lancet

    Ein bereits innovatives Produkt noch weiter ausgebaut: Professor Dr. Axel Haverich, Leiter der Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie und sein Team nutzten nun eine Methode, die von der Firma Transmedics ursprünglich für Herzen entworfen wurde, auch für Lungen. Das Organ Care System (OCS) ist ein mobiles Gerät, in dem Spenderorgane körperwarm transportiert, von Spenderblut durchflossen und mit Nährstoffen versorgt werden. Im Falle der Lunge wird diese ventiliert, was sie größer und wieder kleiner macht, als atme sie noch. Dabei haben die Mediziner bis zu 24 Stunden Zeit, um die Lungenfunktion zu beurteilen und zu verbessern: Sie können beispielsweise Tumore entdecken und Schleim absaugen. „So erreicht das Organ den Empfänger in einem deutlich besseren Zustand als bei der bisher üblichen kalten Lagerung“, sagt Professor Haverich.

    Die MHH-Experten haben im Jahr 2011 gemeinsam mit der Universitätsklinik Madrid die weltweit erste Studie zum Lungen-OCS durchgeführt: Zwölf Männer und Frauen erhielten Spenderlungen, die zuvor im OCS aufbewahrt und deren Funktionen zum Teil verbessert worden waren. „Kein Patient starb an einer Primären Graft-Dysfunktion und alle Patienten wurden nach der Transplantation aus dem Krankenhaus entlassen“, erläutert Professor Haverich. Die Ergebnisse der Pilotstudie veröffentlichten die Chirurgen nun in der renommierten Fachzeitschrift „Lancet“.

    An diese Pilotstudie schließen die Wissenschaftler nun den „INSPIRE trial“ an – eine internationale Untersuchung, die zahlreiche Zentren durchführen, von denen die MHH das größte ist. Insgesamt sollen 264 Patienten teilnehmen: Die eine Hälfte von ihnen bekommt Lungen, die im OCS konserviert werden, die anderen auf Eis gelagerte. Bisher findet der Transport bei vier Grad Celsius statt und räumt nur bis zu zehn Stunden Zeit ein. Dabei verschlechtert sich das Organ aufgrund fehlender Blut- und Nährstoffversorgung kontinuierlich, so dass es bei bis zu 30 Prozent der Patienten zur sogenannten Primären Graft-Dysfunktion kommt, bei der die Lunge schlechter funktioniert und die auch zum Tode führen kann. „Mit dem OCS können wir dies möglicherweise verhindern. Diese Methode kann die Transplantation verbessern und wird sehr wahrscheinlich auch mehr Spenderorgane für die Transplantation nutzbar machen als bisher“, sagt Privatdozent Dr. Gregor Warnecke, leitender Transplantationschirurg in Professor Haverichs Klinik.

    Professor Haverich hält es für möglich, das OCS auch unabhängig von Transplantationen zu nutzen und Patienten mit Lungenleiden helfen zu können. „Es wäre denkbar, Lungen außerhalb des Körpers per Bestrahlung und mit sehr hoch dosierten Zytostatika zu behandeln und dann wieder zu implantieren. Vorversuche mit Schweineorganen haben bereits stattgefunden“, sagt er. Erste Heilversuche bei Krebspatienten, denen anders nicht mehr geholfen werden kann, sieht der Chirurg schon in ein bis zwei Jahren.

    Die „INSPIRE trail“-Studie wird unterstützt von den drei großen Transplantationsforschungsverbünden der MHH: dem Exzellenzcluster REBIRTH (Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie), dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) und dem Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Transplantation (IFB-Tx).

    Weitere Informationen erhalten Sie bei Privatdozent Dr. Gregor Warnecke, Telefon (0511) 532-6590, Warnecke.Gregor@mh-hannover.de.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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