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11.10.2012 10:38

Ein Festakt für Theodor Boveri

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Am 12. Oktober jährt sich der Geburtstag von Theodor Boveri zum 150. Mal. Der bedeutende Zellbiologe hatte von 1893 bis 1915 eine Professur an der Universität Würzburg inne. Zum Jubiläum findet am Biozentrum ein Symposium statt mit fünf Referenten, die sich mit Boveris Arbeiten auseinandersetzen.

    Wie geht „aus den elterlichen Zeugungsstoffen ein neues Individuum mit bestimmten Eigenschaften hervor?“: Mit dieser Frage hat sich Theodor Boveri Zeit seines wissenschaftlichen Lebens auseinandergesetzt. Auf der Suche nach einer Antwort gelang dem Biologen der Nachweis der Chromosomenindividualität im Jahr 1887. In den folgenden Jahren kombinierte Boveri die Befunde seiner Zellforschung mit Gregor Mendels gerade wiederentdeckten Vererbungsregeln zu einer synthetischen Einheit und legte damit den Grundstein für die Formulierung der Chromosomentheorie der Vererbung.

    Zur Person: Theodor Boveri

    Einen Großteil dieser Entdeckungen machte Theodor Boveri an der Universität Würzburg. Geboren am 12. Oktober 1862 in Bamberg, nahm er 1881 das Studium der Anatomie und Biologie an der Universität München auf. 1885 promovierte er über das Thema "Beiträge zur Kenntnis der Nervenfasern". 1887 folgte die Habilitation für Zoologie und vergleichende Anatomie. 1893 erhielt Boveri den Ruf auf eine Professur für Zoologie und vergleichende Anatomie an der Universität Würzburg. Auf diesem Lehrstuhl blieb er trotz zahlreicher Rufe, unter anderem als Leiter des neu zu gründenden Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biologie in Berlin, bis zu seinem Tod am 15. Oktober 1915.

    Trotz seiner bahnbrechenden Entdeckungen ist der Name Theodor Boveris heute nur noch einem kleinen Kreis von Spezialisten bekannt. „Seine enormen wissenschaftlichen Leistungen und seine visionäre Strahlkraft werden heute nicht mehr ausreichend gewürdigt. Viele Studierende der Biologie kennen seine bahnbrechenden Ideen, Hypothesen und Experimente kaum noch. Boveri scheint in Vergessenheit zu geraten“, sagt Professor Markus Engstler, Inhaber des Lehrstuhls für Zell- und Entwicklungsbiologie an der Universität Würzburg – und damit quasi einer der Nachfolger Boveris in Würzburg.

    Das Symposium

    Aus diesem Grund hat Engstler ein wissenschaftliches Symposium organisiert. Es soll Boveris Arbeiten aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten und seinen Stellenwert im Jahr 2012 neu definieren. Dafür konnten fünf herausragende Referenten gewonnen werden.

    Der Festakt zum 150. Geburtstag findet statt am Mittwoch, 17. Oktober, im Biozentrum der Universität Würzburg am Hubland, dem Ort, an dem sich mehrere Lehrstühle der Uni zum Theodor-Boveri-Institut zusammengeschlossen haben. Er beginnt um 12:30 Uhr; die Vorträge richten sich in erster Linie an ein breites wissenschaftliches Publikum, besonders aber an Nachwuchswissenschaftler und Studierende. Gäste sind willkommen. Vortragssprache ist Englisch.

    Für den musikalischen Rahmen sorgen vier bekannte Wissenschaftler der Universität Würzburg.

    Das Programm

    12:30 Uhr: Begrüßung durch Alfred Forchel, Präsident der Universität Würzburg
    12:40 Uhr: Einführung (Markus Engstler, Theodor-Boveri-Institut)
    12: 50 Uhr: Prelude: J.S. Bach Trio Sonata IV, C-Minor Mvmt.1, Largo
    13:00 Uhr: „The centrosome: a cellular innovation at the origin of metazoa?“ (Michel Bornens, Institut Curie, Paris
    13:50 Uhr: „Theodor Boveri’s hypotheses and current views on chromosome order and mobility in cycling cells“ (Thomas Cremer, LMU München)
    14:40 Uhr: Coffee break
    15:00 Uhr: Interlude: J.S. Bach Trio Sonata I, C-Major Mvmts. 3, Largo, and 4, Gigue
    15:10 Uhr: „From Boveri to synthetic experimental evolution“ (Manfred Laubichler, Arizona State University, Tempe, USA)
    16:00 Uhr: “Boveri’s legacy in Würzburg: letters, microscopic slides and other documents” (Ulrich Scheer, Theodor-Boveri-Institut)
    16:50 Uhr: Coffee break
    17:10 Uhr: “Unraveling sexual reproduction: dimorphism in genom and germline” (David Page, Whitehead institute, MIT, Cambridge, USA)
    18:00 Uhr: Postlude: L.v. Beethoven, Piano Trio I, C-Major, Op. 1.1, Mvmt. 1, Allegro

    Zum Abschluss der Veranstaltung wird es einen Sektempfang im Foyer des Biozentrums geben. Die Boveri-Ausstellung mit Instrumenten, Präparaten und Dokumenten wird in überarbeiteter und erweiterter Form vorgestellt.

    Die Dozenten

    Michel Bornens hat entscheidende Beiträge zum heutigen Verständnis des Zentrosomen-Mikrotubuli-Systems geleistet. Er hat damit ein besonderes Verhältnis zu Boveri, der das Zentrosom im Jahr 1888 beschrieben und benannt hat. Bornens schreibt in einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit: „Analyzing the development of blastomeres obtained after dispermy, Boveri could conclude that both the individuality of each chromosome and their continuity in the interphasic nucleus were important.“

    Gleich mehrere zentrale Hypothesen Boveris wird der Zellbiologe Thomas Cremer mit Methoden des 21. Jahrhunderts illustrieren. Dabei geht er besonders auf die Organisation der Chromosomen im Zellzyklus ein. Cremers Arbeiten zu den „Chromosome Territories“ sind bahnbrechend und erweitern Boveris Sichtweise zu dem heute gültigen, weit mehr dynamischen Bild. Er stellt auch die Frage was Boveri mit den technischen Möglichkeiten unserer Zeit erreicht hätte.

    Manfred Laubichler ist theoretischer Biologe mit einem starken entwicklungsbiologischen Interesse. Gleichzeitig ist er Wissenschaftshistoriker mit Gaststatus unter anderem am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Laubichler wird Theodor Boveri als wissenschaftlichen Mentor vorstellen, der insbesondere die Rolle der Frau in der Wissenschaft auf damals beispiellose Art gestärkt hat. Der Vortrag wird aber auch Boveris Einfluss auf die heute kontrovers diskutierte synthetische experimentelle Evolution aufzeigen.

    Ulrich Scheer wird einen besonderen Akzent setzen. Scheer hatte bis 2007 den Lehrstuhl für Zell- und Entwicklungsbiologie am Würzburger Biozentrum inne. Er hat in den vergangenen Jahren begonnen, den Nachlass von Theodor Boveri systematisch zu sichten und aufzuarbeiten. Im vergessenen Fundus des Lehrstuhls fanden sich Entwürfe zu Referaten, Gutachten und auch sehr persönliche Dokumente. Selbst Boveri-Originalpräparate haben die Nacht vom 16. März 1945 überlebt, in der Würzburg dem Erdboden gleich gemacht wurde. Ulrich Scheer wird diese historischen Funde erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

    Nochmals einen komplett anderen Aspekt wird David Page herausstellen. Vieles, was heute über die Biologie des Y-Chromosoms bekannt ist, hat Page entdeckt. Zu Zeiten von Boveri war das Y-Chromosom zwar noch nicht bekannt, aber auch Boveri hatte sich schon intensiv mit der Geschlechtsentwicklung und der Rolle des Chromatins beschäftigt. Das sind ganz moderne Ansätze, die David Page interpretieren wird.

    Kontakt

    Professor Markus Engstler, T (0931) 31-80060, markus.engstler@biozentrum.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Studierende, Wissenschaftler
    Biologie, Geschichte / Archäologie, Medizin
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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