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12.10.2012 09:08

Renommierter Reformer der Psychiatrie wird gewürdigt

Axel Burchardt Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Universität Jena enthüllt am 15. Oktober Gedenktafel für Otto Binswanger

    Prof. Dr. Otto Binswanger (1852-1929) machte aus der Jenaer „Irrenanstalt“ die „psychiatrische Klinik“. Als Wissenschaftler brachte er Neurologie, Psychiatrie und Psychologie wesentlich voran, reformierte die Psychiatrie und galt als einer der gefragtesten Konsiliarärzte Deutschlands. Dem Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik, der er von 1882 bis 1919 vorstand, vertrauten sich Berühmtheiten wie Friedrich Nietzsche, Hanns Fallada und Johannes R. Becher an. Nicht zuletzt wählte ihn die Universität dreimal zum Prorektor, die Medizinische Fakultät fünfmal zum Dekan. Fast selbstverständlich wurde der gebürtige Schweizer in Jena hoch geachtet und schon damals mit einer Plakette an seiner Wirkungsstätte am Oberen Philosophenweg 5 geehrt.

    Doch Binswanger war jüdischer Abstammung. Und obwohl getauft und bekennender Protestant wurde die Gedenktafel 1939 – zehn Jahre nach seinem Tod in der Schweiz – entfernt.

    Die Friedrich-Schiller-Universität Jena und das Universitätsklinikum ehren nun den Psychiater von Weltruf mit einer neuen Gedenktafel. Am 15. Oktober 2012 – einen Tag nach Binswangers 160. Geburtstag – wird diese Ehrentafel um 16.00 Uhr am ehemaligen Wohnhaus des Klinikdirektors im Philosophenweg 5 öffentlich enthüllt.

    Damit wird nicht nur das 37 Jahre währende Engagement des kunstsinnigen Wissenschaftlers gewürdigt. Die Ehrung gilt auch dem Philanthropen, der das Konzept einer modernen Psychiatrie mit Öffnung der Patientenzellen, systematischer Arbeitstherapie und Anfängen der Pharmakokinetik entwickelte und die Jenaer Klinik komplett umgestaltete – gegen vielfältige Widerstände. Nicht zuletzt gedenkt die Universität auch seines hochschulpolitischen Wirkens, das sein Nachfolger Hans Berger an Binswangers Grab so auf den Punkt brachte: „Sein kluger Rat hat im Senat oft den Ausschlag gegeben und in schwierigen Fragen, die die Universität betrafen, den richtigen Weg gezeigt. Sein offenes, immer fröhliches und gütiges, stets hilfsbereites Wesen hat ihm die Liebe der Kollegen gewonnen.“

    Die Tafel, die vom Universitätsklinikum finanziert wird, weist somit nicht nur auf einen herausragenden Psychiater und Wissenschaftler der Universität hin. Sie ist zugleich ein Stück Wiedergutmachung und Aufarbeitung der eigenen Universitätsgeschichte.

    Begründet wurde die Jenaer Tradition der Ehrentafeln im Jahr 1858 anlässlich des 300. Jubiläums der Jenaer Universität. Damals wurden zunächst 204 Tafeln aufgehängt, zahlreiche weitere folgten in den nächsten Jahren. Die Universität führt diese Tradition heute kontinuierlich fort.


    Weitere Informationen:

    http://www.uni-jena.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Medizin
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Personalia
    Deutsch


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