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12.10.2012 15:05

Verleihung des Hamburger Preises und der Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen 2012

Dr. med. Paul Christoph Giboni Konzernbereich Unternehmenskommunikation/Pressestelle
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

    Beim 9. Hamburger Symposium Persönlichkeitsstörungen wurden am 8. September 2012 der Hamburger Preis und die Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen verliehen. Das Preisgeld in Höhe von insgesamt 15.000,- € wird jährlich von den Asklepios Kliniken Hamburg GmbH gestiftet und von der Gesellschaft zur Erforschung und Therapie von Persönlichkeitsstörungen (GePs) vergeben. Die Verleihung der Auszeichnungen erfolgt für wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Persönlichkeitsstörungen, die den Schwerpunkt auf den klinischen Bezug der Untersuchung legen.

    Die mit 5.000,- € dotierte Fellowship Persönlichkeitsstörungen wird zweckgebunden für einen Aufenthalt in einer international renommierten Forschungseinrichtung im Bereich der Persönlichkeitsstörungen vergeben. Frühere Preisträgerinnen waren bei Prof. Otto F. Kernberg am Personality Disorders Institute der Cornell University New York sowie bei Prof. Mary C. Zanarini am McLean Hospital in Belmont, das der Harvard University in Boston assoziiert ist, zu Gast und haben wichtige Impulse für ihre eigene Forschung mit nach Hause gebracht.
    Im Jahr 2012 wurden sechs junge Forscherinnen und Forscher aus Deutschland und Österreich zur Präsentation ihrer Forschungsergebnisse nach Hamburg eingeladen. Die Themen der Studien reichten von der Emotionserkennung bei psychopathischen Patienten bis zur Evaluation stationärer Schematherapie bei Borderline-Patienten. Es wurden Daten zum Zusammenhang von Borderline Persönlichkeitsstörung mit und ohne komorbide PTSD und emotionale Vulnerabilität referiert und diagnostische Aspekte wurden besonders im Hinblick auf die Persönlichkeitsstruktur beleuchtet.

    Die Vorträge der fünf Fellowship Berwerber/-innen (eine Bewerberin musste kurzfristig absagen) waren durchgängig auf einem sehr guten Niveau, so dass es die Jury nicht leicht hatte, die Fellowship zu vergeben. Ausgezeichnet wurde Frau Dipl.-Psych. Dr. Neele Reiß aus der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Mainz für ihre Präsentation mit dem Titel Stationäre Schematherapie für Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörung: Ergebnisse aus drei Pilotstudien. Damit ging die Fellowship zum zweiten Mal in Folge an die psychiatrische Universitätsklinik in Mainz.
    Frau Dr. Reiß behandelte mit ihren KollegInnen 91 Borderline Patienten in drei verschiedenen stationären Settings mit einem speziell entwickelten Schematherapie-Programm. Die Beobachtungsstudien ergaben zum Teil beträchtliche Effekte, wobei Frau Dr. Reiß zeigen konnte, dass diese erst bei einem längeren Behandlungszeitraum von vier Monaten zum Tragen kamen und darüber hinaus von der Erfahrung der beteiligten Gruppentherapeuten abhängig waren. Mit ihrer Arbeit hat Frau Dr. Reiss wichtige Ergebnisse für den viel zu wenig beforschten Bereich der stationären Psychotherapie geliefert und darüber hinaus in eindrucksvoller Weise deutlich gemacht, dass Patienten mit Borderline Persönlichkeitsstörungen längere Behandlungen benötigen, um eine relevante Besserung zu erleben. Diese Ergebnisse stellen eine Basis für weitere - idealerweise randomisiert-kontrollierte - Studien zu den eingesetzten stationären Behandlungsprogrammen dar, und können darüber hinaus als gesundheitspolitisches Argument gegen eine immer weitergehende Verkürzung der Behandlungsdauern bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen dienen. Frau Dr. Reiß erhält mit der Fellowship Persönlichkeitsstörungen 2012 die Chance zu einem Aufenthalt in einer internationalen Forschungseinrichtung im Bereich der Persönlichkeitsstörungen.

    Der Hamburger Preis Persönlichkeitsstörungen 2012 ging an Frau Univ.-Prof. Dr. Babette Renneberg, die seit 2008 den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Freien Universität in Berlin innehat. Sie wurde für drei Arbeiten aus ihrer Berliner Gruppe mit den Titeln Perception of social participation in borderline personality disorder, Rejection sensitivity and borderline personality disorder und Facial emotional expression in reaction to social exclusion in borderline personality disorder. Frau Renneberg und ihr Team konnten in diesen Arbeiten zum Ostrazismus, i.e. sozialer Ausgrenzung, zeigen, dass Patienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung sich signifikant häufiger als andere Personen sozial ausgegrenzt und zurückgewiesen fühlen – auch wenn dies objektiv nicht der Fall ist. Sie reagieren darauf stärker mit negativen Emotionen den anderen gegenüber und zeigen weniger positive mimische Gesichtsausdrücke und stattdessen mehr gemischte, d.h. uneindeutige Mimik. Diese empirischen Befunde zeigen auf, in welcher Weise Verzerrung sozialer Wahrnehmung, Affektivität und Ausdrucksverhalten bei Borderline Patienten ineinandergreifen, und wie möglicherweise negative Reaktionen im Gegenüber induziert werden können. Damit wurde elegant empirisch belegt, was bislang nur aus klinischer Beobachtung und Theoriebildung bekannt war, dass nämlich Borderline Patienten aufgrund früher Beziehungserfahrungen dazu neigen, das soziale Verhalten anderer negativ zu interpretieren und dann auch negativ darauf zu reagieren. Dieses Muster lässt sich entweder lerntheoretisch als ein Lernprozess mit nachfolgenden dysfunktionalen Verhaltensmustern oder aber psychoanalytisch als eine projektive Identifikation verstehen. Für die klinische Arbeit mit Borderline Patienten ergibt sich daraus ein vertieftes Wissen um deren ausgeprägte Sensibilität gegenüber Zurückweisungen und die daraus resultierenden Verhaltensweisen.

    Die Preisjury bestand aus Prof. Dr. Stephan Doering (Juryvorsitzender), Prof. Dr. Anna Buchheim, Prof. Dr. Sven Olaf Hoffmann, Dr. Birger Dulz (Präsident der GePs) und Dr. Jörg Weidenhammer (Geschäftsführer Asklepios Medical School).
    In einem Vortrag stellte die Preisträgerin Prof. Dr. Renneberg ihre Arbeiten vor und nahm das Preisgeld in Form eines Schecks über 10.000,- € von Dr. Jörg Weidenhammer entgegen. Das Preisgeld ist für weitere Forschungsprojekte im Bereich der Persönlichkeitsstörungen vorgesehen.

    Im September 2013 werden der Hamburger Preis und die Hamburger Fellowship Persönlichkeitsstörungen 2013 beim 10. Hamburger Symposium Persönlichkeitsstörungen verliehen. Man darf auf die Präsentationen und die Preisträger des kommenden Jahres gespannt sein.

    Univ.-Prof. Dr. med. Stephan Doering
    Juryvorsitzender und Sprecher des Fachausschusses Forschung der GePs


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


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