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29.10.2012 11:08

Rostocker Forscher wollen herausfinden, wie Stretching im Sport funktioniert

Ingrid Rieck Presse und Kommunikation
Universität Rostock

    Prof. Zschorlich: gezieltes Training lindert Schmerzen

    Wer rastet, der rostet", davon ist Professor Volker Zschorlich, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Rostock, fest überzeugt. Diese Volksweisheit spiegelt den Umstand wider, so der Wissenschaftler, der den Lehrstuhl für Bewegungswissenschaft leitet, dass durch Bewegung neben der Aktivierung der Muskeln und des Kreislaufes auch große Bereiche des Gehirns aktiviert werden, so dass sich gut funktionierende neuronale Netze im Bereich des motorischen Cortex ausbilden und stabilisieren. Wie das im Einzelnen funktioniert, das wollen die Rostocker Forscher konkret herausfinden. Damit das Thema von allen Seiten beleuchtet wird, sind die Rostocker Wissenschaftler eine Kooperation mit Wissenschaftlern von der Uni Münster um Prof. Heiko Wagner eingegangen. Die Experten erkunden an Patienten mit Rückenschmerzen, wie es um die Motorik und das Bewegungsbewusstsein von Schmerzpatienten bestellt ist.

    „Der Mensch ist mit großer motorischer Intelligenz ausgestattet, die so im Tierreich nicht wiederzufinden ist“, sagt Professor Zschorlich, der sich seit 35 Jahren der Motorikforschung verschrieben hat und fasziniert ist, welche neuen Erkenntnisse über die menschliche Motorik die modernen Messmethoden ermöglichen. In Zukunft soll seine Forschung zeigen, dass durch gezieltes Training eine erhebliche Verbesserung einer Schmerz- Symptomatik erreicht werden kann. Für Rückenpatienten mit gestörter Motorik heißt das, dass sie ein maßgeschneidertes Übungsprogramm erhalten müssen, um wieder zu einer normalen Bewegungsrepräsentation zu gelangen.

    Im Labor der Rostocker Bewegungswissenschaft können Studenten auch in Lehrveranstaltungen an neuester Technik die Wunder der menschlichen Motorik nacherleben und neueste Entwicklungen aus dem Bereich Biomechanik und Motorik kennenlernen. „Wir betrachten die Motorik von verschiedenen Seiten aus und wollen wissen, welche neurologischen Strukturen im einzelnen Fall einer Bewegung zugrunde liegen“, sagt der Professor, der von den Ergebnissen der neuen neurobiologischen Messmethoden voll begeistert ist: „Vor zehn Jahren hätte man sich solche Erkenntnisse nicht träumen lassen“. Beispielsweise ist es ihm möglich, in die funktionale Struktur des Rückenmarks zu blicken. So will er jetzt nachvollziehen, wie Stretching im Sport funktioniert und welche Prozesse durch das Stretching der Muskulatur ausgelöst werden.

    Durch den tiefen Einblick in die Großhirnrinde des Menschen erkennen die Sportwissenschaftler, wie die Gehirnregion aufgebaut ist und arbeitet. So lässt sich ablesen, wie Umweltinformationen verarbeitet werden. „Es gibt viele Sinne“, so Prof. Zschorlich, „die die Motorik beeinflussen“. Ihm wird es im Labor möglich, die Funktionen motorischer Programme zu untersuchen. Beispielsweise gibt es Verfahren, die das neuromotorische System des Körpers stimulieren und dann dokumentieren, wie der Körper reagiert. Mit gepulsten Magnetfeldern können die Rostocker Sportwissenschaftler im menschlichen Hirn Ströme produzieren und Muskelaktionen stimulieren. „Wir können so Prozesse anregen und Motorik erzeugen“, sagt Prof. Zschorlich. Seine Forschungen haben gezeigt, dass das Gehirn bis ins hohe Alter in der Lage ist, sich zu verändern und sich anzupassen. Das gilt auch für Funktionen geschädigter Hirn-Areale, die von anderen Bereichen zum Teil übernommen werden.

    Gemeinsam mit den Wissenschaftlern der Universität Münster haben die Forscher festgestellt, dass beispielsweise Patienten mit Rückenschmerzen eine eingeschränkte Motorik haben und an Koordinationsbewusstsein ihres Körpers verlieren. „Wir stimulieren das Gehirn während der Bewegungsbeobachtung, da werden dann motorische Programme aktiviert“, sagt der Professor. Über das visuelle System werden neben anderen Sinnen simultan auch die motorischen Programme aktiviert und angesprochen. „Wir können über hochmoderne Computerprogramme ins Gehirn blicken, um zu sehen, wie die Motorik des Menschen funktioniert“, schildert der Sportwissenschaftler „Wir können so u.a. auch ablesen, wie Umweltinformationen verarbeitet werden“. Die Erkenntnis der Wissenschaftler: Es gibt viele Sinne, die die Motorik beeinflussen. Alle Reize werden in der Form einer sensorischen Integration auf die motorischen Programme reflektiert. Unklar ist zur Zeit noch, welche Wege zu einer optimalen Therapie gestörter motorischer Wahrnehmung und motorischer Repräsentation führen.

    Kontakt:

    Universität Rostock
    Institut für Sportwissenschaft, Lehrstuhl Bewegungswissenschaft
    Professor Volker Zschorlich
    Fon: +49 (0)381 498 2748
    Mail: volker.zschorlich@uni-rostock.de

    Presse+Kommunikation
    Dr. Ulrich Vetter
    Fon: +49 (0)381 498 1013
    Mail: ulrich.vetter@uni-rostock.de
    Web: www.uni-rostock.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler, jedermann
    Medizin, Sportwissenschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Forschungsergebnisse
    Deutsch


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