idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
05.11.2012 08:33

Wachstum der Zystennieren gebremst

Nathalie Huber Kommunikation
Universität Zürich

    Weltweit leiden mehrere Millionen Menschen an der Erbkrankheit Zystennieren. Forschern der Universität Zürich ist es zusammen mit Kollegen gelungen, bei Menschen das Wachstum dieser Zysten zu bremsen. Bisher konnten nur die Symptome von Zystennieren behandelt werden.

    Zystennieren (autosomal-dominante polyzystische Nierenkrankheit ADPKD) ist eine der häufigsten Erbkrankheiten, die 1 Person von 1000 betrifft und weltweit für ein Nierenversagen von bis zu zehn Prozent der Patientinnen und Patienten verantwortlich ist. Charakteristisch für die Krankheit ist die Entwicklung von Zysten, die zu fortschreitendem Nierenversagen führen und bei den meisten Patienten im Alter von ca. 50 Jahren eine Dialyse oder Nierentransplantation bedingt. Ausserdem verursacht das unaufhaltsame Zystenwachstum Bluthochdruck und schmerzhafte Komplikationen. Obwohl die Krankheit seit mehr als einem Jahrhundert und ihre genetische Grundlage seit fast 20 Jahren bekannt sind, war bisher keine wirksame Behandlung vorhanden.

    Nieren wuchsen nicht weiter
    «Unsere Studie zeigt eine mögliche Behandlung auf, die das Nierenwachstum und die damit verbundenen Symptome vermindert und die Abnahme der Nierenfunktion verlangsamt», erklärt Prof. Olivier Devuyst vom Physiologischen Institut der Universität Zürich. Er ist einer der Hauptforscher der klinischen Studie Phase III, die jetzt im Wissenschaftsjournal «New England Journal of Medicine» erschienen ist.

    An mehr als 1400 Patientinnen und Patienten wurde in weltweit 129 Zentren über die Dauer von drei Jahren Tolvaptan verabreicht. Das Medikament ist ein selektiver V2-Vasopressin-Rezeptorantagonist, der die Wirkung des antidiuretischen (die Harnausscheidung hemmenden) Hormons Vasopressin verringert und eine vermehrte Harnausscheidung bewirkt.

    Untersucht wurde, ob Tolvaptan das Fortschreiten der Zystennierenerkrankung verlangsamt, indem es die Zysten reduziert und ihr Wachstum verlangsamt. «Das gesetzte Studienziel wurde erreicht», erklärt Prof. Devuyst. Bei Patienten, die Tolvaptan im Gegensatz zu Placebo während drei Jahren erhielten, verringerte sich das gesamte Nierenvolumen und damit traten weniger Krankheitskomplikationen auf, die Schmerzen verringerten sich und die Abnahme der Nierenfunktion wurde verlangsamt. Festgestellt wurden jedoch Nebenwirkungen wie vermehrte Harnausscheidung und Durst und mögliche Auswirkungen auf die Leberenzyme sowie den Blut-Natriumspiegel.

    15 Jahre Forschungsarbeit
    Die Studie ist der Abschluss einer 15-jährigen Forschungstätigkeit von Olivier Devuyst und andern Forschenden. Sie begannen damit, Transportmechanismen in Zellen zu untersuchen, die die Zysten auskleiden und identifizierten den V2-Vasopressin-Rezeptor als Auslöser der Zystennierenerkrankung. Im Mausmodell konnten sie zeigen, dass die Blockade dieses Rezeptors die Erkrankung verlangsamt und die Nierenfunktion verbessert.

    Literatur:
    Vicente E. Torres, Arlene B. Chapman, Olivier Devuyst, Ron T. Gansevoort, Jared J. Grantham, Eiji Higashihara, Ronald D. Perrone, Holly B. Krasa, John Ouyang, and Frank S. Czerwiec. Tolvaptan in patients with autosomal dominant polycystic kidney disease. New England Journal of Medicine. November 3, 2012. Online-Publikation: NEJM.org.

    Diese Studie entstand in Zusammenarbeit mit der klinischen Erforschung der ADPKD am Physiologischen Institut der Universität Zürich und der Klinik für Nephrologie am UniversitätsSpital Zürich (PD Dr. Andreas Serra, Prof. Rudolf Wüthrich). Das Forschungsteam der Nephrologischen Klinik betreut eine der grössten Gruppen von ADPKD-Patienten in Europa in enger Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft polyzystischer Nierenerkrankung (www.SwissPKD.ch).


    Weitere Informationen:

    http://www.mediadesk.uzh.ch - Medienmitteilung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).