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12.11.2012 09:49

Hundebandwurm: Parasitologe packt das Problem an der Wurzel

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

    Wissenschaftler der Universität Hohenheim erfasst, wie häufig und in welchen Regionen Hundebandwurm-Arten vorkommen – und wie gefährlich sie sind

    Todbringender Schmarotzer: Weltweit sind mehr als eine Million Menschen von der Hundebandwurm-Erkrankung betroffen, viele sterben an den Folgen. Die meisten davon in Asien und Afrika. Dabei lasse sich der Parasit wahrscheinlich durch einfache Vorsichtsmaßnahmen besiegen, so die These von Parasitologe Dr. Thomas Romig von der Universität Hohenheim. Details soll ein neues Forschungsprojekt klären, bei dem Dr. Romig die einzelnen Arten des Hundebandwurms nach Gefährlichkeit, Häufigkeit und Verbreitungsmuster klassifiziert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Forschungsprojekt CESSARI mit 270.000 Euro. Damit gehört es zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

    Das Unheil beginnt im Schlachthaus. Immer wieder entdecken dort Metzger seltsame Zysten in den Innereien geschlachteter Schafe. Dass Menschen sie nicht essen sollten, wissen sie. Deshalb schneiden sie die Wucherungen heraus und entsorgen sie. In den meisten Industrieländern hat sich das Problem dadurch erledigt. Nicht aber in weiten Teilen Afrikas, wo die Schlachthygiene zu wünschen übrig lässt.
    Herumstreunende Hunde kommen dort ganz einfach an Schlachtabfälle heran – und fressen die Zysten. „In den Zysten schlummern die Larven des Hundebandwurms", erklärt Dr. Thomas Romig vom Fachgebiet Parasitologie an der Universität Hohenheim. „Im Hundekörper finden sie ideale Bedingungen, wachsen aus und legen massenhaft Eier."
    Für Menschen ist der Hundebandwurm lebensbedrohlich. Jährlich sterben tausende Menschen auf der ganzen Welt an den Folgen. Über den Kot scheiden Hunde die Wurmeier aus. „Weil die Tiere auch ihren Analbereich mit der Zunge säubern, verteilen sie die Wurmeier in ihrem Fell. Es reicht also, einen Hund zu streicheln, um sich den Parasiten einzufangen", klärt Dr. Romig auf. Die Folge: lebensgefährliche Zysten an inneren Organen. Zystische Echinokokkose nennen Fachleute die Krankheit.

    Viele Hundebandwurm-Arten sind noch nicht untersucht
    „Es gibt mindestens fünf Arten und zahlreiche Stämme des Hundebandwurms", sagt Dr. Romig. Sie seien unterschiedlich gefährlich für den Menschen und viele bisher noch gar nicht wissenschaftlich untersucht worden. Auch sei nicht klar, welche Art in welcher Gegend vorkomme und welche Schlachttiere sie befalle.
    Mit dieser Ungewissheit will der Parasitologe aufräumen. Zusammen mit Partnern in Uganda, Kenia und dem Sudan untersucht Dr. Romig an zwölf verschiedenen Orten die Bevölkerung auf die zystische Echinokokkose. Außerdem inspiziert er Schlachthöfe und schneidet Zysten aus den befallenen Organen heraus. In Alkohol eingelegte Proben nimmt er mit ins Labor.
    Nach molekularbiologischer Untersuchung erkennt der Forscher, welche Wurmart welche Zyste verursacht. „Dadurch bekomme ich eine ungefähre Vorstellung davon, wie häufig ein Erreger vorkommt und in welchen Gegenden er besonders verbreitet ist. Daraus ergeben sich Rückschlüsse auf die Gefährdung des Menschen." Denn jede Zyste befällt andere Organe und wächst unterschiedlich schnell.

    Vor allem nomadische Hirtenvölker sind betroffen
    Voruntersuchungen haben bereits gezeigt: Die Zysten, die Ärzte bei Operationen entfernt haben, werden überwiegend durch ein und dieselbe Hundebandwurm-Art ausgelöst. Auch den Ursprung der Krankheit hat der Forscher auf diesem Weg in Erfahrung gebracht: Es sind die Zysten in Schaforganen. Weitgehende Entwarnung gibt Dr. Romig bei Kamelen: „Es hat sich gezeigt, dass die Wurmart, die Kamele befällt, für den Menschen weit weniger gefährlich ist."
    Weil die nomadischen Hirtenvölker mit ihren Wachhunden am stärksten unter der zystischen Echinokokkose leiden, geht der Experte von der Universität Hohenheim davon aus, dass Insekten, Wildtiere und verunreinigtes Wasser als Übertragungswege kaum eine Rolle spielen.

    Vorsorge: Mehr Hygiene und eine Altersbeschränkung für Schlachtvieh
    Die Forschungsarbeit des Parasitologen legt die Grundlage dafür, dass Bekämpfungsmaßnahmen entwickelt werden können. „Es gibt bereits Ansätze Schafe dagegen zu impfen", erzählt Dr. Romig. Das funktioniere aber nur bei wenigen Arten und helfe den betroffenen Hirtenvölkern überhaupt nicht. Der Impfstoff ist für sie viel zu teuer. Der Wissenschaftler will das Problem an der Wurzel packen: „Es würde schon viel helfen, wenn die Schlachter Hygienestandards einhalten und alte Schafe aus den Herden entfernt würden", sagt er. „Es hat sich nämlich gezeigt, dass vor allem alte Schafe unter Zysten leiden."
    Fein raus sind die Hunde: Für sie ist der Hundebandwurm keine Bedrohung. Der Parasit fühlt sich in ihnen zwar wohl, bildet aber keine Zysten.

    Hintergrund: Forschungsprojekt CESSARI
    Das Akronym CESSARI steht für „Cystic Echinococcosis in Sub-Saharian Africa Research Initiative". Es ist die Fortsetzung eines großangelegten Forschungsprojekts, das bereits 2009 begonnen hat. Das Forschungsprojekt ist im Februar 2012 angelaufen und auf weitere drei Jahre angelegt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert CESSARI in Hohenheim mit 270.000 Euro. Ziel ist neben neuen Erkenntnissen über die zystische Echinokokkose auch ein Technologietransfer nach Afrika und die Fortbildung afrikanischer Ärzte und Wissenschaftler.

    Hintergrund: Schwergewichte der Forschung
    Rund 28 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim im vergangenen Jahr für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Buchwissenschaften.
    Text: Weik / Klebs

    Kontakt für Medien:
    Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie
    Tel.: 0711/459 22275, E-Mail: Mackenstedt@uni-hohenheim.de

    Dr. Thomas Romig, Universität Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie
    Tel.: 0711/459 23076, E-Mail: Thomas.Romig@uni-hohenheim.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Tier- / Agrar- / Forstwissenschaften
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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