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21.11.2012 15:30

Emanuela Dalla Vecchia-Preise 2012 vergeben

Franziska Hoffmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

    Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hat gemeinsam mit der Stiftung für Seelische Gesundheit und der Stiftung Depressionsforschung zum vierten Mal den Preis zur Erforschung von Depressivität bei psychischen Erkrankungen – Emanuela Dalla Vecchia Preis verliehen. Der Förderpreis für Studierende wurde in diesem Jahr nicht verliehen. Die Preisverleihung fand am 21. November 2012 im Rahmen des diesjährigen DGPPN Kongresses in Berlin statt.

    Der DGPPN-Preis zur Erforschung von Depressivität bei psychischen Erkrankungen – Emanuela-Dalla-Vecchia-Preis soll für einen mehrmonatigen Aufenthalt in einer Forschungseinrichtung im Inland oder Ausland genutzt werden. In diesem Jahr hat die Jury zwei Preisträger für den Hauptpreis ernannt mit einem Preisgeld von je 7.500 Euro.

    Eine Preisträgerin ist Dr. rer. medic. Dipl.-Psych. Ellen Greimel Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Klinikums der Universität München Depressive Erkrankungen sind häufige sowie früh beginnende psychiatrische Störungen, die durch negatives Denken und eine verminderte Fähigkeit, Freude oder Vergnügen zu empfinden („Anhedonie“) gekennzeichnet sind. Das Risiko, an einer Depression zu erkranken, steigt im Jugendalter deutlich an. Es wird vermutet, dass die massiven Umbrüche im sozialen und emotionalen Erleben Jugendlicher im Zusammenhang mit dem erhöhten Erkrankungsrisiko in der Adoleszenz stehen. Die neurobiologischen Grundlagen sozial-emotionalen Erlebens sind bei Jugendlichen mit Depression bislang unzureichend erforscht.

    Insbesondere fehlen Erkenntnisse darüber, wie Jugendliche mit einer depressiven Erkrankung positive und negative soziale Verstärkung (wie etwa Lob und Tadel) auf Ebene des Gehirns verarbeiten. Ein aussichtsreicher Ansatz, um diese Forschungslücke zu füllen, stellen Studien mittels der Elektroenzephalographie (EEG) zur sozialen Belohnungsfunktion bei Jugendlichen mit Depression dar. In dem Projekt sollen daher die neurophysiologischen Mechanismen der Verarbeitung positiver und negativer sozialer Rückmeldung erstmals bei Jugendlichen mit Depression sowie einer gesunden Vergleichsgruppe anhand ereigniskorrelierter Potentiale im EEG untersucht werden. Die Ergebnisse der Studie könnten auf lange Sicht zum Verständnis der Entstehungsbedingungen depressiver Störungen beitragen und speziell beleuchten, warum depressive Störungen im Jugendalter gehäuft auftreten.

    Mit dem Preisgeld von 7.500 Euro wird Dr. rer. medic. Dipl.-Psych. Ellen Greimel ihren Forschungsaufenthalt am Klinikum der Universität München finanzieren.

    Die zweite Preisträgerin, Frau Dr. med. univ. Marion Christina Aichberger von der Charité Universitätsmedizin Berlin, ist mit ihrer Präventionsstudie „Verbesserung gesundheitsbezogenen Verhaltens älterer Frauen mit türkischem Migrationshintergrund mit depressiven Störungen“ ausgezeichnet worden. Das Ziel des Projekts ist die Förderung gesundheitsbezogenen Verhaltens in Bezug auf depressive Störungen bei Türkei-stämmigen Frauen im Alter von 50 Jahren und älter. Untersuchungsbefunde lassen darauf schließen, dass insbesondere ältere Türkei-stämmigen Frauen Gesundheitschancen nicht adäquat wahrnehmen oder nehmen können und gleichzeitig in hohem Masse psychosozialen Belastungen ausgesetzt sind, ohne über adäquate Strategien zu Reduktion dieser Belastungen zu verfügen. Der Schwerpunkt des Projekts liegt daher auf der Steigerung der Kompetenz, die Gesundheitschancen im psychosozialen Bereich adäquat wahrzunehmen. Das Projekt zielt vor allem darauf ab, die Teilnehmerinnen über mögliche Ursachen, Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten depressiver Erkrankungen aufzuklären, ihre Problemlösekompetenzen zu stärken und damit auch die Inanspruchnahme psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfe zu fördern. Das Projekt stellt nicht nur die Zielgruppe Türkei-stämmige Frauen von 50 Jahren und älter in den Fokus, sondern schult auch deren Partner. Dadurch werden diese im Umgang mit Depression sensibilisiert und das frühzeitige Erkennen von depressiven Symptomen gefördert. Ein weiterer wichtiger Fokus der Studie ist, in jeder Schulungsgruppe neben den SchulungsleiterInnen jeweils eine junge Frau mit türkischem Migrationshintergrund als Co-Trainerin, als Multiplikatorin, auszubilden, so dass die Nachhaltigkeit der vermittelten Inhalte gewährleistet wird. Mit dem Preisgeld von 7.500 Euro wird Dr. med. univ. Marion Christina Aichberger ihren Forschungsaufenthalt am King’s College London, Institute of Psychiatry finanzieren.

    Hintergrund:

    Die Preise werden von der DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit und der Stiftung Depressionsforschung verliehen. Die Stiftung für Seelische Gesundheit fördert die seelische Gesundheit der Bevölkerung und setzt sich für die Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen ein. Die Stiftung Depressionsforschung hat es sich zur Aufgabe gemacht, Depressionen zu erforschen und zu ergründen, um neue Behandlungsmethoden und Medikamente im Kampf gegen diese Krankheit zu finden. Dies schließt u.a. die Erforschung der psychosozialen Dimension, der psychosozialen Auswirkungen sowie der Versorgungs- und Behandlungsstrukturen für Menschen mit depressiven Störungen ein.

    Kontakt:

    Prof. Dr. med. Peter Falkai
    Präsident DGPPN
    Direktor der Psychiatrischen Klinik der
    Ludwig-Maximilians-Universität
    Nussbaumstr. 7
    80336 München
    Tel: 089 5160 5500 - 5501
    Fax: 089 5160 5522
    E-Mail: Peter.Falkai@med.uni-muenchen.de


    Weitere Informationen:

    http://www.dgppn.de/aktuelles/detailansicht/article/100/emanuela-dal-3.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wissenschaftler
    Medizin, Psychologie
    überregional
    Wettbewerbe / Auszeichnungen, Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


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