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28.11.2012 13:44

DGKCH: Hautpflege nach Brandverletzungen bei Kindern mindert Narben

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    Berlin – Je jünger Kinder bei einer Brandverletzung sind, desto dickere Narben bildet ihre Haut in der Folge. Hat sich ein Kind durch Feuer, Hitze oder kochendes Wasser tief verbrannt, neigt die dünne Kinderhaut zu überschießender Narbenbildung. Wie Eltern, Ärzte und die kleinen Patienten selbst Narben vorbeugen, pflegen und behandeln sollten, erörtern Experten der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) im Rahmen einer Pressekonferenz am 6. Dezember 2012 in Berlin aus Anlass des bundesweiten Tages des brandverletzten Kindes.

    Weitere Themen sind die Vorbeugung von Brandverletzungen, unterschätzte und neue Gefahren für Babys und Kinder, Erste Hilfe und die Arbeit von Verbrennungszentren. Außerdem berichtet ein Forscherteam, wie Vollhautersatz aus dem Labor künftig dicke Narben vermeiden kann.

    Die Haut von Kindern unter fünf Jahren ist nur einen halben Millimeter dick. Das ist etwa ein Fünftel der Dicke der Haut von Erwachsenen. „Deshalb erleiden Kleinkinder auch viel schneller tiefere und schwerere Brandverletzungen als Personen anderer Altersgruppen“, erklärt Professor Dr. med. Karin Rothe, Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie an der Charité, Universitätsmedizin – Berlin. Schon zehn Sekunden mit über 50 Grad heißer Flüssigkeit reichen aus, um kindliche Haut vollständig zu zerstören und eine Verbrühung dritten Grades zu verursachen. Lebenslange Narben sind die Folge.

    Leichte und oberflächliche Verbrennungen – sogenannte Verbrennungen ersten Grades und Grad IIa – heilen folgenlos in kurzer Zeit ab. Man erkennt sie an einer Rötung und gegebenenfalls leichten Blasenbildung. Bei tiefgehenden Brandverletzungen – Grad IIb und III – sind die zur Wiederherstellung benötigten Gewebsschichten beschädigt oder zerstört. Die Haut kann sich nicht regenerieren und bildet als Ersatzgewebe Narben. Hauttransplantationen ermöglichen und beschleunigen den Heilungsprozess, doch an den Grenzen zur unverletzten Haut entstehen auch hier Narben. Diese sind oft wulstig, erhaben, gerötet und jucken stark. „Das liegt daran, dass in der Wachstumsphase die Zellaktivität des kindlichen Organismus deutlich erhöht ist. Dies führt zu einer Überproduktion von Bindegewebe während der Wundheilung“, führt DGKCH-Mitglied Professor Rothe aus. „Manchmal bildet der Körper gar Wucherungen über die ursprünglichen Grenzen der Wunde hinaus, sogenannte Keloide“.

    Narben hinterlassen Spuren an Haut und Seele. Insbesondere sichtbare Narben führen zu Ausgrenzung und Schamgefühl bei den Kindern sowie zu körperlichen Funktionseinschränkungen. Denn Narben wachsen nicht mit, wenn das Kind größer wird. Sitzen sie beispielsweise über Gelenken, schränken sie die Beweglichkeit ein und behindern das Wachstum. Im schlimmsten Fall versteifen Gelenke. „Solche narbenbedingten Versteifungen – Kontrakturen – müssen wir dann operieren und chirurgisch nachkorrigieren“, berichtet die Expertin aus ihrem Klinikalltag und ergänzt: „Je jünger das Kind zum Verletzungszeitpunkt ist, desto mehr Operationen während der Wachstumsphase können nötig sein.“

    Doch Eltern und Kinder können dazu beitragen, dass es nicht so weit kommt. Frühe Narbenpflege verringert das Risiko von wulstigen – hypertrophen – Narben und Versteifungen. Dazu muss das neu gebildete Gewebe von Anfang an mit Übungen bewegt und gedehnt werden. Arzt und Physiotherapeut leiten Eltern und Patienten dabei an. Ausgiebige Narbenpflege hilft, das kosmetische Erscheinungsbild zu verbessern. Dazu gehören zum Beispiel tägliche Massagen und rückfettende Cremes. „Dadurch richten sich die Kollagenfasern der Haut gleichmäßig aus, was zu weicheren und flacheren Narben führt“, erklärt Professor Rothe. Damit sich keine dicken Narben bilden, müssen die Patienten mit großflächigen Verletzungen außerdem über etwa zwei Jahre einen fest sitzenden Kompressionsanzug, der wie lange Unterwäsche aussieht, tragen. Zusätzlich können Silikonpflaster oder -gele die Narben weicher machen. Wichtig sei auch, die ehemals verbrannte Haut und das Narbengewebe mindestens sechs Monate vor Sonnenlicht zu schützen.

    Trotz aller Möglichkeiten von Hauttransplantationen, Hautersatz bis hin zu modernen Wundversorgungs¬produkten lassen sich Narben bis heute nicht vollständig vermeiden, bedauert DGKCH-Expertin Professor Rothe. „Das kosmetische Ergebnis lässt sich jedoch mit Narbenmassage, Spezial-Cremes und unter Umständen professioneller Nachoperation deutlich verbessern“, sagt sie.

    Was Eltern noch gegen überschießende Narben tun können, wo Gefahren für Babys und Kinder lauern, welche Erste Hilfe-Maßnahmen sinnvoll sind und was die Arbeit von Verbrennungszentren sowie Hautersatz aus dem Labor leisten kann, darüber berichten Experten auf der Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) am 6. Dezember 2012 in Berlin.

    Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie
    Gegründet im Jahr 1963 schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen sowie als Niedergelassene. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

    Terminhinweis:
    Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
    zum „Tag des brandverletzten Kindes“
    Termin: Donnerstag, 6. Dezember 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
    Ort: Langenbeck-Virchow-Haus
    Anschrift: Luisenstraße 58–59, 10117 Berlin

    Themen und Referenten:
    Schnell verbrannt – fürs Leben gezeichnet: Unterschätzte und neue Gefahren für Babys und Kinder
    Professor Dr. med. Karin Rothe, Direktorin der Klinik für Kinderchirurgie, Charité,
    Universitätsmedizin – Berlin

    Erste Hilfe und Versorgung von brandverletzten Kindern – Was im Notfall wichtig ist
    Dr. med. Joachim Suß, Chefarzt der Abteilung für Kinderchirurgie, Wilhelmsstift – Katholisches Kinderkrankenhaus, Hamburg

    Wenn Narben nicht mitwachsen – Die Folgen von Verbrennungen und Verbrühungen im Kindesalter
    Dr. med. Verena Ellerkamp, Kinderchirurgie und Kinderurologie mit Poliklinik am
    Universitätsklinikum Tübingen

    Dünnere Haut, dickere Narben – Bei Kindern ist vieles anders. Warum ich für brandverletzte Kinder forsche
    Dr. med. Martina Hüging, Oberärztin, Zentrum für brandverletzte Kinder, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Kinderspital, Zürich

    Vom Labor zum Patienten: Hautersatz dank Tissue Engineering, Stammzellen & Co.
    Privatdozent Dr. med. Clemens Schiestl, Leiter des Zentrums für brandverletzte Kinder,
    Plastische und Rekonstruktive Chirurgie, Kinderspital, Zürich

    Kontakt für Journalisten:
    Dr. Adelheid Liebendörfer/Juliane Pfeiffer
    Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH)
    Postfach 30 11 20
    70451 Stuttgart
    Tel.: 0711 8931-173
    Fax: 0711 8931-167
    E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org
    http://www.dgkch.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Pressetermine
    Deutsch


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