idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
19.12.2012 10:50

Ernährungsmediziner warnt: "Mit Armut etabliert sich versteckter Hunger in Deutschland"

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

    Verborgener Hunger: Fehl- und Mangelernährung in der Kindheit haben lebenslange Folgen / unentgeltliches, hochwertiges Essen in Kitas als Prävention

    Der Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz offenbart: Auch in Deutschland entwickelt sich wieder Armut. Oft unbemerkt, doch eng damit verbunden etabliert sich damit auch ein versteckter Hunger in Form von Fehl- und Mangelernährung, warnt der Ernährungsmediziner Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim. "Der Tagessatz von Hartz IV für Ernährung reicht nicht aus um ein Kind gut zu ernähren. Die Folgen tragen Menschen und Gesellschaft ein Leben lang. Der Wissenschaftler fordert deshalb unentgeltliches, hochwertiges Essen in Kindertagesstätten und Schulen.

    Man sieht eine unzureichende Ernährungssituation nicht auf den ersten Blick: Bis zu 16 Millionen Menschen in Deutschland leben laut dem gestern veröffentlichten Schattenbericht der Nationalen Armutskonferenz (nak) unter der Armutsgrenze. "Viele von ihnen leiden an den Folgen von Fehl- und Mangelernährung", sagt Prof. Dr. Biesalski. "Diese Menschen haben meist genug um satt zu werden. Aber ihnen fehlt das Geld für eine gesunde und damit auch ausgewogene Ernährung." Der Wissenschaftler spricht von Hidden Hunger – verstecktem Hunger. Dieser betrifft weltweit bis zu 2 Milliarden Menschen. Ursache so UNICEF und andere Organisationen: Armut

    Neben Senioren seien vor allem alleinerziehenden Müttern und ihre Kinder, die von Hartz IV leben, betroffen: "Je nach Alter kostet eine kindgerechte Ernährung mit allen erforderlichen Nährstoffen zwischen drei und sechs Euro pro Tag und Kind", erklärt der Ernährungswissenschaftler. Aber selbst der Hartz IV-Höchstsatz sehe für die Ernährung täglich nur zwischen zwei und drei Euro in der Altersgruppe der unter 14jährigen vor.

    Auch das Essen in Kindertagesstätten und Ganztagsschulen sei vielerorts mangelhaft, beklagt Prof. Dr. Biesalski: "Es bleiben gerade einmal 70 Cent pro Kind für Essen übrig, wenn man die Kosten für Personal und Logistik abzieht.

    Schlechte Ernährung in der Kindheit verhindert sozialen Aufstieg

    Mit den Folgen von Fehl- und Mangelernährung in der Kindheit haben, je nach Schweregrad, Betroffene ihr ganzes Leben lang zu kämpfen: "Ihre physische und mentale Entwicklung ist in unterschiedlichem Maß eingeschränkt", macht der Experte deutlich. " Das sind alles andere als gute Voraussetzungen für eine fundierte Ausbildung und beruflichen Erfolg. Eine schlechte Ernährung in der Kindheit kann das gesamte weitere Leben beeinflussen.“

    Studien aus Schweden und den USA belegten: Wer nicht genug Geld für eine ausgewogene Ernährung hat, leidet als Erwachsener häufiger an klassischen Zivilisationskrankheiten wie Fettsucht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

    Gegensteuern könnte die Politik mit einem höheren Hartz-IV-Regelsatz, fordert Prof. Dr. Biesalski. Viel wirkungsvoller sei jedoch unentgeltliches und qualitativ ausreichendes Essen in allen Kindertagesstätten und Schulen.

    Hintergrund: Buch "Der verborgene Hunger"

    Der Ernährungswissenschaftler Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski von der Universität Hohenheim hat dem Hidden Hunger ein ganzes Buch gewidmet. "Der verborgene Hunger. Satt sein ist nicht genug" heißt es. Darin beschreibt er das Phänomen ausführlich und zeigt, wie es sich beeinflussen lässt.

    Kongress: Hidden Hunger vom 6. bis 9. März 2012

    Mit dem weltweit ersten Kongress zum Thema holt die Universität Hohenheim den Hidden Hunger 2013 aus der Verborgenheit. Vorläufiges Programm und weitere Informationen unter www.hiddenhunger.uni-hohenheim.de

    Kontakt für Medien:
    Prof. Dr. Hans Konrad Biesalski, Universität Hohenheim, Fachgebiet Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft
    Tel.: 0711/459 24112, E-Mail: biesal@uni-hohenheim.de

    Text: Weik / Klebs


    Weitere Informationen:

    http://nationalearmutskonferenz.de/ "Nationale Armutskonferenz"


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).