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19.12.2012 13:41

Kinderlachen statt Karies / Einzigartiges Projekt in Jena zur Prävention bei Kleinkindern

Stefan Dreising Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

    512 Kinder nehmen an Langzeitstudie teil / „Vorsorge vor der Sorge“ unterstützt und berät Eltern

    Jena (ukj/me). Kleinkinder haben häufig erst mit drei Jahren ihren ersten Zahnarzttermin. Das bleibt nicht ohne Folgen: Bereits bis zu 20 Prozent der unter Dreijährigen haben Karies. Die frühkindliche Karies, auch bekannt als Early Childhood Caries (ECC), darf nicht unterschätzt werden: Sie befällt die Milchzähne, wenn sie gerade durchgebrochen sind und kann im schlimmsten Fall das gesamte Gebiss zerstören. Dies zu verhindern und dafür zu sorgen, dass der schweren Form der Karies vorgebeugt wird, ist Ziel des Präventionsprogramms „Vorsorge vor der Sorge“. In diesem Projekt setzen sich seit 2008 Zahnmediziner der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde des Universitätsklinikums Jena (UKJ), Hebammen und seit 2009 der Erstbesuchsdienst der Stadt Jena zusammen für gesunde Milchzähne ein. Deutschlandweit ist das Projekt in dieser Form bisher einzigartig.

    Eltern über Karies aufklären

    Ein alarmierendes Zwischenergebnis der Studie: Das Kariesrisiko bei einjährigen Kindern beträgt bereits 33 Prozent. „Durch das Projekt sollen Eltern frühzeitig aufgeklärt und sensibilisiert werden, um für eine optimale Mundhygiene ihres Nachwuchses Sorge zu tragen“, erklärt Prof. Dr. Roswitha Heinrich-Weltzien, kommissarische Leiterin der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am UKJ. In der Kooperation leistet jede Berufsgruppe ihren Beitrag, erklärt Dr. Yvonne Wagner, Projektleiterin und Zahnärztin der Poliklinik für Präventive Zahnheilkunde und Kinderzahnheilkunde am UKJ: „Wir wollen vor allem junge Eltern erreichen. Bislang wurden neben den Eltern, Ärzte, Zahnärzte, Hebammen und Sozialpädagogen zum Thema geschult. Da sie die Familien begleiten, können sie Einfluss auf das Präventionsverhalten der Mütter und Väter nehmen. Der Jenaer Erstbesuchsdienst informiert die Familien über die Zahn- und Allgemeingesundheit ihres Kindes und die Bedeutung des ersten Zahnarztbesuchs im ersten Lebensjahr. Eltern sollten ihre Kinder schon frühzeitig mit zu ihrem Hauszahnarzt nehmen oder einen Kinderzahnarzt aufsuchen.

    Erstvorsorgeuntersuchung im ersten Lebensjahr

    Für die Evaluation des Projektes bilden die Jenaer Geburtsjahrgänge 2009 und 2010, also 1162 Kinder, die Grundlage. 512 Kinder werden seit ihrem ersten Lebensjahr in Abhängigkeit von ihrem Kariesrisiko regelmäßig viertel- bis halbjährlich zahnärztlich untersucht (Interventionsgruppe). Im Sommer 2013 soll das Projekt ausgewertet werden. „Bei der Untersuchung beurteilen wir die Gebissentwicklung des Kindes, schätzen das Kariesrisiko ein und behandeln Frühstadien der Karies, also weiße Entkalkungen auf den Zähnen, bis zu gravierenden Löchern“, sagt Dr. Wagner. Die Kinderzahnärztin appelliert an die Eltern, bereits im ersten Lebensjahr ihres Kindes zur ersten Untersuchung zu kommen, am besten im Alter von vier bis neun Monaten. Danach sollten die Kinder wie die Erwachsenen regelmäßig zwei Mal im Jahr, bei erhöhtem Kariesrisiko sogar bis zu vier Mal im Jahr zur Untersuchung zu gehen, rät Dr. Wagner.

    Doch zu einer Erkrankung muss es nicht kommen, wenn Eltern auf die Zahnhygiene ihres Kindes achten und eine Kariesentwicklung nicht durch die Gabe von gesüßten Getränken gefördert wird. Wenn zucker- und säurehaltige Getränke ständig die Zähne umspülen, schädigt das die Zähne und provoziert Karies. Prof. Dr. Heinrich-Weltzien erklärt, worauf Eltern noch achten sollten. „Eltern denken beim Kauf von zuckerfreiem Saft häufig, dass sie ihrem Kind etwas Gutes tun. Dabei vergessen sie, dass die Fruchtsäure die Zahnoberfläche anätzt und dadurch der erweichte Milchzahnschmelz abgetragen wird. Zucker- und säurehaltige Medikamente haben die gleiche Wirkung, wenn sie über längere Zeit, insbesondere aber vor dem Schlaf, gegeben werden.“ Auch im Speichel der Eltern lauert Gefahr. „Was viele nicht wissen ist: Kariesbakterien können durch die Bezugspersonen übertragen werden, beispielsweise wenn derselbe Löffel benutzt wird“, fügt Dr. Wagner hinzu.

    Zähneputzen gegen Karies

    Dr. Wagner: „Der regelmäßige Griff zur Zahnbürste ist ein Muss. Bei Säuglingen sollte die Zahnpflege einmal am Tag, bei Kleinkindern morgens und abends durchgeführt werden. Zusätzlich sollten die Eltern bis zum achten Lebensjahr nachputzen.“ Damit Eltern wissen, was sie alles zum Schutz der Zähne ihrer Kinder beachten müssen, bietet das Projekt „Sorge vor der Vorsorge“ Kurse und Schulungen. Hier erhalten Eltern wichtige Informationen und lernen, was alles zur Zahnpflege bei den Kleinsten dazu gehört. Denn hält man sich an die Empfehlungen, bleiben die Zähne der Kleinen gesund, bevor die Sorge groß wird.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Kooperationen
    Deutsch


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