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14.01.2013 14:28

OP-Filme aus der Schuhschachtel

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

    Heidelberger Institut für Geschichte und Ethik der Medizin sucht und erforscht medizinische Gebrauchsfilme von 1900 bis 1970 – im Auftrag der EU / Erste Funde werden am Mittwoch, 16. Januar, im Heidelberger Karlstorkino gezeigt.

    Hätte es vor einhundert Jahren schon ein analoges YouTube für schwarzweiß flackernde Filmstreifen gegeben, hätte es Dr. Philipp Stiasny wesentlich einfacher: Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Heidelberger Universitätsinstituts für Geschichte und Ethik der Medizin sucht und erforscht medizinische „Gebrauchsfilme“ ab dem Jahr 1900, sichtet Werbeclips von Unternehmen und „Aufklärungsfilme“ zur Hygiene und Gesundheit von Behörden. Einen ersten Zusammenschnitt der bisherigen Funde zeigt das Institut an diesem Mittwoch, 16. Januar, im Heidelberger Karlstorkino, Am Karlstor 1. Ab 20 Uhr erläutert dort der Leiter des Instituts, Professor Dr. Wolfgang Eckart, zusammen mit dem Straßburger Medizinhistoriker Professor Dr. Christian Bonah das von der Europäischen Union geförderte Projekt. Der Eintritt ist frei.

    Filme erleichtern die Lehre

    Die Filmschnipsel, die Philipp Stiasny auf altertümlichen Schneidetischen sichtet, sind Amateuraufnahmen. Ärzte links und rechts des Oberrheins haben sie zwischen 1900 und 1970 gedreht: Operationen und Behandlungen zumeist, die zu Lehrzwecken auf Zelluloid gebannt wurden. Der medizinische Nachwuchs in der Pfalz und Baden sowie im Elsass konnte ihnen vor der Leinwand immer und immer wieder beiwohnen – ohne, dass ein leibhaftiger Patient jedes Mal aufs Neue aufgeschnitten werden musste. Ein medizinischer Segen, diese Filmtechnik.

    Solcherlei Filmstreifen gibt es zuhauf in der Oberrhein-Region, irgendwo in alten Schuhschachteln verstaut, unbeachtet auf Speichern und in Kellern vergessen oder in alten Arztschränken aufbewahrt, kaum jemals ordentlich katalogisiert. Dr. Philipp Stiasny und sein Kollege Dr. Philipp Osten stöbern diese medizinischen Gebrauchsfilme zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Straßburg auf.

    Filme von Feindschaft und Aussöhnung

    Doch das Projekt umfasst auch Profi-Material: Frühe Werbefilme der Pharmaindustrie oder aufklärerische Streifen zu Hygienefragen – auch diese erforschen die Heidelberger Medizinhistoriker. Besonders interessieren sie sich dabei für Filme, die zu Propagandazwecken produziert wurden und die die so genannte „Erbfeindschaft“ zwischen Frankreich und Deutschland transportieren. Die Überwindung dieser Frontstellung und dem Weg hin zur Europäischen Einigung ist ein weiterer großer Komplex der wissenschaftlichen Arbeit. ImKarlstorkino zeigen Philipp Stiasny und Philipp Osten daher Filme, die die Aussöhnung zu beiden Teilen des Rheins zum Thema haben: „Ein Jahr später“ etwa, ein Re-Education-Film, der 1946 in der französischen Besatzungszone gezeigt wurde, sowie „Ein Fenster in die Welt“ von 1951, der an der deutsch-französischen Grenze die Forderungen junger Studenten nach einem gemeinsamen Europa dokumentiert. Ein Film von 1957 zeigt das „Europäische Straßburg“ und ein Streifen von 1956 erklärt, was es mit der „Montanunion“ auf sich haben könnte. „Was ist Europa?“ ist die Frage, die diese Filme dokumentarisch zu ergründen suchen. Den Hauptfilmen vorgeschaltet sind Werbefilme aus der Vorkriegs-Zeit. Dabei ist auch frühe Tricktechnik zu sehen – die Zeichentrickfigur Leberecht Klug etwa sensibilisiert in Waschmittel-Werbung für Sauberkeit und Hygiene. Die Filmfunde werden erstmals seit langer Zeit wieder öffentlich gezeigt, die Aufführung im Karlstorkino ist die erste in Heidelberg; im November waren sie bereits im Straßburger Kinopalast „Odyssee“ zu sehen.

    Das Projekt

    „RH(E)INFILM: Der Oberrhein im Gebrauchsfilm. Projektionen von Erinnerung, Geschichte und Identitäten 1900-1970“ heißt das Projekt, das die Europäische Union mit knapp 372.000 Euro kofinanziert. Zusätzlich zu den EU-Mitteln wird es von den Ländern Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, von der Region Elsass und den beiden Universitäten in Heidelberg und Straßburg gefördert.

    Filmabend mit Diskussion

    Mittwoch, 16. Januar, 20 Uhr, Karlstorkino Heidelberg (Am Karlstor 1): Auftaktveranstaltung zum EU-Projekt „RH(E)INFILM: Der Oberrhein im Gebrauchsfilm“ des Département d'histoire des sciences de la vie et de la santé der Universität Straßburg und des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Es sprechen die Leiter der beiden Institute Professor Dr. Christian Bonah und Professor Dr. Wolfgang Eckart. Vorprogramm: Historische Werbefilme zum Thema Sauberkeit und Hygiene (Einführung: Dr. Philipp Osten). Hauptprogramm: „Was ist Europa?“ Dokumentarische Filme über die deutsch-französische Annäherung aus den Jahren 1946 bis 1957 (Einführung: Dr. Philipp Stiasny). Eintritt frei.

    Weitere Informationen
    Projektbeschreibungen: http://www.interreg-oberrhein.eu/schwerpunkt-a,10200,de.html
    Veranstaltungswebsite: http://www.karlstorkino.de/index.php?RUBRIK=5&Document=21&ID=2929&ve...=
    Website Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Uni Heidelberg: http://www.medizinische-fakultaet-hd.uni-heidelberg.de/index.php?id=102539

    Ansprechpartner:
    Dr. Philipp Stiasny, Institut für Geschichte undEthik der Medizin, Telefon 06221/54-8212, E-Mail: philipp.stiasny@histmed.uni-heidelberg.de

    Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
    Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

    Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 110.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und 400.000 Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

    http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

    Bei Rückfragen von Journalisten:
    Dr. Annette Tuffs
    Leiterin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
    des Universitätsklinikums Heidelberg und der
    Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 56-4536
    Fax: 06221 56-4544
    E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

    Julia Bird
    Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
    des Universitätsklinikums Heidelberg und der
    Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
    Im Neuenheimer Feld 672
    69120 Heidelberg
    Tel.: 06221 56-7071
    Fax: 06221 56-4544
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    5 / 2013

    HI


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


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