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15.01.2013 14:26

Herzbericht: Schonende Herzoperationen im Kontext des demographischen Bevölkerungswandels

Thomas Krieger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

    Die Gesamtzahl der Eingriffe in den 78 herzchirurgischen Abteilungen in Deutschland ist weiterhin auf hohem Niveau stabil. Das machen die Zahlen des Herzberichtes 2011 deutlich, der am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. So wurden wie in den Vorjahren auch im Jahr 2011 erneut rund 100.000 Herzoperationen durchgeführt.

    Die Gesamtzahl der Eingriffe in den 78 herzchirurgischen Abteilungen in Deutschland ist weiterhin auf hohem Niveau stabil. Das machen die Zahlen des Herzberichtes 2011 deutlich, der am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. So wurden wie in den Vorjahren auch im Jahr 2011 erneut rund 100.000 Herzoperationen durchgeführt. In diesem Zusammenhang steht auch die deutsche Herzchirurgie vor neuen Herausforderungen da durch den demographischen Wandel das Alter der herzchirurgischen Patienten weiter ansteigt und in diesem Zusammenhang auch häufiger Begleiterkrankungen vorhanden sind die einer besonderen Beachtung bedürfen: Im Jahr 2011 sind bereits rund zwei Drittel der herzchirurgischen Patienten im Rentenalter. Trotz dieser Entwicklung haben Innovationen und die Etablierung minimalinvasiver bzw. schonenderer Operationsverfahren dazu beigetragen, daß auch weiterhin Überlebensraten von mehr als 95% erzielt werden.

    Im Jahr 2011 machten die rund 55.000 Bypass-Operationen zur Behandlung von Erkrankungen der Herzkranzgefäße wiederum mehr als die Hälfte der Eingriffe am Herzen aus. Die Zahl der Bypass-Operationen war in den Jahren davor zurückgegangen, was aus Sicht der Herzchirurgen vor allem auf die angestiegene Zahl von Stentimplantationen zurückführen ist. Patienten entschieden sich häufiger für die weniger invasive Stentimplantation um die mit der Bypass-Operation einhergehende Brustkorberöffnung sowie den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine zu vermeiden. Diverse Studien haben allerdings ergeben, dass die Bypass-Operation gerade bei Befall mehrerer Herzkranzgefäße sowie komplizierteren Verengungen insbesondere im Hinblick auf die Überlebensrate und die dauerhafte Lebensqualität der Patienten nach dem jeweiligen Eingriff die bessere Wahl sei. Daher hatten die Fachgesellschaften von Herzchirurgen und Kardiologen in medizinischen Leitlinien unter anderem festgelegt, dass ein Team bestehend aus einem Kardiologen und einem Herzchirurgen jeden Patienten individuell begutachten soll, um gemeinsam zu entscheiden, ob für ihn die Bypass-Operation oder die Stentimplantation die richtige Therapie ist. „Diese Herzteams sind zwar noch nicht überall, aber bereits an sehr vielen Kliniken etabliert. Wir raten den Patienten bei der Auswahl einer Klinik gezielt nachzufragen, ob ein solches Herzteam zur Verfügung steht. Wenn nicht, ist unsere Empfehlung, sich auf jeden Fall sowohl von einem Kardiologen als auch von einem Herzchirurgen beraten zu lassen, um sicherzustellen, dass man wirklich die für den individuellen Krankheitsfall beste Behandlung erfährt“, so Professor Jochen Cremer, erster Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG). „Zudem erscheint es wissenswert für die Patienten dass aufgrund von Weiterentwicklungen der Operationsverfahren im Jahr 2011 fast 15 Prozent der Bypass-Operationen bei schlagendem Herzen, also ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine, durchgeführt wurden.“

    Bei der Erkrankung der Aortenklappe, die einen Entfernung der Herzklappe erforderlich macht, war auch 2011 im Vergleich zum Vorjahr ein weiterer Anstieg des Einsatzes von sog. biologischen Prothesen (Gewebe vom Schwein oder Rind) zu verzeichnen, während der Anteil der sog. mechanischen Herzklappenprothesen weiter zurückging. So wurden 2011 rund 1.700 krankhaft veränderte Aortenklappen durch mechanische Prothesen, aber fast 10.000 durch biologische Herzklappenprothesen ersetzt. 10 Jahre zuvor wurden noch mehr mechanische als biologische Klappenprothesen implantiert. Diese Entwicklung ist auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Alters der Patienten, die einen Aortenklappenersatz erhalten, zu sehen. Biologische Prothese erfordern im Vergleich zu den mechanischen Ventilen keine dauerhafte Einnahme von Blutverdünnern haben jedoch eine limitierte Haltbarkeit von zumeist rund 15-20 Jahren hat.
    Weiterhin kritisch wird von den Herzchirurgen die rapide Zunahme der kathetergestützten Aortenklappenimplantationen gesehen, bei denen die defekte Aortenklappe über einen Katheter zunächst mit einem Ballon an die Gefäßwand gedrückt wird bevor nach ausreichender Aufdehnung eine spezielle biologische Herzklappenprothese implantiert wird. So muss nach den für das Jahr 2011 vorliegenden Zahlen für die kathetergestützten Aortenklappenimplantationen (TAVI) davon ausgegangen werden, daß derartige Eingriffe in Kliniken ohne vorhandene herzchirurgische Abteilung und bei Patienten unter 75 Jahren durchgeführt werden, was den kürzlich publizierten Leitlinien der europäischen Fachgesellschaften der Herzchirurgen und Kardiologen grundlegend widerspricht. „Im Sinne der Patienten wäre die konsequente Umsetzung dieser Vorgabe aber wichtig. Denn für welche Patienten neben den genannten sehr alten, multimorbiden Personen dieses immer noch relativ neue Verfahren sonst noch infrage kommt, werden erst die langfristigen Ergebnisse aus dem Deutschen Aortenklappenregister von DGTHG und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zeigen“, so Cremer.

    Ein weiteres Beispiel für schonende und qualitativ hochwertige Operationsmethoden führen bei der herzchirurgischen Behandlung undichter Mitralklappen dazu, dass die Herzchirurgen im Jahr 2011 bei rund zwei Drittel der Patienten bzw. bei insgesamt über 5.500 erkrankten Mitralklappen diese rekonstruierten und nicht austauschten. Hierdurch behalten die Patienten weiterhin ihre eigene Herzklappe mit allen für eine gute Herzpumpfunktion notwendigen Strukturen. Der Ersatz der Mitralklappe ist aber weiterhin notwendig, wenn die Klappe stark verkalkt oder gar durch Entzündungen zerstört ist.

    Eine aus Sicht der Herzchirurgen dramatische Entwicklung ist bei den Zahlen der Herztransplantationen in Deutschland zu beobachten. An den 22 Transplantationszentren in Deutschland, die Spenderherzen implantieren, sind diese Eingriffe seit 1997 deutlich zurückgegangen. Und dieser Negativtrend hält weiter an: Im Jahr 2011 wurden in Deutschland 366 Herz- und Herz-Lungentransplantationen durchgeführt. Von Januar bis November 2012 waren es laut Eurotransplant nur noch 323 Herz- und Herz-Lungen-Transplantationen. „Wir Herzchirurgen erleben jeden Tag das Leid unserer zurzeit über 1.000 Patienten auf den Wartelisten. Aufgrund ihres lebensbedrohlichen Erkrankungszustandes müssen viele dieser schwerst herzkranken Patienten auf einer Intensivstation auf die lebensrettende Transplantation warten, im Durchschnitt 16 Monate. Deshalb appellieren wir an Menschen aber auch die Medien in Deutschland, bei aller berechtigter Kritik am Fehlverhalten Einzelner in der Transplantations-medizin das Leid der lebensgefährlich Erkrankten, die auf ein Organspende angewiesen sind, nicht zu vergessen“, sagte Professor Friedhelm Beyersdorf, zweiter Vizepräsident der DGTHG anlässlich der Präsentation des Herzberichtes.

    Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der rund 950 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.


    Weitere Informationen:

    http://www.dgthg.de
    http://www.herzstiftung.de


    Anhang
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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


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