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14.02.2013 11:33

Frühe Tiefe Hirnstimulation bewahrt Lebensqualität

Christoph Wanko Stabsabteilung Unternehmenskommunikation
Uniklinik Köln

    Experten der Uniklinik Köln an aufsehenerregender Studie beteiligt

    Der frühzeitige Einsatz der Tiefen Hirnstimulation (THS) bei Parkinson-Patienten verbessert bereits in frühen Erkrankungsstadien die Lebensqualität, reduziert die Anzahl der notwendigen Medikamente und verbessert die Fähigkeit der Betroffenen ihren Alltag zu bewältigen. Dies zeigt eine neue Studie, an der auch das Team um den Morbus Parkinson-Experten Prof. Dr. Lars Timmermann von der Uniklinik Köln beteiligt war. Die vielversprechenden Ergebnisse der deutsch-französischen Zusammenarbeit wurden heute im New England Journal of Medicine publiziert.

    Die Tiefe Hirnstimulation im Bereich des Nucleus subthalamicus erhöht nachweislich die Lebensqualität bei Patienten mit Morbus Parkinson. Bisher wird die Stimulation in Betracht gezogen, wenn die Komplikationen einer medikamentösen Langzeittherapie von Parkinson nicht mehr beherrschbar sind. Dies geschieht in der Regel nach 11 bis 13 Jahren Krankheitsdauer. Ein sozialer und beruflicher Rückzug des Patienten ist dann aber oft schon eingetreten und kann durch die Tiefe Hirnstimulation oft nicht mehr umgekehrt werden.

    Die heute publizierte Studie untersuchte die Frage, ob Patienten, die zu einem relativ frühen Zeitpunkt mit der Tiefen Hirnstimulation behandelt werden (4. bis 8. Krankheitsjahr), eine bessere Lebensqualität haben als solche, die mit bester medikamentöser Therapie behandelt werden. „Wir wollten gemeinsam mit unseren deutschen und französischen Kollegen wissen, ob sich die Tiefe Hirnstimulation bereits bei erst kurzzeitiger erkrankten Patienten mit Morbus Parkinson sinnvoll ist und ob wir die Patienten vor sozialen Folgen wie Arbeitsunfähigkeit, Rückzug aus sozialen Aktivitäten durch eine frühere Operation bewahren können“, so Prof. Lars Timmermann, Leiter der Arbeitsgruppe Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation an der Uniklinik Köln.
    251 Patienten wurden in die EARLYSTIM-Studie eingeschlossen und über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Die Patienten waren im Schnitt 52 Jahre alt und knapp 8 Jahre an Parkinson erkrankt. Insgesamt waren 16 hochqualifizierte Zentren in Deutschland und Frankreich beteiligt, Kiel, Paris und Köln waren die drei größten Zentren der Studie. Geleitet wurde die Studie von Prof. Dr. Günther Deuschl vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel.

    Zu Beginn der Studie wurden die Patienten per Losverfahren in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe erhielt eine medikamentöse Therapie streng nach den aktuellen Leitlinien (best medical treatment, BMT), die andere Gruppe erhielt die Tiefe Hirnstimulation und zusätzlich BMT.

    Die Lebensqualität war in der Tiefe Hirnstimulation-Gruppe direkt nach der Operation und auch nach zwei Jahren signifikant besser im Vergleich zur BMT Gruppe. Phasen der schlechten Beweglichkeit, Schwankungen der Medikamentenwirkung und Überbeweglichkeit konnten im Vergleich deutlich reduziert werden. Die Aktivitäten des täglichen Lebens konnten nur in der THS-Gruppe verbessert werden.

    „In Zukunft können wir Patienten auch in frühen Krankheitsstadien für eine Tiefe Hirnstimulation in Betracht ziehen, da wir mit der EARLYSTIM-Studie zeigen konnten, dass sich die Lebensqualität im Vergleich zur rein medikamentösen Therapie bereits im früheren Krankheitsstadium deutlich verbessern lässt“, so Prof. Lars Timmermann, Leiter der Arbeitsgruppe Bewegungsstörungen und Tiefe Hirnstimulation.

    Zitation:
    Neurostimulation for Parkinson’s Disease with Early Motor Complications (2013) W.M.M. Schuepbach, J. Rau, K. Knudsen, J. Volkmann, P. Krack, L. Timmermann, T.D. Hälbig, H. Hesekamp, S.M. Navarro, N. Meier, D. Falk, M. Mehdorn, S. Paschen, M. Maarouf, M.T. Barbe, G.R. Fink, A. Kupsch, D. Gruber, G.-H. Schneider, E. Seigneuret, A. Kistner, P. Chaynes, F. Ory-Magne, C. Brefel Courbon, J. Vesper, A. Schnitzler, L. Wojtecki, J.-L. Houeto, B. Bataille, D. Maltête, P. Damier, S. Raoul, F. Sixel-Doering, D. Hellwig, A. Gharabaghi, R. Krüger, M.O. Pinsker, F. Amtage, J.-M. Régis, T. Witjas, S. Thobois, P. Mertens, M. Kloss, A. Hartmann, W.H. Oertel, B. Post, H. Speelman, Y. Agid, C. Schade-Brittinger, and G. Deuschl, N Engl J Med 2013;368:610-22. DOI: 10.1056/NEJMoa1205158

    Für Rückfragen:
    Timo Mügge
    Pressesprecher Uniklinik Köln
    Leiter Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
    Telefon: 0221 478-5548
    E-Mail: presse@uk-koeln.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


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