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21.02.2013 14:16

Ärzteteam des Dresdner Uniklinikums reimplantierte Unfallopfer körpereigene Inselzellen

Holger Ostermeyer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

    Das am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden angesiedelte Zentrum für Inselzell-Transplantation hat das 43-jährige Opfer eines Arbeitsunfalls vor Diabetes bewahrt: In einem nächtlichen Einsatz ist es dem aus Diabetologen und Viszeralchirurgen bestehenden Team in der vergangenen Woche gelungen, insulinproduzierende Inselzellen aus der zerstörten Bauchspeicheldrüse des Patienten zu retten, aufzubereiten und in dessen Leber zu implantieren. Damit hat das interdisziplinäre Ärzteteam das nur am Dresdner Uniklinikum vorhandene Know-how erstmals für eine Eigenspende von Inselzellen bei einer verletzten Bauchspeicheldrüse genutzt.

    In der Regel erhalten ausschließlich schwer erkrankte Diabetes-Patienten eine Bauchspeicheldrüse Verstorbener oder daraus gewonnener Inselzellen. Eine Transplantation kommt bei Diabetikern nur in Betracht, wenn sie unter einem extrem schwankenden Blutzuckerspiegel leiden.

    Der 43-Jährige Patient ist nach einer ersten operativen Notversorgung am 7. Februar in einem Krankenhaus der Region noch am selben Abend ans Dresdner Uniklinikum verlegt worden, um die durch einen stumpfen Stoß zerrissene Bauchspeicheldrüse und verletzte Bauchgefäße zu behandeln. Doch der Bauchchirurg Prof. Robert Grützmann, geschäftsführender Oberarzt und Bereichsleiter der Bauchspeicheldrüsenchirurgie an der von Prof. Jürgen Weitz geleiteten Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, konnte das Organ nicht komplett retten: Es war so nahe am Ausgang zum Darm durchtrennt, dass es nicht mehr zusammengefügt werden konnte. Der hintere Abschnitt der Bauchspeicheldrüse jedoch blieb unversehrt, dass es sehr gute Chancen gab, die darin befindlichen Langerhansschen Inseln – die sogenannten Inselzellen – herauszulösen. Sie produzieren das für den Stoffwechsel lebenswichtige Insulin.

    Prof. Grützmann schaltete noch während der Operation Dr. Barbara Ludwig von der Medizinischen Klinik III ein. Die Internistin und Diabetologin ist auf die Aufbereitung von Inselzellen spezialisiert und hat in den vergangenen Jahren entsprechende Transplantationen für rund 20 Patienten maßgeblich betreut. Dr. Ludwig übernahm den herausoperierten, intakten Abschnitt der Bauchspeicheldrüse. Noch in derselben Nacht wurden in einem komplexen Verfahren die Inselzellen aus der Drüse herausgelöst und für die Transplantation aufbereitet. Schon diese Arbeiten in einem Speziallabor des Uniklinikums stimmten das Team optimistisch: Dr. Ludwig konnte aus dem Restpankreas rund 200.000 lebende, Insulin bildende Zellen isolieren – eine normale Bauchspeicheldrüse beherbergt etwa eine Million dieser Pankreas-Inseln.

    Am Freitagmorgen dann (8. Februar) wurden die zu Inseln zusammengeballten Zellen – in dieser Form sind sie bis zu einem halben Millimeter groß und mit dem bloßen Auge erkennbar – dem Patienten in die Leber übertragen: Prof. Grützmann und Dr. Ludwig injizierten die Zellen in die die Leber zentral mit Blut versorgende Pfortader. Ähnlich einer Infusion schwemmte das OP-Team die Zellen innerhalb einer halben Stunde in das Organ ein. Inzwischen konnten die Klinikumsärzte nachweisen, dass der Patient wieder eigenes Insulin produziert – die Inselzellen haben sich offenbar in dem Organ angesiedelt.

    Diabetes und die Operationen der Bauchspeicheldrüse gehören zu den Leuchttürmen bei Krankenversorgung und Forschung
    „Die erfolgreiche Reimplantation der Inselzellen belegt einmal mehr den Erfolg der intensiven Arbeit, die Klinikum und Fakultät in den vergangenen Jahren auch im Bereich der Diabetologie geleistet haben“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. So kamen international renommierte Wissenschaftler nach Dresden, um Grundlagenforschung wie auch Krankenversorgung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Den Anfang machte der aus der US-amerikanischen Elite-Universität Yale nach Dresden gekommene Prof. Michele Solimena, der den Bereich „Experimentelle Diabetologie“ etablierte und das Paul Langerhans Institut Dresden aufbaute und leitet, das zum Deutschen Zentrum für Diabetesforschung gehört. Auch die Medizinische Klinik III des Universitätsklinikums wird seit 2004 von einem international renommierten Diabetologen – Prof. Stefan Bornstein – geleitet. Im Fokus der Medizinischen Klinik und Poliklinik III stehen neben Hormon- und Stoffwechselstörungen, Nieren-, Gefäß- und Rheumaerkrankungen die Behandlung und Erforschung der Volkskrankheit Diabetes. Hier bietet die Klinik den Betroffenen individuelle therapeutische Strategien und gehört bei der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 sowie seiner Folgekrankheiten – etwa dem diabetischen Fußsyndrom, Gefäßerkrankungen und Nierenversagen – zu den führenden Zentren Europas. Auch in der Diabetes-Prävention ist das Uniklinikum zukunftsweisend. So verfügt die Medizinische Klinik und Poliklinik III über den europaweit ersten Lehrstuhl zur Prävention und Versorgung des Diabetes und bietet Menschen mit erhöhtem Diabetes-Risiko spezielle Programme und Behandlungen zur gezielten Früherkennung und einer möglichen Vermeidung der Krankheit.

    Auf langjährige Erfahrungen in der operativen Therapie von Bauchspeicheldrüsen und damit verknüpfte Forschungsaktivitäten kann auch die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie verweisen. Allein 2012 wurden weit über 100 Patienten an der Bauchspeicheldrüse operiert. Neben der vollständigen Entfernung des Organs ist es dank moderner OP-Methoden auch möglich, erkrankte Abschnitte der Drüse zu entfernen, um deren Gesamtfunktion als Lieferant von Verdauungssekreten und Insulin aufrecht zu erhalten. Damit gehört die Klinik bundesweit zu den größten Pankreaszentren. Die damit verbundene Erfahrung nutzen die Ärzte und Wissenschaftler, um in zahlreichen Forschungsprojekten die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse weiter zu verbessern. Diese Arbeiten erhalten durch Prof. Jürgen Weitz neue Impulse. Der im September 2012 vom Heidelberger Uniklinikum nach Dresden gewechselte Klinikdirektor ist auf Tumorchirurgie sowie schonende OP-Techniken spezialisiert. Mit der Berufung des Chirurgen werden zusätzliche Arzt- und Professorenstellen geschaffen, um das Behandlungsspektrum zu erweitern und künftig mehr Patienten versorgen zu können.

    Kontakte
    Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
    Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
    Prof. Dr. med. Robert Grützmann
    Tel: 0351 / 458 6996
    E-Mail: Robert.Gruetzmann@uniklinikum-dresden.de
    http://www.uniklinikum-dresden.de/vtg, http://www.dresdnerchirurgie.de

    Medizinische Klinik III
    Dr. med. Barbara Ludwig
    Tel.: 0351/ 4 58 18370
    E-Mail: Barbara.Ludwig@uniklinikum-dresden.de
    http://www.uniklinikum-dresden.de/mk3


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Organisatorisches
    Deutsch


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