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27.02.2013 11:00

Unimedizin ist Garant für hochwertige Krankenversorgung, Ausbildung und medizinischen Fortschritt

Constanze Steinke Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

    Trotz Umzugsmarathon so viele Patienten wie nie zuvor

    UMG schreibt schwarze Null - wirtschaftliche Balance wieder hergestellt

    Erneut über 21 Millionen Euro Forschungsgelder eingeworben

    Im vergangenen Jahr wurden an der Universitätsmedizin Greifswald so viele Patienten wie nie zuvor behandelt. Mehr als 166.000 Patienten (IST 2011: 160.500), davon 36.684 (IST 2011: 35.875) vollstationär, vertrauten der medizinischen Kompetenz in den 21 Kliniken und 19 Instituten.

    „Mit Inbetriebnahme des Diagnostikzentrums als zentrales und verbindendes Element des Klinikneubaus werden sich die Bedingungen für unsere Patienten weiter verbessern“, kündigte heute der Ärztliche Vorstand und Vorstandsvorsitzende, Prof. Andreas Greinacher, anlässlich des Neujahrsempfanges in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald an. „Damit stehen fast 20 Jahre Planungs- und Bauzeit für den einzigen Kompaktneubau eines Universitätsklinikums in Deutschland vor dem erfolgreichen Abschluss.“

    Zur traditionellen Jahresauftaktveranstaltung werden neben Ministerpräsident Erwin Sellering auch Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, Wirtschaftsminister Harry Glawe, der Greifswalder Oberbürgermeister Dr. Arthur König und der Präsident des Landesrechnungshofes MV, Dr. Tilmann Schweisfurth, sowie weitere zahlreiche Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft erwartet.

    Patienten kommen von weit her; Sonderzuschlag für universitäre Leistungen erforderlich

    Die Universitätsmedizin Greifswald genießt auch international eine hohe Reputation. Viele Patienten kommen von weit her, um hochspezialisierte Leistungen in Anspruch zu nehmen. In 2012 kamen 153 Menschen aus 43 Ländern nach Greifswald, um teilweise langwierige Therapien zu durchlaufen (2011: 95 Patienten, 2010: 66 Patienten), unter anderem aus Panama, Israel, Argentinien, Schweiz, Russland und Polen. Auch die Institute sind international anerkannt und führen Spezialuntersuchungen für die Patienten großer Universitätsklinika in Großbritannien, Kanada, Schweden und der Schweiz durch.

    „Die Universitätsmedizin in Deutschland ist Garant für eine qualitativ hochwertige Krankenversorgung und Ausbildung sowie den medizinischen Fortschritt, die in erster Linie den Menschen in unserer Region zugutekommt“, betonte Greinacher. „Spitzenmedizin anzubieten und den Nachwuchs auszubilden wird jedoch für die bundesweit 32 universitären Einrichtungen immer schwieriger. Die Universitätsmedizin in Deutschland befindet sich seit Jahren in einem Zustand der permanenten Defizitsituation.“ Die Vergütung der Behandlung basiert auf Daten, die anhand von durchschnittlich schwer erkrankten Patienten vor allem an normalen Krankenhäusern berechnet wurden. An der Universitätsmedizin sammeln sich jedoch richtigerweise die besonders komplizierten Patientenfälle. Die erhöhten Leistungen, die für diese Patienten notwendig sind, werden aber nicht vergütet.

    Während sich Spezialkliniken in Deutschland oftmals auf die lukrativen Vergütungsfälle spezialisieren können und sich so die wirtschaftlichen Rosinen rauspicken, decken die Universitätsklinika das gesamte Spektrum aller Leistungsbereiche in der Medizin ab, von der Notaufnahme, der Versorgung der schweren, seltenen und extrem teuren Krankenfälle bis zur Fachkräfteausbildung und halten gleichzeitig interdisziplinäre Spezial- und Innovationszentren vor. „Das ist eine verfestigte Schieflage, die an die Substanz geht und bereinigt werden muss“, so Greinacher.

    „Die Ressourcen für Einsparungen und Optimierungen sind aufgebraucht. Ohne einen dringend notwendigen Ausgleich für die überdurchschnittlichen Leistungen für Krankenversorgung, Lehre und Wissenschaft wird die Universitätsmedizin künftig ihren Aufgaben nicht mehr vollumfänglich gerecht werden können“, gab der Ärztliche Vorstand zu bedenken. „In Ländern mit einem ähnlich strukturierten leistungsstarken Gesundheitssystem erhalten Universitätskliniken für ihren Mehraufwand auch einen entsprechenden Zuschlag."

    Qualität schafft Vertrauen und rettet Menschenleben; neue Einkommensstruktur für Chefärzte

    Die Universitätsmedizin Greifswald hat sich 2006 bewusst für das anspruchsvolle Qualitätsmanagement-modell der European Foundation for Quality Management (EFQM) entschieden. Ende letzten Jahres erlangte die Universitätsmedizin zum dritten Mal nach 2008 und 2010 die Validierung und ist damit weiterhin das einzige Universitätsklinikum in Deutschland, das nach dem vor allem in der Wirtschaft verbreiteten EFQM-Modell zertifiziert ist. Im Rahmen der umfassenden Qualitätssicherung wurde beispielsweise der interne Krankentransportdienst im Haus neu organisiert und wichtige Projekte wie die Mangelernährung, die fachgerechte Medikation auf Station, ein Frühwarnsystem bei Blutvergiftung (Sepsis) sowie die innerbetriebliche Gesundheitsförderung für die Mitarbeiter verwirklicht. „Aufgrund dieser Maßnahmen gehört das Greifswalder Universitätsklinikum zu den Einrichtungen mit der niedrigsten Sterblichkeitsrate bei Sepsis“, hob der Vorstandsvorsitzende einen der unmittelbaren Effekte hervor.

    Ebenfalls im Dezember vergangenen Jahres fand die Zertifizierung für das Onkologische Zentrum der Universitätsmedizin Greifswald nach den Richtlinien der Deutschen Krebsgesellschaft statt. Durch die Interdisziplinarität des Zentrums kann nun allen onkologischen Patienten der Region ganzheitlicher und in jeder Phase ihrer Erkrankung effektiver geholfen werden. Hervorzuheben ist die fachübergreifende Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen mit den Haus- und Fachärzten. Jeder Patient mit einem Tumor wird von den Krebsspezialisten der beteiligten Fachabteilungen der Universitätsmedizin gemeinsam besprochen, mit dem Ziel, über das jeweilige Spezialfach hinaus die bestmöglichste individuelle Behandlungsform zu finden und anzuwenden.

    Lange bevor Kritik an der Vergütung der leitenden Ärzte nach Zielvorgaben wie die Anzahl der Operationen in der Öffentlichkeit aufkam, hat die Universitätsmedizin Greifswald begonnen, im Frühjahr 2012 dieses Verfahren komplett umzustellen. „Anstatt einen Leistungsanreiz für Ärzte nach Leistungszahlen und Fällen auszurichten, hängt das Gehalt der Chefärzte an der Universitätsmedizin Greifswald von der Umsetzung von Projekten zur interdisziplinären Zusammenarbeit und der Qualität der Behandlung ab. Die Universitätsmedizin Greifswald ist damit das erste Universitätsklinikum, das diesen Weg konsequent umgesetzt hat“, unterstrich Greinacher.

    Ein ausgeglichenes Jahresergebnis; mehr Geld für die Beschäftigten

    „Nachdem 2011 erstmals nach 2003 kein ausgeglichenes Ergebnis erzielt wurde, konnte die Universitätsmedizin 2012 unter enormen Anstrengungen aller Mitarbeiter wieder eine schwarze Null schreiben“, erklärte der Kaufmännische Vorstand Gunter Gotal. Im vergangenen Jahr erzielte das Hochschulklinikum aus den Krankenhausleistungen einen Umsatz in Höhe von 173 Mio. Euro (2011: 167 Mio. Euro). Insgesamt beläuft sich der Umsatz des Uniklinikums mit dem Kreiskrankenhaus Wolgast und seinen Verbundunternehmen auf ca. 211 Mio. Euro (2011: 198 Mio. Euro).
    „Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen können unsere Mitarbeiter von Tariferhöhungen profitieren. Bereits im letzten Jahr wurde sich zum 1. Juli 2012 auf eine durchschnittliche Erhöhung der nichtärztlichen Berufsgruppen um sechs Prozent geeinigt“, so der Verwaltungschef.

    Gegenwärtig arbeiten in der Hochschulmedizin, im Kreiskrankenhaus Wolgast sowie in den 15 Verbundunternehmen 4.614 Mitarbeiter (2011: 4.548), darunter 645 Ärzte, Mediziner im wissenschaftlichen Dienst und Naturwissenschaftler, 1.473 Pflegekräfte sowie 1.168 Mitarbeiter im medizinisch-technischen Dienst, 464 Beschäftigte im Funktionsdienst und 798 weitere Mitarbeiter. Der Frauenanteil beträgt 74 Prozent und das Durchschnittsalter der Beschäftigten ist 38 Jahre.

    Die aktuelle Bettenzahl in Greifswald liegt bei 905, einschließlich der 33 tagesklinischen Plätze in der Schmerztagesklinik und Psychiatrie. Am Kreiskrankenhaus Wolgast wurde im September 2012 darüber hinaus das „Altersmedizinische Zentrum Vorpommern“ (AMZ) eröffnet, welches die Versorgung in der Akutgeriatrie aufgenommen hat. „Mit dem AMZ konnte eine wichtige Lücke in der Versorgung insbesondere älterer Menschen in der Region Vorpommern geschlossen werden“, sagte Gunter Gotal. „Die Auslastung und Nachfrage auf die 20 Plätze lag von Anfang an bei über 100 Prozent.“

    Erstmals über 600 Drittmittelbeschäftigte und „Go east“ - Greifswald lockt

    Die Universitätsmedizin hat im Jahr 2012 wiederum sehr erfolgreich Drittmittel auf dem Niveau des Vorjahres eingeworben und konnte sogar das Ergebnis des Vorjahres leicht überbieten. Der Drittmitteleinwerbung von 21,2 Mio. Euro (2011: 21,0 Mio. Euro) stand 2012 ein Landeszuschuss von 49,5 Mio. Euro gegenüber. „Damit bewegt sich die Einwerbung der Drittmittel seit drei Jahren auf stabil hohem Niveau“, informierte der Wissenschaftliche Vorstand Prof. Reiner Biffar. „Durch das Engagement unserer Wissenschaftler können wir so unseren Forschungsetat deutlich aufstocken.“

    Das hohe Drittmittelaufkommen ermöglichte 2012 erneut eine Steigerung auf inzwischen 603 Drittmittelbeschäftigte (2011: 573). So wurden beispielsweise im Jahr 2012 fast 300 Wissenschaftler aus Drittmitteln finanziert, bei Nichtwissenschaftlern stieg diese Zahl auf 174, bei studentischen Hilfskräften fiel sie leicht auf 131.

    Einen Hauptteil der Forschungsaktivitäten machen die vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Verbundprojekte aus. Dazu zählen unter anderem die Study of Health in Pomerania (SHIP) als Bevölkerungslangzeitstudie sowie die Individualisierte Medizin (Greifswald Approach to Individualized Medicine - GANI_MED). Weitere Schlüsselbereiche sind das Zentrum für Innovationskompetenz „Humorale Immunreaktionen bei kardiovaskulären Erkrankungen“ (ZIK-HIKE) und der Campus PlasmaMed sowie Greifswald als Teilstandort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE), als Partner des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und als norddeutsches Koordinierungszentrum der bislang größten deutschen Gesundheitsstudie, der Nationalen Kohorte. „Neben dem gleichbleibend hohen Anteil der BMBF-Förderung konnten insbesondere mehr Drittmittel der Europäischen Union für Forschungsvorhaben genutzt werden“, so Biffar.

    Als eines der zentralen Vorhaben für das laufende Jahr bewertet der Wissenschaftliche Vorstand die Realisierung eines „Koordinierungszentrum für bevölkerungsbezogene, klinische und epidemiologische Studien“ an der Universitätsmedizin. Die den Wissenschaftsstandort Greifswald prägende Community Medicine feiert im März 2013 ihr zehntes Jahr der wissenschaftlichen Bevölkerungsforschung.

    „Go east“, das ist seit vielen Jahren ein beständiger Trend. Während sich im Jahr 2001 nur insgesamt 174 Bewerber mit erster Präferenz für ein Humanmedizinstudium in Greifswald entschieden haben, sind es seit 2007 jeweils zwischen 2.700 und 3.300 junge Frauen und Männer, die sich auf einen der 124 Studienplätze an der Universitätsmedizin bewerben. Damit liegt Greifswald als Studienort seit langem an der Spitze der Beliebtheit.

    2012 haben sich erneut 24 Interessierte auf einen Studienplatz mit 1. Präferenz an der Medizinischen Fakultät beworben. Mit 2.967 Bewerbern für Greifswald kann nur noch die Berliner Charité einen größeren Ansturm auf die begehrten Studienplätze aufweisen (Charité: 3.202, Hamburg: 2.468, Tübingen: 2.408).

    Ähnlich ist die Lage bei der Zahnmedizin. Auch hier haben sich im letzten Jahr mehr Interessierte mit 1. Präferenz in Greifswald beworben als Plätze zur Verfügung stehen (627 Bewerbungen für 28 Plätze). Nur die Universität Frankfurt am Main verzeichnete mehr Zulauf (716). Insgesamt absolvieren gegenwärtig 1.758 Studierende ein Medizin- oder Zahnmedizinstudium in Greifswald.

    Strategie 2020 im Blick

    Als Anstalt des öffentlichen Rechts (AÖR) hatten die Mitarbeiter 2009 eine „Strategie 2014“ erarbeitet, in der die wesentlichen Ziele für die Weiterentwicklung der Universitätsmedizin Greifswald definiert wurden. Einige dieser Ziele wurden bereits erreicht, andere sind in der Umsetzung.
    „Im kommenden Jahr soll das ambitionierte Projekt mit einer weitreichenden Strategiediskussion 2020 fortgesetzt werden“, kündigte der Vorstand der Universitätsmedizin abschließend an.

    Ansprechpartner
    Universitätsmedizin Greifswald (UMG)
    Vorstandsvorsitzender/Ärztlicher Vorstand
    Prof. Dr. med. Andreas Greinacher
    Fleischmannstraße 8, 17475 Greifswald
    T +49 3834 86-50 13
    F +49 3834 86-50 10
    E aerztliches.direktorat@uni-greifswald.de
    http://www.medizin.uni-greifswald.de


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