idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
27.02.2013 09:48

Transplantationsmedizin: Schnelltest zeigt, ob das Immunsystem aktiv ist

Melanie Löw Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

    Menschen, deren Nieren versagen, hilft oft nur eine Transplantation. Doch damit der Körper das neue Organ annimmt und nicht abstößt, müssen die Mediziner tricksen. Sie schalten das Immunsystem nach der Operation mit Medikamenten, den Immunsuppressiva, ab. In dieser Zeit ist der Körper allerdings sehr anfällig für Infektionen. Besonders das Cytomegalievirus (CMV) macht vielen Patienten zu schaffen. Forscher der Saar-Uni um Jan Dirks vom Institut für Virologie arbeiten an einem Test, der schnell nachweisen soll, ob das Immunsystem bei einer CMV-Infektion noch aktiv ist. Für seine Arbeit wird er mit dem Young Investigator Award der Amerikanischen Transplantationsgesellschaft ausgezeichnet.

    Unser Körper ist jeden Tag feindlichen Angriffen ausgesetzt und muss ständig zwischen Gut und Böse unterscheiden. Das Immunsystem setzt hierbei auf eine komplexe Abwehr: Weiße Blutkörperchen erkennen Viren, Bakterien, Giftstoffe und sogar Tumorzellen, schütten eine Reihe von Botenstoffen aus, aktivieren weitere Zellen und sorgen letztlich dafür, dass die Eindringlinge unschädlich gemacht werden. Auch das Cytomegalievirus aus der Familie der Herpes-Viren, welches für gesunde Menschen eher harmlos ist, wird auf diese Weise in Schach gehalten. Bei Patienten, die sich einer Organtransplantation unterziehen mussten, sieht es allerdings anders aus, wie Jan Dirks weiß: „Nach einem solchen Eingriff ist das Risiko, an einer CMV-Infektion zu erkranken, extrem hoch. Das Virus bereitet vielen Patienten Probleme.“

    Jan Dirks forscht am Institut für Virologie in Homburg an der Immunabwehr von Menschen, die eine Nierentransplantation hinter sich haben. Ihn interessiert vor allem, wie das Immunsystem bei einer CMV-Infektion reagiert. „Unter anderem kann das Versagen der Immunantwort gegen CMV zum Verlust des transplantierten Organs beitragen“, erklärt der Biologe. Umso wichtiger ist es daher, dass die Ärzte schnell erkennen, ob die Immunantwort gegen das Virus bei den Betroffenen noch intakt ist.

    Dirks arbeitet an einem Bluttest, der schnell aufzeigen soll, wie effizient das Immunsystem nach einer Transplantation noch arbeiten kann. Der Biologe untersucht Blutproben von Patienten, die eine neue Niere erhalten haben. Sein Hauptaugenmerk liegt dabei auf bestimmten weißen Blutkörperchen, den T-Zellen. „Nach einer Transplantation sind viele dieser Zellen durch die Immunsuppressiva gehemmt oder zerstört worden, sodass die Abwehr nicht richtig anlaufen kann“, berichtet der 31-Jährige weiter.

    Für den Test machen sich die Forscher die Abwesenheit bestimmter Proteine auf den Oberflächen der T-Zellen zu nutze. „Diese Proteine verschwinden, nachdem die Zellen in Kontakt mit dem Virus gekommen sind“, erklärt der Biologe. Die Proben der betroffenen Patienten analysieren die Wissenschaftler mittels eines bestimmten Verfahrens, der Durchflusszytometrie. Dazu färben sie die Blutzellen ein. Die Forscher können im Anschluss die Zellen auszählen und auswerten, ob gegen CMV gerichtete T-Zellen vorhanden sind und wenn ja, wie viele. „Im Gegensatz zu bisherigen Tests haben wir schon nach einer Stunde ein Ergebnis vorliegen“, beurteilt Dirks die Resultate. „Außerdem ist unser Test leichter zu handhaben und weniger anfällig für Fehler.“

    Jan Dirks hat Biologie an der Universität des Saarlandes studiert. Derzeit promoviert er in der Arbeitsgruppe von Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie, am Institut für Virologie in Homburg. Für seine Forschung wird Jan Dirks mit dem 1000 Dollar dotierten Young Investigator Award ausgezeichnet. Er nimmt den Preis auf der Tagung der Amerikanischen Transplantationsgesellschaft ATC, die vom 18. bis 22. Mai in Seattle stattfindet, entgegen.

    Fragen beantwortet:

    Jan Dirks
    Tel.: 06841 16-23982
    E-Mail: dirks.jan(at)googlemail.com
    Institut für Virologie / Transplantations- und Infektionsimmunologie


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).