idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Medienpartner:
Wissenschaftsjahr


Teilen: 
05.03.2013 12:29

Bariatrische Chirurgie bessert Zuckerwerte bei Adipösen – Endokrinologen fordern Langzeitstudien

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

    56. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vom 13. bis 16. März 2013, Düsseldorf

    Endokrinologen fordern Langzeitstudien zur Bariatrischen Chirurgie
    Operation bessert Zuckerwerte bei Adipösen

    Düsseldorf – Die Behandlung stark übergewichtiger Menschen mit Typ-2-Diabetes durch Magenverkleinerung, Magenband oder Magenbypass ist in den letzten Jahren häufiger geworden. Verglichen mit herkömmlichen Behandlungsmethoden verbessert sich dadurch der Glukosestoffwechsel bis hin zur völligen Normalisierung. Über Wirksamkeit und Sicherheit dieser Eingriffe bei nicht stark übergewichtigen Diabetespatienten ist jedoch nur wenig bekannt.

    Auf dem 56. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie diskutieren Experten Vor- und Nachteile der Bariatrischen Chirurgie und welche Patienten hiervon profitieren. Die Veranstaltung findet vom 13. bis 16. März 2013 in Düsseldorf statt.

    Die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht, auch Adipositas genannt, ist in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen. 23 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen gelten als fettleibig. Adipositas ist der wohl größte Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. „Die Zahlen Betroffener werden steigen“, warnt Professor Dr. med. Michael Roden, Direktor der Universitätsklinik für Endokrinologie und Diabetologie und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ), Düsseldorf. „Das DDZ hat errechnet, dass 2030 allein in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen rund 3,9 Millionen Deutsche an Typ-2-Diabetes erkrankt sein werden.“

    Wichtiges Ziel der Diabetesbehandlung ist es, das Körpergewicht zu reduzieren und den Blutzucker zu senken. „Trotz nachweisbarer Erfolge einer gezielten Umstellung der Lebensgewohnheiten und medikamentöser Behandlung rückt bei übergewichtigen Typ-2-Diabetespatienten zunehmend die Bariatrische Chirurgie als Alternative zu den konservativen Behandlungskonzepten in den Vordergrund“, erläutert Roden. Dabei gehe es nicht nur um Gewichtsreduktion, sondern zunehmend darum, die Blutglukosewerte und das Gefäßrisiko zu senken.

    Positive Langzeiteffekte der Bariatrischen Chirurgie sowohl auf das Körpergewicht als auch auf Begleiterkrankungen und Lebensdauer sind schon länger bekannt. Neue Studien zeigen nun, dass Magenband, Magenbypass (Roux-en Y) und Schlauchmagenbildung nicht nur den Body-Mass-Index (BMI) um etwa die Hälfte bis drei Viertel reduzieren, sondern auch eine Heilung des Diabetes ermöglichen: In der Cleveland-Studie hatten zwölf Monate nach Magenbypass 42 Prozent und nach Schlauchmagen-Operation 37 Prozent der stark adipösen Patienten keinen Diabetes mehr. Hingegen konnte dieses Ziel bei nur 12 Prozent der mit Medikamenten behandelten Patienten erreicht werden. Ähnliche Ergebnisse liefern andere Studien. Nach mehreren Jahren kehrt jedoch bei einem Teil der Patienten der Diabetes wieder zurück.

    Operative Maßnahmen werden daher laut internationaler Leitlinien bei adipösen Personen mit Typ-2-Diabetes und einem BMI von 35 kg/m² oder mehr empfohlen. Andere Studien fanden einen vergleichbaren Erfolg der Magenbypass-OP sogar bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit geringer Adipositas (BMI < 35 kg/m²). Deswegen wird diskutiert, die BMI-Grenzen für die bariatrische Operation nach unten zu korrigieren und das chirurgische Vorgehen als „metabolische Chirurgie“ zu bezeichnen. Metabolismus bezeichnet den Stoffwechsel, also die Gesamtheit der chemischen Prozesse im Körper.

    Die Langzeiterfolge und -folgen seien jedoch noch zu wenig untersucht, sodass eine generelle Empfehlung zur Ausweitung der Operationsindikation zur Therapie des Typ-2-Diabetes noch nicht gegeben werden könne. „Dies muss in Langzeitstudien weiter untersucht werden. Denn die Bariatrische Chirurgie erfordert eine intensive Betreuung der Patienten auch lange nach dem operativen Eingriff“, resümiert Professor Roden. Auf dem Symposium in Düsseldorf stellen Experten aktuelle Studienergebnisse vor und diskutieren über die Vor- und Nachteile der Bariatrischen Chirurgie.

    Literatur:
    Schauer, Philip R. et al.: Bariatric Surgery versus Intensive Medical Therapy in Obese Patients with Diabetes, N Engl J Med 2012; 366:1567-1576, April 26, 2012
    Article: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1200225#t=article

    Sjöholm, Kajsa et al.: Evaluation of Current Eligibility Criteria for Bariatric Surgery, Diabetes Care, published ahead of print January 28, 2013
    Abstract: http://care.diabetesjournals.org/content/early/2013/01/22/dc12-1395.abstract?sid...

    Romeo, Stefano et al.: Cardiovascular Events After Bariatric Surgery in Obese Subjects With Type 2 Diabetes, Diabetes Care, December 2012 35:2613-2617
    Abstract: http://care.diabetesjournals.org/content/35/12/2613.abstract?sid=bc218c35-5ac1-4...

    Terminhinweise:
    Sektion Diabetes und Stoffwechsel: Vorsitz Frank Granderath, Mönchengladbach und Dirk Müller-Wieland, Hamburg
    Termin: Donnerstag, 14. März 2013, 9:00 bis 10:30 Uhr
    Ort: CCD Congress Center Düsseldorf, Eingang Süd, Raum 2
    Anschrift: Stockumer Kirchstr. 61, 40474 Düsseldorf

    Pressekonferenz anlässlich des 56. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
    Termin: Mittwoch, 13. März 2013, 12:00 bis 13:00 Uhr
    Ort:CCD Congress Center Düsseldorf, Eingang Süd, Raum 15
    Anschrift: Stockumer Kirchstr. 61, 40474 Düsseldorf

    Weitere Informationen zum 56. Symposium der DGE und dem Tagungsprogramm finden Sie unter http://www.dge2013.de

    Kontakt für Journalisten:
    DGE Pressestelle
    Anna Voormann/Dagmar Arnold/Dr. Adelheid Liebendörfer
    Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
    Telefon: 0711 8931-380, Telefax: 0711 8931-984
    arnold@medizinkommunikation.org
    http://www.dge2013.de http://www.endokrinologie.net


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Medizin
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).