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07.03.2013 08:48

Dialyse: Blutprotein als Risikofaktor

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Ein verändertes Blutprotein erhöht bei Dialyse-Patienten das Sterblichkeitsrisiko. Das berichten Forscher aus Würzburg und Boston in „Science Translational Medicine“. Sie haben auch eine Idee, wie sich der Risikofaktor ausschalten lassen könnte.

    Diabetes und Bluthochdruck können dazu führen, dass die Nieren nicht mehr richtig funktionieren und am Ende ihren Dienst versagen. Für die Betroffenen ist das lebensgefährlich. Sie müssen dann regelmäßig zur Dialyse – wobei die künstliche „Blutwäsche“ die Funktion der Nieren nur zu etwa zehn Prozent übernehmen kann. Außer Lebensgefahr sind Dialyse-Patienten darum erst dann, wenn sie eine Niere transplantiert bekommen. Doch dieses Glück hat nicht jeder, da Spenderorgane rar sind.

    Warum ist es so fatal, wenn die Nieren ihre Arbeit nicht mehr tun? Weil sich im Blut dann Abfallstoffe anhäufen, die eigentlich mit dem Harn aus dem Körper ausgeschieden werden sollen. Dadurch wächst das Risiko für zusätzliche Krankheiten, etwa für Arterienverkalkung (Atherosklerose), Herzinfarkte und Schlaganfälle.

    Harmloser Harnstoff ergibt toxisches Cyanat

    Im Blut von Nierenkranken häuft sich unter anderem Harnstoff an, ein eigentlich harmloses Abfallprodukt des Stoffwechsels. „Aus dem Harnstoff kann allerdings toxisches Cyanat entstehen, das sich an die Blutproteine bindet“, erklärt die Ärztin Christiane Drechsler aus der Nephrologie des Würzburger Universitätsklinikums.

    Das gefährliche Cyanat setzt sich auch an Albumin fest, einem der wichtigsten Blutproteine. Das hat drastische Folgen: Das carbamylierte Albumin – so der Fachausdruck – neigt nun dazu, sich an schadhafte Stellen in den Blutgefäßen anzulagern. Damit verstärkt es den Prozess der Arterienverkalkung und mindert so die Überlebenschancen der Dialyse-Patienten.

    Aminosäuren können Risiko verringern

    „Wir haben einen deutlichen Zusammenhang gefunden: Je mehr carbamyliertes Albumin im Blut ist, desto kleiner fällt die Überlebenschance der Patienten aus“, sagt Christiane Drechsler. Und die Konzentration des gefährlichen Albumins wiederum ist umso höher, je weniger Aminosäuren sich im Blut befinden. Denn offenbar können Cystein, Histidin, Lysin und andere Aminosäuren die Entstehung des „Risiko-Albumins“ verhindern – auch das haben die Würzburger Wissenschaftler mit Kollegen aus Boston (USA) nachgewiesen. Für die Studie wurden Daten von 1.255 Dialyse-Patienten ausgewertet.

    Pilot-Studie mit 200 Patienten geplant

    Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Journals „Science Translational Medicine“ veröffentlicht. Sie zeigen einen neuen Weg auf, über den sich die Lebenserwartung von Nieren- und Dialyse-Patienten möglicherweise erhöhen lässt: durch die Verabreichung von Aminosäuren als vorbeugendes Mittel. „Ob das funktioniert, wollen wir nun mit rund 200 Dialyse-Patienten in einer Pilotstudie klären, die wir derzeit vorbereiten“, so Professor Christoph Wanner, Leiter der Nephrologie am Würzburger Universitätsklinikum.

    Drei Haupterträge der Untersuchung

    Die Studie der Würzburger und Bostoner Wissenschaftler zeigt nicht nur eine neue Möglichkeit auf, die Überlebensraten von Dialyse-Patienten zu verbessern. Sie birgt noch zwei weitere Vorteile, wie Christiane Drechsler erklärt: „In der Diagnostik bietet sich carbamyliertes Albumin als prognostischer Marker an. Außerdem könnte daraus ein Marker werden, mit dem sich die Qualität der Dialyse-Behandlung über einen längeren Zeitraum beurteilen lässt, ähnlich wie beim HbA1c-Test für Diabetiker.“

    „Carbamylation of Serum Albumin as a Risk Factor for Mortality in Patients with Kidney Failure”, Anders H. Berg, Christiane Drechsler, Julia Wenger, Roberto Buccafusca, Tammy Hod, Sahir Kalim, Wenda Ramma, Samir M. Parikh, Hanno Steen, David J. Friedman, John Danziger, Christoph Wanner, Ravi Thadhani, S. Ananth Karumanchi. Science Translational Medicine, 6. März 2013, Vol. 5 Issue 175, p. 175ra29, DOI: 10.1126/scitranslmed.3005218

    Kontakt

    Dr. Dr. Christiane Drechsler, Medizinische Klinik und Poliklinik I, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-39972, drechsler_c@klinik.uni-wuerzburg.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, jedermann
    Biologie, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


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