idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
23.07.2013 14:19

Populationen der Schmetterlinge auf Wiesen haben sich in den letzten beiden Jahrzehnten halbiert

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

    Kopenhagen/ Halle(Saale). Die Zahl der Schmetterlinge auf Europas Wiesen hat sich zwischen 1990 und 2011 dramatisch reduziert. Ursache dafür seien die Intensivierung der Landwirtschaft und ein Mangel an angemessen gemanagten Grünlandökoystemen, so ein am Dienstag von der Europäischen Umweltagentur EEA veröffentlichter Bericht. In den Report sind die Daten des Tagfalter-Monitoring Deutschlands mit eingeflossen, das vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wissenschaftlich betreut wird. UFZ-Wissenschaftler haben zudem an der Auswertung der Populationstrends mitgearbeitet.

    Der Rückgang der Grünlandarten ist besonders besorgniserregend, so der Bericht, weil diese Schmetterlinge als repräsentative Indikatoren gelten, die Trends für die meisten anderen terrestrischen Insektenarten aufzeigen, die zusammen zwei Drittel aller Arten auf dem Planeten ausmachen. Das heißt, Schmetterlinge sind nützliche Zeigerarten für den Zustand der Biodiversität und der generellen Gesundheit der Ökosysteme. 17 Schmetterlingsarten wurden jetzt im „European Butterfly Grassland Indicator: 1990-2011“ näher untersucht. Von den 17 Arten sind acht in Europa zurückgegangen. Lediglich bei zwei Arten sind die Populationen stabil geblieben und nur eine hat zugenommen. Für sechs Arten war kein eindeutiger Trend zu erkennen. Zu den Arten, die untersucht wurden, gehört der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der deutlich zurückgegangen ist, der Aurorafalter (Anthocharis cardamines), der seit 1990 stabil zu sein scheint, und der Mattscheckige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus acteon), dessen Entwicklung über die letzten zwei Jahrzehnte unsicher ist. „Dieser dramatische Rückgang an Grünlandschmetterlingen sollte die Alarmglocken läuten lassen. Generell schrumpfen auch die Wiesen in Europa. Wenn wir es nicht schaffen, diese Lebensräume zu erhalten, könnten wir viele dieser Arten für immer verlieren. Wir müssen uns der Bedeutung von Schmetterlingen und anderer Insekten bewusst werden, denn deren Populationen sind entscheidend für natürliche Ökosysteme und auch für die Landwirtschaft“, sagt Hans Bruyninckx, Direktor der Europäischen Umweltagentur (EEA).

    Wieso gehen die Schmetterlinge zurück?
    Die Intensivierung von Landwirtschaft und Brachflächen sind zwei der Haupttrends, die die Populationen von Grünlandschmetterlingen beeinflussen. Die Landwirtschaft wird dort intensiviert, wo das Land flach und leicht zu bewirtschaften ist. Auf der anderen Seite sind große Flächen an Wiesen in gebirgigen und feuchten Regionen stillgelegt worden – hauptsächlich in Ost- und Südeuropa. Beides führt zum Rückgang an Lebensräumen für Schmetterlingsarten, die auf Wiesen leben.
    Die Intensivierung der Landwirtschaft führt zu einheitlichen Grünflächen, die nahezu steril für die Artenvielfalt sind. Dazu kommt, dass Schmetterlinge sehr empfindlich auf Pestizide reagieren, die intensiv in solchen Agrarsystemen eingesetzt werden.
    Landwirtschaftliche Flächen werden oft aus sozio-ökonomischen Gründen stillgelegt. Wenn das Bewirtschaften von Flächen mit niedriger Produktivität nur geringe Einkommen erzielt und es wenig oder keine Unterstützung durch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU gibt, dann geben Landwirte ihre Unternehmen auf und das Land bleibt unbestellt. Die Wiesen überwuchern schnell und werden durch Büsche und Wäldchen ersetzt.
    In einigen Regionen im Nordwesten Europas sind Gründlandschmetterlinge bereits jetzt auf Straßenrandstreifen, Eisenbahnbrachen, felsige oder feuchte Orte, Städte und Naturschutzgebiete beschränkt. Gebiete mit traditioneller extensiver Landwirtschaft, bekannt als Agrarland mit hohem Naturschutzwert, sind ebenfalls wichtige Lebensräume.

    Das Beobachten der Europäischen Schmetterlinge
    Der vorliegende Bericht basiert auf dem Europäischen Grünlandschmetterlingsindikator (European Butterfly Grassland Indicator), der von De Vlinderstichting (Dutch Butterfly Conservation), Butterfly Conservation Europe und Statistics Netherlands aus den Daten von 1990 bis 2011 erhoben wurde. Dieser Indikator ist das Ergebnis von Informationen aus den nationalen Schmetterlingsmonitoring-Netzwerken in 19 Ländern Europas, größtenteils in der Europäischen Union. Tausende ausgebildete professionelle und freiwillige Beobachter haben dazu rund 3500 Transekte quer über Europa beobachtet. Diese freiwillige Feldarbeit (Citizen Science) ist grundlegend notwendig, um den Status und die Trends der Europäischen Schmetterlingsarten herausfinden zu können.
    Auch wenn der Report auf Daten von 1990 bis 2011 basiert, so sollte dennoch bedacht werden, dass die aktuellen Landnutzungsänderungen bereits vor 1990 begonnen haben. Der Bericht vermutet daher, dass die aktuelle Halbierung der Schmetterlingszahlen nur die momentane Entwicklung auf einer viel größeren Zeitskala sein könnte.
    Die EU-Biodiversitätsstrategie hat den schlechten Erhaltungszustand der Grünflächen erkannt. Grünflächen sollten angemessen gemanagt werden – sowohl innerhalb von Natura-2000-Schutzgebieten als auch innerhalb von naturschutzwürdigen Agrargebieten, schlussfolgert der Bericht und betont, dass ein neues System an Ausgleichszahlungen unter der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU ein besseres Management dieser Wiesen unterstützen würde.
    Der Europäische Grünlandschmetterlingsindikator könnte als Maßstab genutzt werden, um den Umwelterfolg oder -misserfolg der Agrarpolitik zu messen. Die nachhaltige Finanzierung von solchen Indikatoren würde helfen, eine Reihe von Politikinstrumenten zu überprüfen und wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum EU-Ziel, den Rückgang der Biodiversität bis 2020 zu stoppen.
    EEA/Tilo Arnhold

    Publikation:
    European Environment Agency (2013):
    The European Grassland Butterfly Indicator: 1990–2011.
    EEA Technical report No 11/2013. ISBN 978-92-9213-402-0
    doi:10.2800/89760
    This report presents the European Grassland Butterfly Indicator, based on national Butterfly Monitoring Schemes (BMS) in 19 countries across Europe, most of them in the European Union.
    http://www.eea.europa.eu/publications/the-european-grassland-butterfly-indicator...

    Weitere Informationen:
    Elisabeth Kühn/ Oliver Harpke/ Dr. Martin Musche
    Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
    Telefon: 0345-558-5263, -5312, -5310
    http://www.ufz.de/index.php?de=10387
    http://www.ufz.de/index.php?de=800
    http://www.ufz.de/index.php?en=15805

    und auf Englisch und Niederländisch via
    Chris van Swaay
    De Vlinderstichting
    Postbus 506, 6700 AM Wageningen, Netherlands
    T: +31 317 467346
    http://www.vlinderstichting.nl/
    http://www.bc-europe.eu/

    oder über
    Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
    Telefon: 0341-235-1635, -1630
    http://www.ufz.de/index.php?de=640

    Weiterführende Links:
    Tagfalter-Monitoring Deutschland
    http://www.tagfalter-monitoring.de/
    Wie Europas am stärksten gefährdete Schmetterlinge gerettet werden könnten (Pressemitteilung vom 28. März 2012)
    http://www.ufz.de/index.php?de=30346
    Alarm für seltene Schmetterlinge in Europa (Pressemitteilung vom 5. Oktober 2011)
    https://www.ufz.de/index.php?de=22156
    Ein Drittel der Schmetterlinge Europas gefährdet (Pressemitteilung vom 18. März 2010)
    https://www.ufz.de/index.php?de=19465

    Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
    http://www.ufz.de/

    Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
    http://www.helmholtz.de


    Weitere Informationen:

    http://www.eea.europa.eu/highlights/populations-of-grassland-butterflies-decline


    Bilder

    Zu den Arten, die untersucht wurden, gehört der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der deutlich zurückgegangen ist.
    Zu den Arten, die untersucht wurden, gehört der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus), der deutlic ...
    Foto: Erk Dallmeyer
    None

    Feuchtwiese in der Nähe von Leipzig / Habitat des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nausithous).
    Feuchtwiese in der Nähe von Leipzig / Habitat des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris nau ...
    Foto: André Künzelmann, UFZ
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie, Meer / Klima, Tier / Land / Forst, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).