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02.12.2014 09:43

Psychologie: Wer selbst entscheidet, ist leistungsfähiger

Jan Vestweber Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

    Die Selbsteinschätzung des Einzelnen kann produktiv in den Lernprozess einbezogen werden

    Wer die Wahl hat, hat die Qual – heißt es. Aber wer einmal eine Wahl getroffen hat, setzt dadurch verschiedene psychologische Mechanismen in Bewegung, die den Menschen in seiner Entscheidung bestärken und unangenehmes Grübeln vermeiden helfen. „Wer immer weiter über eine möglicherweise falsche Entscheidung nachdenkt, ist zur Unzufriedenheit verdammt. Davor schützen wir uns unbewusst“, erläutert Prof. Ulrich Weger, Leiter des Departments für Psychologie und Psychotherapie der Universität Witten/Herdecke (UW/H), der sich die Frage stellte, ob dieses Prinzip auch wirksam im therapeutischen oder pädagogischen Zusammenhang eingesetzt werden könnte. Weger: „Kann etwa ein Arzt, der seinem Patienten die Möglichkeit gibt, über Behandlungsoptionen mitzuentscheiden, von diesen psychologischen Prozessen Gebrauch machen? Führt die Selbstbestärkung dazu, dass der Patient zuversichtlicher auf seine Gesundung vertraut, die Medikamente besser bei ihm wirken oder er weniger Schmerzen erleidet?“

    In einer aktuellen Studie wendeten die Psychologen das Prinzip zunächst in einem pädagogischen Zusammenhang an: Den Probanden wurde die Wirkung dreier angeblich besonders leistungssteigernder Lebensmittel kurz beschrieben. Dann durften sie dasjenige auswählen, von dem sie meinten, es würde ihnen am besten bei dem anstehenden Gedächtnistest helfen. Schließlich folgte der Test, bei dem die Teilnehmer auf ihre Erinnerung von Wörtern geprüft wurden. Teilnehmer, welche selbst die angeblich leistungssteigernde Substanz ausgewählt hatten, schnitten in dem Gedächtnistest besser ab als Personen, welche die gleichen Substanzen nahmen, aber keine Wahlfreiheit hatten. Studienleiter Prof. Weger: „Wir selbst wissen in vielen Fällen am besten, was gut für uns ist. Als Arzt, Therapeut oder Pädagoge sollten wir dieses Wissen nutzen, wenn sich in dem entsprechenden Zusammenhang die Möglichkeit bietet. Es macht sicher keinen Sinn, zu fragen, ob man bei einer Herzoperation eine Narkose wünscht. Aber in vielen anderen Bereichen sind da ungeahnte Schätze zu heben und in den Genesungs- oder Lernprozess mit einzubeziehen.“

    Die Studie ist im Journal of Applied Cognitive Psychology erschienen: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/acp.3088/abstract

    Weitere Informationen: Prof. Ulrich Weger, 02302 / 926-776 oder ulrich.weger@uni-wh.de

    Über uns:
    Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.000 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

    Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Gesellschaft, Medizin, Psychologie
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


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