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20.02.2018 12:18

Wichtige Erkenntnisse in der ADHS-Therapie

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

    Können mit einer Neurofeedback-Therapie bei Kindern mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) längerfristige Effekte erzielt werden? Dieser Frage ging ein internationales Studienteam nach, dem auch Forscher der Kinder- und Jugendabteilung für Psychische Gesundheit des Universitätsklinikums Erlangen sowie der Eberhard Karls Universität Tübingen angehörten. Mit einer Meta-Analyse fanden sie heraus, dass die positiven Effekte bisheriger Therapiestudien über mindestens sechs Monate hinweg anhielten. Außerdem: Das Neurofeedback schnitt in der Nachuntersuchung nicht schlechter ab als gängige Therapien – zum Beispiel die Medikation.

    Beim Neurofeedback handelt es sich um ein computergestütztes Verfahren, bei dem den Kindern ihre Hirnaktivität (EEG) in Echtzeit rückgemeldet werden kann. Sie trainieren, ihre Hirnaktivität gezielt zu regulieren und damit auch ihr Verhalten besser zu steuern. „Neurofeedback kann in Form eines Computerspiels ablaufen. Ein Torwart hält zum Beispiel einen Elfmeter nur dann, wenn sich im EEG ein Muster zeigt, das einer bestimmten Form von Konzentration entspricht“, erklärt Prof. Dr. Hartmut Heinrich, einer der Erlanger Mitautoren.

    In die Meta-Analyse wurden Daten von mehr als 500 Kindern mit ADHS aus zehn randomisierten kontrollierten Studien einbezogen. In diesen wurden überwiegend sogenannte Standard-Neurofeedback-Protokolle eingesetzt. Um eine ausgewogene und kritische Interpretation der Daten zu gewährleisten, arbeiteten in der internationalen Forschergruppe – mit Mitgliedern aus Deutschland, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten – Wissenschaftler unterschiedlicher Positionen zum Neurofeedback zusammen.

    Die Ergebnisse zeigen: Kinder mit ADHS profitieren auch sechs Monate nach den Behandlungseinheiten vom Neurofeedback. Ihre Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität hatten sich tendenziell sogar noch weiter verringert. „In den bisherigen Studien hat Neurofeedback bei den Nachuntersuchungen nicht schlechter abgeschnitten als gängige Therapien einschließlich der Medikation“, fügt der niederländische Kollege Dr. Martijn Arns hinzu. Er hatte die Meta-Analyse initiiert. Für andere Kontrollbedingungen, die in den Studien eingesetzt wurden, wie etwa kognitives Training, wurde nur direkt nach Ende der Behandlung ein signifikanter Effekt gefunden – nicht aber in der Nachuntersuchung.

    Somit weisen die Ergebnisse der Meta-Analyse darauf hin, dass Neurofeedback eine weitere wichtige und längerfristig wirksame Behandlungsoption für Kinder mit ADHS werden könnte.

    Originalpublikation: Van Doren, J., Arns, M., Heinrich, H. et al. Eur Child Adolesc Psychiatry (2018). https://doi.org/10.1007/s00787-018-1121-4.

    Weitere Informationen:

    Prof. Dr. Hartmut Heinrich
    Tel.: 089/9999116
    hartmut.heinrich@uk-erlangen.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Gesellschaft, Medizin
    überregional
    Forschungsergebnisse, Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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