idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instanz:
Teilen: 
11.09.2019 16:06

Braunschweiger Forscher gehen den Zecken an den Kragen: Ausgründung aus der TU Braunschweig

Dr. Elisabeth Hoffmann Presse und Kommunikation
Technische Universität Braunschweig

    Wissenschaftler aus Braunschweig haben heute, am 11. September 2019, die Norden Vaccines GmbH gegründet. Ihr Ziel ist es, einen universellen Impfstoff gegen von Zecken übertragene Krankheiten zu entwickeln. Die patentierte und mehrfach preisgekrönte Idee der Gründer: Statt zahlreicher unterschiedlicher Impfungen gegen jede der von Zecken übertragenen Krankheiten entwickeln sie einen einzigen Impfstoff gegen den Überträger selbst, also die Zecke. Die soll bereits zu Beginn des Bisses abgestoßen werden, bevor überhaupt Krankheitserreger in unser Blut übertragen werden können. Das junge Unternehmen will nun nachweisen, dass das Konzept funktioniert.

    Ein Impfstoff gegen die Zecke selbst statt diverser Mittel gegen die Vielzahl von Erregern

    Zecken sind Spinnentiere, die während ihres komplexen Lebenszyklus Blut unterschiedlicher Tierarten aufnehmen. Dabei können sie zahlreiche Infektionserkrankungen übertragen. Am bekanntesten sind die durch Bakterien verursachte Borreliose und die durch Viren verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Weitere Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden, sind zum Beispiel das Rocky-Mountain Fleckfieber, das Krim-Kongo-Fieber, die Tularämie (Hasenpest) oder durch Parasiten übertragene Krankheiten wie Babesiose. Eine Herstellung von Impfstoffen gegen alle dieser Krankheiten wäre nicht praktikabel.

    Doch es gibt eine andere Möglichkeit, den Folgen eines Zeckenbisses zu entgehen. Denn erst bei der Blutaufnahme kann es zur Übertragung von zahlreichen Infektionserkrankungen kommen. Nach dem Biss benötigt die Zecke 24 bis 36 Stunden, bis sie das Blut aufnehmen kann. In der Zwischenzeit kämpft sie gegen das Immunsystem und die Blutgerinnung des Wirts. Deshalb wollen die Braunschweiger einen Impfstoff gegen das Tier selbst als Überträger der Krankheit entwickeln. Bestimmte Proteine im Speichel der Zecke verhindern zum Beispiel die Blutgerinnung oder den Juckreiz an der Bissstelle. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen nun einen Impfstoff entwickeln und testen, der zu einer Immunantwort führt, um diese Proteine im Zeckenspeichel zu erkennen und zu neutralisieren.

    Der lange Weg vom Forschungsergebnis zum Medikament

    Das entsprechende Forschungsprojekt an der Abteilung Biotechnologie der Technischen Universität Braunschweig wird derzeit mit Go-BIO Fördermitteln von mehr als zwei Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt. Das hochkompetitive Go-BIO Programm fördert explizit die Ausgründung von Firmen für die Weiterentwicklung von Forschungsergebnissen zu konkreten Medikamenten.

    Die aktuellen wissenschaftlichen Fortschritte haben das Gründerteam nun zum nächsten Schritt veranlasst, um die praktische Herstellung des Impfstoffes angehen zu können.

    Stimmen zur Gründung

    "Die anstehenden Arbeiten bis zur Klinischen Prüfung sind an einer Universität allein nicht mehr zu leisten, deshalb sind wir für den Gewinn des Go-BIO-Wettbewerbs sehr dankbar, der uns die weitere praktische Umsetzung unserer Ideen in einem Start-up ermöglicht", meint Geschäftsführer Dr. Karsten Fischer.

    Mitgründer Dr. Leander Grode von der VPM GmbH kommentiert: "Wir freuen uns sehr, bereits in dieser frühen Phase des vielversprechenden Projektes eingebunden zu sein. Von der Qualität der Forschungsergebnisse sind wir beeindruckt und glauben fest an den Erfolg des künftigen Produktes."

    "Wir im Norden ‚können‘ weltweit ausstrahlende Biotech-Hochtechnologie - das möchten wir auch mit dem Namen ausdrücken", kommentierte Mitgründer Professor Michael Hust von der TU Braunschweig.

    Mitgründer Professor Stefan Dübel, Leiter der Abteilung Biotechnologie an der Universität, bemerkt: "Der Biotechnologie-Standort Braunschweig wächst wieder signifikant, und die langjährige Förderung des Technologietransfers an der TU Braunschweig trägt Früchte."

    Professor Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung am Science Campus Braunschweig-Süd, an dem sich das Start-up angesiedelt hat, meint: "Wir freuen uns sehr, dass sich die Norden Vaccines GmbH für Braunschweig entschieden hat - diese Neugründung stärkt unseren Standort als Hotspot der Infektionsforschung in Deutschland und eröffnet uns vielfältige Möglichkeiten der Zusammenarbeit und zum Austausch von Know-how in der Impfstoffforschung.“

    Gerold Leppa, Wirtschaftsdezernent der Stadt Braunschweig: „Diese erneute Ausgründung eines Start-ups aus der TU Braunschweig heraus zeigt, dass der Wissens- und Technologietransfer in Braunschweig sehr gut funktioniert. Sie zeigt auch: Der Standort Braunschweig ist neben der vielbeachteten Mobilitätsforschung auch in anderen Fachrichtungen Spitze. Insbesondere die Biotechnologie hat durch den Science Campus Braunschweig Süd an Stärke gewonnen und birgt großes Potenzial für den Forschungs- und Wirtschaftsstandort Braunschweig. Mitgründer Prof. Stefan Dübel setzt sich seit Jahren mit großem persönlichen Engagement für die Übertragung von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft ein und hat sich große Verdienste um den Standort Braunschweig erworben.“

    TU Braunschweig:
    Die Abteilung Biotechnologie der TU Braunschweig bearbeitet vielfältige Forschungsthemen rund um die Erzeugung, Nutzung und Verbesserung von Proteinen im Bereich der Infektionsforschung, Diagnostik und Wirkstoffentwicklung. Dabei werden modernste Methoden der Gentechnologie genutzt, unter anderem die Antikörper Phagendisplay Technologie, deren Entwicklung 2018 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

    Norden Vaccines GmbH:
    Die Norden Vaccines ist eine privat finanzierte Ausgründung der Technischen Universität Braunschweig mit weiteren Partnern mit dem Ziel der Entwicklung innovativer neuartiger Impfstoffe. Erstes Projekt ist die Entwicklung eines Zeckenimpfstoffes.

    Go-BIO:
    Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert mit der „Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio)“ gründungsbereite Wissenschaftlerteams aus den Lebenswissenschaften über maximal sieben Jahre (Mehr Informationen: https://www.ptj.de/go-bio).

    Vakzine Project Management GmbH (VPM)
    Das Dienstleistungsunternehmen berät seine Kunden bei der Entwicklung von biopharmazeutischen Produkten von der präklinischen Phase bis hin zu den klinischen Phasen I-III. Seit Juli 2018 ist das Serum Institute of India (SIIPL) Mehrheitsaktionär von VPM.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Michael Hust
    Technische Universität Braunschweig
    Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik
    Abteilung Biotechnologie
    Spielmannstraße 7
    38106 Braunschweig
    Tel.: 0531 391-5760
    E-Mail: m.hust@tu-braunschweig.de
    www.bbt.tu-bs.de/Biotech

    Prof. Dr. Stefan Dübel
    Technische Universität Braunschweig
    Abteilung Biotechnologie
    Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik
    Spielmannstraße 7
    38106 Braunschweig
    Tel.: 0531 391-5732
    E-Mail: s.duebel@tu-braunschweig.de
    www.bbt.tu-bs.de/Biotech


    Bilder

    Präparierte Zecken-Nymphen (zwischen Larve und ausgewachsenem Zustand) dienen als Forschungsgegenstand.
    Präparierte Zecken-Nymphen (zwischen Larve und ausgewachsenem Zustand) dienen als Forschungsgegensta ...
    Michael Hust/TU Braunschweig. Frei zur Veröffentlichung bei Abdruck der Quelle.
    None

    Eine ausgewachsene Zecke in der Hand von Professor Michael Hust.
    Eine ausgewachsene Zecke in der Hand von Professor Michael Hust.
    Michael Hust/TU Braunschweig. Frei zur Veröffentlichung bei Abdruck der Quelle.
    None


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer
    Deutsch


     

    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).