Das Thema Schamanismus übt auch in unserer modernen westlichen und vermeintlich rationalen Welt eine ungebrochen starke Faszination aus. Die Vorstellung, dass spirituelle Spezialistinnen und Spezialisten sich in Trance versetzen und dann, unterstützt von Hilfsgeistern, Seelenreisen antreten, Kranke heilen und Jagdglück erbitten, mag uns fremd erscheinen. Doch nicht nur für viele indigene Gemeinschaften ist Schamanismus auch heute gelebte Praxis. Aber wie sieht es mit den Anfängen dieser Vorstellungen aus? Der 9.000 Jahre alte Befund der Schamanin von Bad Dürrenberg (Sachsen-Anhalt) ermöglicht einen einzigartigen Zugang zu diesen verschlossenen Welten.
Die 30- bis 40-jährige Frau wurde 1934 im Kurpark von Bad Dürrenberg entdeckt. Das überreiche Beigabeninventar bezeugt eine gesellschaftliche Sonderrolle der Toten. Bemerkenswert ist die enorme Vielfalt der im Grab repräsentierten Tierarten, die sicher nur zum kleinsten Teil Nahrungsvorrat für das Jenseits sein sollten. Ethnografische Vergleiche legen vielmehr nahe, dass viele der Objekte als Utensilien schamanischer Praktiken zu deuten sind. Eine Nachgrabung 2019 und intensive Forschungen haben zahlreiche neue Erkenntnisse erbracht, die das Rätsel um diese besondere Frau zu entschlüsseln helfen.
Nur sehr wenige archäologische Funde der Mittelsteinzeit kommen als Vergleiche zum Bad Dürrenberger Befund in Frage. Ein Großteil davon wurde für die Ausstellung zusammengetragen. Hinzu kommen ethnologische Gewänder und Utensilien des historischen Schamanismus Nordeurasiens. Er kann der Archäologie Möglichkeiten aufzeigen, wie schamanische Praktiken konkret gelebt wurden.
Nach dem Ende der letzten Eiszeit beginnt die sogenannte Mittelsteinzeit (ungefähr 9600 bis 5400 vor Christus). Es wird wärmer und die kaltzeitlichen Steppen weichen schattigen Eichenmischwäldern. Die Menschen mussten ihre Lebensstrategien und Verhaltensweisen umstellen – auf Tundrajagd folgte spezialisierte Fischerei und rege Sammeltätigkeit. Die Ausstellung zeichnet ein Lebensbild dieser Epoche, die von enormen Herausforderungen, aber eben auch völlig neuen Möglichkeiten geprägt war.
Nie zuvor wurde in Mitteleuropa eine vergleichbar aufwendige Sonderausstellung zum urgeschichtlichen Schamanismus und zur Mittelsteinzeit gezeigt. In einer atmosphärischen Inszenierung werden auf 900 Quadratmetern beeindruckende Exponate aus zahlreichen internationalen Sammlungen präsentiert.
Information on participating / attending:
Die Sonderausstellung und das Landesmuseum sind barrierefrei.
Eintrittspreise (Auswahl):
Erwachsene: 12,00 €.
Ermäßigt: 9,00 €.
Kinder/Jugendliche (6 bis 18 Jahre): 3,00 €.
Kinder (0 bis 5 Jahre): freier Eintritt.
Die vollständige Übersicht finden Sie unter https://www.landesmuseum-vorgeschichte.de/besuch.
Date:
03/27/2026 10:00 - 02/07/2027 18:00
Event venue:
Landesmuseum für Vorgeschichte Halle (Saale)
Richard-Wagner-Straße 9
06114 Halle (Saale)
Sachsen-Anhalt
Germany
Target group:
all interested persons
Email address:
Relevance:
international
Subject areas:
Cultural sciences, Environment / ecology, History / archaeology, Religion, Social studies
Types of events:
Exhibition / cultural event / festival
Entry:
07/03/2026
Sender/author:
Georg Schafferer
Department:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Event is free:
no
Language of the text:
German
URL of this event: http://idw-online.de/en/event81847
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