idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Grafik: idw-Logo

idw - Informationsdienst
Wissenschaft

Science Video Project
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
03/06/2019 13:42

Bindung mit Folgen

Nicolas Scherger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

    Forscher aus Freiburg und Ulm entdecken Mechanismus, mit dem Bakterien weiße Blutkörperchen attackieren

    Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Winfried Römer und Dr. Elias Hobeika von der Universität Freiburg und dem Universitätsklinikum Ulm hat einen Mechanismus entdeckt, mit dem Bakterien weiße Blutkörperchen aktivieren und damit zugleich das Immunsystem eines Organismus angreifen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben die Ergebnisse in der Fachzeitschrift Science Signaling veröffentlicht.

    Die Bakterienart Burkholderia ambifaria gehört zu einer Gruppe von Bakterienstämmen, die Infektionen bei immungeschwächten Wirten verursachen können. Diese Bakterien produzieren so genannte Lektine, das sind Proteine, die sich an Kohlenhydrate binden. Das Lektin BambL ist unter anderem in der Lage, an den B-Zell-Antigenrezeptor (BCR) zu binden. Dieses Protein befindet sich auf der Oberfläche von B-Zellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Der Antigenrezeptor besteht aus einer variablen und einer konstanten Region, die zusätzlich mehrere Kohlenhydratreste trägt. Mit seiner variablen Region bindet er spezifisch Antigene, zu denen auch Krankheitserreger gehören. Im Zellinneren dient er als Andockstelle für weitere Moleküle, die Signalprozesse in der Abwehrzelle auslösen. Dadurch werden B-Zellen aktiviert und reifen zu Effektorzellen, den so genannten Plasmazellen, heran, die große Mengen Antikörper gegen Krankheitserreger produzieren.

    Die Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass sich das Lektin BambL in einer kontrollierten und künstlichen Umgebung an die Kohlenhydratreste des Antigenrezeptors bindet und somit die B-Zellen aktiviert: „Es hat uns überrascht, dass ein bakterielles Lektin den streng regulierten Antigenrezeptor-Signalweg in Gang setzt“, sagt Dr. Isabel Wilhelm, eine Erstautorin der Studie. Eine längere Stimulation mit BambL führte zu einem schnellen Tod der weißen Blutkörperchen. Der Vorgang war nur in Zellen mit intaktem Antigenrezeptor möglich.

    Die Injektion des Lektins in Mäuse führte innerhalb von drei Tagen zu einer Immunantwort. Das zeigten erhöhte Mengen an B-Zellen in der Milz und deren Rückgang im Knochenmark. Die Symptome nahmen bei Tieren mit voll funktionsfähigem Immunsystem innerhalb von sieben Tagen ab. „Ein Risiko könnte allerdings für immungeschwächte Patientinnen und Patienten bestehen, wenn sie nicht in der Lage sind, eine wirksame Reaktion auf Krankheitserreger aufzubauen", berichtet Dr. Ella Levit-Zerdoun, eine weitere Erstautorin der Studie.

    An den Arbeiten waren Forscherinnen und Forscher aus den Exzellenzclustern im Bereich biologische Signalforschung BIOSS und CIBSS sowie der Spemann Graduiertenschule für Biologie und Medizin der Universität Freiburg, dem Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik und aus dem Universitätsklinikum Ulm beteiligt. Die Entdeckung des Mechanismus eröffnet dem Team die Möglichkeit für weitere Untersuchungen. Dabei sollen die Auswirkungen des Erregers Burkholderia ambifaria auf Menschen, mögliche Präventionsmaßnahmen und Behandlungsmethoden im Vordergrund stehen.

    Originalpublikation:
    Wilhelm, I., Levit-Zerdoun, E., Jakob, J., Villringer, S., Frensch, M., Übelhart, R., Landi, A., Müller, P., Imberty, A., Thuenauer, R., Claudinon, J., Jumaa, H., Reth, M., Eibel, H., Hobeika, E. & Römer, W. (2019): Carbohydrate-dependent B cell activation by fucose-binding bacterial lectins. In: Science Signaling. DOI: 10.1126/scisignal.aao7194

    Kontakt:
    Prof. Dr. Winfried Römer
    Fakultät für Biologie, BIOSS und CIBSS
    Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
    0761/203-67500
    winfried.roemer@bioss.uni-freiburg.de

    Dr. Elias Hobeika
    Institut für Immunologie
    Universitätsklinikum Ulm
    Tel.: 0731/500-65215
    elias.hobeika@uni-ulm.de


    More information:

    https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2019/bindung-mit-folgen


    Images

    Quelle: Ella Levit-Zerdoun
    Quelle: Ella Levit-Zerdoun

    None


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Medicine
    transregional, national
    Research projects, Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).