Rassistische und religiös begründete Gewalt sind keine abgeschlossenen Ereignisse, sondern Teil einer fortwirkenden gesellschaftlichen Realität. Der Solinger Brandanschlag von 1993, bei dem gezielt türkischstämmige Menschen ermordet wurden, steht exemplarisch für eine Reihe rassistisch motivierter Angriffe auf migrantisch gelesene Personen in Deutschland. Solche Taten prägen nicht nur die unmittelbar Betroffenen und ihre Angehörigen, sondern schreiben sich tief in kollektive Erinnerungen ein – und wirken über Generationen hinweg fort.
Im Jahr 2024 erschütterte die Stadt eine weitere ideologisch motivierte Gewalttat. Der islamistisch motivierte Anschlag auf das Festival der Vielfalt hat bestehende Vulnerabilitäten offengelegt und eine erneute Kerbe in das Stadtgedächtnis geschlagen. Der Täter, inspiriert vom sogenannten „Islamischen Staat“, unterschied nicht zwischen migrantischen und nicht-migrantischen Menschen. Dies verdeutlicht: Gewalt wirkt nicht trennscharf, sondern betrifft die Gesellschaft insgesamt.
Der Webtalk geht der Frage nach, wie transgenerationale Traumata insbesondere in migrantischen Communities weitergegeben werden, welche gesellschaftlichen und städtischen sowie Community-basierten Umgangsformen mit solcher Gewalt existieren und was es bedeutet, an einem Ort zu leben, der, wie Solingen, von einer multiplen Anschlagsgeschichte geprägt ist.
Im Gespräch mit dem Psychologischen Psychotherapeuten und Traumaexperten Ali Kemal Gün verbinden wir historische Einordnung mit psychologischen und gesellschaftlichen Perspektiven. In Zentrum stehen dabei die Weitergabe von Angst und Schweigen ebenso wie Möglichkeiten der Aufarbeitung und der Entwicklung kollektive Resilienz.
Zur Reihe:
Wie gehen zivilgesellschaftliche und städtische Akteur:innen mit den Folgen islamistischer und rassistischer Gewalt um? Welche lokalen Strategien entstehen im Umgang mit kollektiven Traumatisierungen, Verunsicherung und gesellschaftlicher Polarisierung? Wie werden Betroffene unterstützt und Gedenken organisiert? Welche Strukturen haben sich nach solchen Ereignissen bewährt und können als präventive Ansätze für andere Städte dienen?
Die Webtalkreihe „Getroffene Orte – Lokale Strategien im Umgang mit islamistischer und rassistischer Gewalt“ widmet sich diesen Fragen aus der Perspektive lokaler Akteur:innen und trägt Erfahrungen zusammen, die sich in Präventionsansätzen, aber auch in akuten Krisensituationen aufgreifen lassen. Denn an Orten, die zum Ziel von islamistischen oder rassistischen Anschlägen wurden, sind neue Formen der Solidarität, der Erinnerung und der Zusammenarbeit und Koordination vonnöten. Dabei sind vielfältige Ansätze denkbar: von kommunalen Erinnerungsprojekten über Bildungsangebote bis hin zur konkreten Unterstützung für Betroffene sowie Ansätze, die Wechselwirkungen zwischen polarisierten Gruppen, Instrumentalisierungen und Phänomene von Co-Radikalisierungen berücksichtigen.
Hinweise zur Teilnahme:
Anmeldung über https://utfragen.uni-bielefeld.de/index.php/812262/newtest/Y?auswahlveranstaltun...
Termin:
24.02.2026 16:00 - 17:30
Veranstaltungsort:
Online (Zoom)
Solingen
Nordrhein-Westfalen
Deutschland
Zielgruppe:
jedermann
Relevanz:
überregional
Sachgebiete:
Gesellschaft, Pädagogik / Bildung, Politik, Psychologie
Arten:
Seminar / Workshop / Diskussion, Vortrag / Kolloquium / Vorlesung
Eintrag:
28.01.2026
Absender:
Sina Tultschinetski
Abteilung:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Veranstaltung ist kostenlos:
ja
Textsprache:
Deutsch
URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event80874
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