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07.05.2026 - 07.05.2026 | Karlsruhe

Moral und Moralismus in öffentlichen Debatten: ein moralphilosophischer Blick

Sind öffentliche Debatten heute übermäßig moralisch aufgeladen – oder ist das ein vorschnelles Urteil? Der Vortrag von Prof. Dr. Christian Seidel (KIT) geht der verbreiteten Kritik am „Moralismus“ nach und klärt aus moralphilosophischer Perspektive, was Moralismus eigentlich ist und wann moralische Argumente berechtigt sind. So werden gängige Vereinfachungen aktueller Zeitdiagnosen sichtbar.

Öffentlicher Vortrag

Referent: Prof. Dr. Christian Seidel (Department für Philosophie am Karlsruher Institut für Technologie)

Einer verbreiteten Zeitdiagnose zufolge seien gesellschaftliche Diskussionen -- z.B. darüber, was man isst ("bio-vegan"), reist ("flugschamlos"), spricht ("genderneutral"), sich kleidet ("fair"), die Wohnung heizt ("Wärmepumpe") oder Geld investiert ("ethisch") -- in zunehmendem Maße moralisch aufgeladen, über Gebühr moralinsauer, eben durchweg moralistisch; und das sei schlecht, verfehlt, ein Missstand. Doch stimmt das? Um das herauszufinden, muss man zwei Fragen stellen, die in die Moralphilosophie fallen: (1) Was genau ist Moralismus überhaupt und (2) was ist eigentlich falsch (und richtig) daran? In diesem Vortrag möchte ich anhand dieser Fragen die Rolle der Moral und das Phänomen des Moralismus in öffentlichen Auseinandersetzungen aus der Perspektive der Moralphilosophie beleuchten. Damit lassen sich dann einige Vereinfachungen und Missverständnisse identifizieren, die der verbreiteten Zeitdiagnose manchmal zugrunde liegen.

Der Vortrag ist eingebettet in die Vortragsreihe Colloquium Fundamentale des Studium Generale. Forum Wissenschaft und Gesellschaft (FORUM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit insgesamt 5 Terminen. "Mit erhobenem Zeigefinger? Wenn Moral den Diskurs bestimmt" An gegenwärtigen öffentlichen Auseinandersetzungen wird immer wieder bemängelt, sie seien moralisiert. Kritisiert wird dabei, dass Diskussionen häufig weniger von der Suche nach differenzierten Argumenten geprägt seien als von dem Wunsch, sich moralisch korrekt zu positionieren. In Verruf sind Moralisierungen auch deshalb, weil sie als Mittel eingesetzt werden können, um andere Standpunkte zu diskreditieren und den offenen Austausch von Argumenten zu erschweren. Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abscha ffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar. Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.

Hinweise zur Teilnahme:
Eintritt frei, keine Anmeldung erforderlich

Termin:

07.05.2026 18:00 - 19:30

Veranstaltungsort:

Adenauerring 12, KIT Campus Süd, Gebäude 50.19, InformatiKOM (EG)
76133 Karlsruhe
Baden-Württemberg
Deutschland

Zielgruppe:

jedermann

Relevanz:

überregional

Sachgebiete:

Gesellschaft, Kulturwissenschaften, Medien- und Kommunikationswissenschaften, Philosophie / Ethik, Psychologie

Arten:

Vortrag / Kolloquium / Vorlesung

Eintrag:

30.04.2026

Absender:

Christian Könemann

Abteilung:

Kommunikation und Marketing

Veranstaltung ist kostenlos:

ja

Textsprache:

Deutsch

URL dieser Veranstaltung: http://idw-online.de/de/event81510

Anhang
attachment icon Flyer Colloquium Fundamentale

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