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29.06.2011 15:19

Landschnecken auf Seefahrt

Dr. Anne Hardy Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

    In der Jungsteinzeit von Sardinien nach Nordafrika

    FRANKFURT. Die Landschnecke Tudorella sulcata führt ein verstecktes Leben unter Kalksteingeröll an den mit Pinienwäldern oder Büschen bewachsenen Küsten des Mittelmeers. Da sie weder schwimmen noch große Strecken an Land zurücklegen kann, fragten sich Frankfurter Biologen, wie sie sich über die weit auseinanderliegenden Küsten Frankreichs, Sardiniens und Algeriens hat verbreiten können. Mit Hilfe von molekularen Markern und neuen statistischen Methoden haben sie die Besiedlungsgeschichte jetzt rekonstruiert und den Zeitpunkt der Auswanderung aus dem Ursprungsgebiet ermittelt. Er fällt zusammen mit dem Aufbau von Handelswegen in der Jungsteinzeit. Vermutlich reiste die Landschnecke auf den Booten der neolithischen Händler mit.

    „Seit der Mensch sich aufgemacht hat, um von Afrika aus die Welt zu besiedeln, hat er - absichtlich oder unabsichtlich - Tier- und Pflanzenarten aus ihren Ursprungsgebieten verschleppt“, sagt Prof. Markus Pfenninger vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität. „Insbesondere bei Arten mit einem fragmentierten Verbreitungsgebiet, aber geringer Ausbreitungsfähigkeit, ist es deswegen oft schwer festzustellen, ob die Verbreitung auf natürlichem Weg oder durch den Menschen geschehen ist.“ In einer Zusammenarbeit des Biodiversitäts- und Klimaforschungszentrums Frankfurt (BiK-F), der Goethe-Universität und der Universität Montpellier ist es jetzt gelungen, der Ursprung der Art auf Sardinien auszumachen. Von dort hat sie sich in einem ersten Schritt nach Algerien ausgebreitet, um anschließend die Küste der südfranzösischen Provence zu besiedeln.

    Da die Besiedlung eines neuen Gebietes immer auch mit einer Vergrößerung der Population verbunden ist und diese ihre Spuren in den Genen hinterlässt, konnte die erste Ausbreitung auf circa 8000 Jahre vor heute datiert werden. Zu dieser Zeit besiedelten gerade neolithische Siedler die westlichen Mittelmeerregion, was zu regem Handel - beispielsweise mit Feuersteinen - führte, aber auch zu einem heute noch genetisch nachweisbaren Kontakt der Bevölkerungen Sardiniens und Nordafrikas. „Deshalb liegt es nahe, dass diese Siedler auch die etwa Daumennagel große, weiß bis orange oder rötlich schimmernde Schnecke in den Maghreb gebracht haben, sei es als Schmuck oder nur zufällig“, so Pfenninger. Dafür spricht auch, dass die versteckte Lebensweise der Schnecke einen natürlichen Transport mit Strömungen, Zugvögeln oder Wind praktisch ausschließt.

    Publikation:
    Jesse R, Véla E, Pfenninger M: Phylogeography of a Land Snail Suggests Trans-Mediterranean Neolithic Transport. PLoS ONE 6(6) 2011: e20734.
    doi:10.1371/journal.pone.0020734

    Informationen: Prof. Markus Pfenninger, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Biologie-Campus Siesmayerstraße, Tel: (069) 798- 24714; pfenninger@bio.uni-frankfurt.de.

    Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

    Herausgeber: Der Präsident
    Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
    60054 Frankfurt am Main
    Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
    Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
    E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
    Internet: www.uni-frankfurt.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Biologie
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


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