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06.03.2013 14:51

Vom Stiefkind zum stillen Star: Bindegewebe in der Sportmedizin

Willi Baur Pressestelle
Universität Ulm

    Internationale Tagung „Connect 2013“ hilft Wissenstransfer zwischen Bindegewebsforschern, Sportmedizinern, Therapeuten und Trainern auf die Sprünge

    Konsequent vernachlässigt und häufig total ignoriert werden sie, und das mit spürbar schmerzhaften Folgen: Bindegewebe wie Sehnen, Knorpel und Muskelhüllen. Was der Metzger gerne wegschneidet, spielt im menschlichen Bewegungsapparat eine Schlüsselrolle. Doch bisher fand das Bindegewebe in der Sportmedizin weitaus weniger Beachtung als die üblichen Verdächtigen wie Muskeln, Knochen und Herzkreislaufsystem. Völlig zu Unrecht, wie Professor Jürgen Steinacker findet. Der Leiter der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin der Uniklinik Ulm: „Dieses – alles andere als tote – Gewebe ist für Sportverletzungen und Überlastungsschäden sehr empfänglich, doch aufgrund eingeschränkter Diagnose-Methoden wurde das in der Sportmedizin gerne übersehen.“

    „Connect 2013“ könnte dies möglicherweise ändern. Die von Steinacker und dem Ulmer Neurophysiologen Dr. Robert Schleip organisierte Tagung, die vom 12. bis zum 14. April an der Universität Ulm stattfindet, wird dem Stiefkind der Sportmedizin einen internationalen Auftritt verschaffen. „Viele Wiedereinsteiger unter den Läufern kennen das Problem. Sie überanstrengen sich gerade am Anfang, weil Muskeln, Herz und Lunge so gut mitmachen. Die Rechnung dafür zahlen dann Sehnen und Bänder“, erklärt Schleip. Der Neurophysiologe gehört zu den führenden Faszienforschern in Deutschland. „Faszie“ wird in der Medizin als Überbegriff für kollagenes Bindegewebe gebraucht, meint speziell aber auch die festen und flachen Bindegewebsschichten, die die Muskulatur umschließen aber auch einzelne Muskelfasern umhüllen.

    Grundidee der Tagung ist es, Bindegewebsforscher, Sportmediziner, Physiotherapeuten und Trainer zusammen zu bringen, um den Transfer von Forschungsergebnissen auf diesem Gebiet in die sportliche und therapeutische Praxis zu erleichtern. „Das macht unsere Tagung so besonders“, ist Gastgeber Steinacker überzeugt. Im Mittelpunkt steht dabei die Rolle des Bindegewebes für den Bewegungsapparat und daraus abgeleitete Aspekte der Diagnostik und Therapie. Wie sieht das Zusammenspiel von Muskulatur und Bindegewebe bei der Kraftübertragung aus? Wie reagieren unterschiedliche Gewebearten auf Trainingsbelastungen und Überbeanspruchung?

    „Wir möchten die grundlegenden Prozesse im Gewebe verstehen, die sowohl für die Schädigung als auch für die Regeneration von Geweben verantwortlich sind“, so Steinacker. Dabei geht es zum einen um die Regulation von Entzündungsreaktionen, aber auch um den Einfluss von Stress auf Gewebeheilung und -degeneration. Im Mittelpunkt stehen allerdings auch ganz praktische Aspekte, die für Therapie und Reha von Bedeutung sind, wie das Stretching oder spezielle Massagetechniken und Diagnosemittel.

    Um den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis zu optimieren, werden zahlreiche mehrstündige Workshops angeboten, in denen frisch Gelerntes, ausprobiert und trainiert werden kann. So können die Anatomiekenntnisse verbessert oder der Umgang mit neuen bindegewebsempfindlichen Ultraschallgeräten geübt werden. Ob elastisches Gehen, therapeutisches Stretching oder richtiges Laufen: der praktische Erkenntnisgewinn ist groß. Weiter gibt es Angebote zur Muskeltonus-stimulierende Massage (Myoflextherapie), zur Faszienmanipulation, oder Tipps zum richtigen „Tapen“. „Mit fachmännisch angebrachten Klebestreifen lässt sich beispielsweise die Gewebematrix aus Muskel- und Faszienzellen auf Stabilität und Flexibilität hin optimieren, was vor allem für Trainer und aktive Sportler interessant ist“, erläutert die Ulmer Sportwissenschaftlerin Dr. Martina Velders, die als Koordinatorin die Tagung betreut.

    Die Referentenliste von „Connect 2013“ ist international. Auf ihr finden sich die Namen renommierter Sportmediziner und Bindegewebsforscher aus Europa, Asien und Nordamerika. „Besonders glücklich sind wir natürlich, dass wir auch Klaus Eder als Redner gewinnen konnten“, so der Ulmer Faszien-Forscher Schleip. Der Physiotherapeut Eder betreut unter anderem die Fußball-Nationalelf. „Mittlerweile ist die Faszien-Forschung ja so weit gediehen, dass wir die wissenschaftlichen Grundlagen für Eders `heilende Hände´ kennen“, meint Sportmediziner Steinacker. Und dass gerade auch die Ulmer Forschung auf diesem Gebiet dazu beitragen konnte, macht die Veranstalter besonders stolz.

    Weitere Informationen:
    Martina Velders (PhD), Uniklinik Ulm, Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin,
    Tel.: 07 31 / 500 – 453 68
    Tagungsprogramm: www.connect-ulm2013.com
    Tagungsfilm auf Youtube: http://www.youtube.com/watch?v=9RBtupY9_j4

    Verantwortlich: Andrea Weber-Tuckermann

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    zur “Connect 2013” möchten wir Sie herzlich einladen. Im Mittelpunkt steht das Bindegewebe in der Sportmedizin. Die Tagung ist eine Plattform für Bindegewebsforscher, Sportmediziner, Physiotherapeuten und Trainer. Bitte wenden Sie sich an Frau Velders (Kontakt oben).

    „Connect 2013“ – Connective Tissues in Sports Medicine
    12. bis 14. April
    Tagung an der Universität Ulm, Oberer Eselsberg
    Bereich Ost; Gebäude N23 und O23
    'Hörsaal Innere Medizin' sowie Seminarräume 2609/2610, 2622
    Lageplan im Anhang

    Kongresssprache ist Englisch, mit Simultanübersetzung ins Deutsche über Kopfhörer


    Weitere Informationen:

    http://www.connect-ulm2013.com


    Anhang
    attachment icon grafische Darstellung von Faszien-Gewebe im unteren Rückenbereich

    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Medizin, Sportwissenschaft
    überregional
    Forschungs- / Wissenstransfer, Pressetermine
    Deutsch


    Prof. Jürgen Steinacker: Leiter der Sektion Sport- und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm


    Zum Download

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    Faszienforscher Dr. Robert Schleip von der Fascia Research Group der Division of Neurophysiology an der Universität Ulm


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