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25.06.2026 16:13

Walter-Höllerer-Vorlesung 2026: Warum Technikgeschichte keine Gebrauchsanweisung für die Zukunft ist

Stefanie Terp Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
Technische Universität Berlin

    ETH-Professor David Gugerli ist Vortragender der Walter-Höllerer-Vorlesung an der TU Berlin am 9. Juli 2026. Im Interview spricht er über den Mythos des Fortschritts, die Grenzen historischer Lehren und seine Sicht auf die Technikgeschichte

    Wie wird Künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft verändern? Werden KI-Systeme uns die Jobs wegnehmen? Solche Fragen werden derzeit häufig auch an Technikhistoriker*innen gestellt. Prof. Dr. David Gugerli von der ETH Zürich hält wenig von Prognosen auf Grundlage der Vergangenheit. Im Interview erklärt der Vortragende der Walter-Höllerer-Vorlesung 2026 an der TU Berlin, warum sich technische Entwicklungen nur selten vorhersagen lassen, dass viele Zukunftsvisionen nie Realität werden und was wir trotzdem aus der Technikgeschichte lernen können.

    Lesen Sie jetzt das gesamte Interview mit Prof. Dr. David Gugerli: https://www.tu.berlin/go314935/

    Am 9. Juli 2026 hält er an der TU Berlin die Walter-Höllerer-Vorlesung zum Thema „Zukunft erzählen. Der Sinn der Technikgeschichte“.

    Zeit: am Donnerstag, 9. Juli 2026, um 18.30 Uhr
    Ort: Institut für Chemie, Gebäude C, Raum C130, Straße des 17. Juni 115, 10623 Berlin

    Interessierte Journalist*innen melden sich bei bitte per E-Mail an: pressestelle@tu-berlin.de

    Seine zentralen Thesen: Technische Entwicklungen verlaufen selten geradlinig. Viele Zukunftsvisionen wurden nie verwirklicht, andere nahmen einen völlig anderen Verlauf als ursprünglich erwartet. Selbst das oft zitierte „Moore’s Law“ betrachtet Gugerli kritisch. Die Verdopplung der Rechenleistung alle zwei Jahre sei weniger ein „Naturgesetz“ gewesen als vielmehr das Ergebnis einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung aus Marketing sowie Chip- und Softwareentwicklung: „Man kann nicht ein Gesetz aufstellen, das auf sich selbst zurückwirkt, und dann behaupten, es habe sich empirisch bestätigt. Das ist pseudowissenschaftlich.“

    Anhand historischer Beispiele zeigt Gugerli zudem, wie unterschiedlich technische Innovationen wahrgenommen und genutzt wurden. So standen bei der frühen Elektrifizierung von Städten zunächst oft repräsentative Zwecke im Vordergrund, während spätere Anwendungen noch gar nicht absehbar waren. Auch die Geschichte des Fernsehens lasse sich nicht als geradlinige Erfolgsgeschichte erzählen. Die gesellschaftliche Bedeutung des Mediums habe sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend verändert. Für Gugerli ist deshalb auch der Begriff des Fortschritts problematisch. Technische Neuerungen seien selten für alle gleichermaßen ein Gewinn. Entscheidend sei stets die Frage, wer von einer Entwicklung profitiert und welche neuen Probleme gleichzeitig entstehen: „Online-Handel? Sie können von Ihrem Sofa aus in Nullkommanichts einen Rasenmäher bestellen – aber wehe, der geht dann nach einer Woche kaputt. Jede*r, die oder der sich mal mit No-Reply-Mailadressen oder der Rücksendung von sperrigen Produkten herumgeschlagen hat, wird das mit dem Fortschritt kritisch sehen.“

    Zusätzliche Informationen:
    Veranstaltet wird die Höllerer-Vorlesung von der Gesellschaft von Freunden der TU Berlin e.V. Renommierte Wissenschaftler*innen und Autor*innen widmen sich in dieser Vorlesungsreihe in Vorträgen und Lesungen aktuellen Fragen im Grenzgebiet von Literatur und Technik, Geistes-, Ingenieur- und Experimentalwissenschaften. Sie ist Walter Höllerer gewidmet, dem bedeutenden Lyriker und TU-Germanistik-Professor, der zwischen 1959 und 1988 die Professur für Neuere Deutsche Literatur an der TU Berlin innehatte.

    David Gugerli ist Professor für Technikgeschichte an der ETH Zürich und zählt zu den profiliertesten Technik- und Wissenschaftshistorikern im deutschsprachigen Raum. Seine Forschungsarbeiten umspannen eine Vielzahl von Themen wie die Geschichte der Elektrifizierung, die kartographische Beherrschung des nationalen Raums, die Entwicklung der technischen Hochschule, die wissensbasierte Ökonomie der Rückversicherungsbranche und die Entstehung digitaler Wirklichkeit.

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Stefanie Terp
    Pressesprecherin
    Technische Universität Berlin
    Tel.: +49 (0)30 314-23922
    E-Mail: pressestelle@tu-berlin.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Geschichte / Archäologie
    überregional
    Wissenschaftliche Tagungen
    Deutsch


     

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