Landesmuseum untersucht umfangreichsten Bestand frühmittelalterlicher Schwerter in Niedersachsen
Oldenburg. Erstmals sind rund 50 frühmittelalterliche Schwerter aus den Sammlungen des Landesmuseums Natur und Mensch Oldenburg und des Schlossmuseums Jever systematisch mit mobiler Röntgentechnik untersucht worden. Ein besonderer Fokus lag auf den sogenannten Saxen. Diese waren namensgebend für die historischen Sachsen, die dem Land Niedersachsen ihren Namen geben. Durch die Untersuchungen konnten vier weitere Saxe nachgewiesen werden.
Mit mehr als 50 Schwertern beherbergt das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg den größten Bestand frühmittelalterlicher Schwerter in Niedersachsen. Viele der Objekte gelangten bereits um 1900 in die Sammlung. Darunter namengebende Funde, nach denen Schwerttypen bis heute in der europäischen Forschung bezeichnet werden. Die neuen Röntgenuntersuchungen liefern erstmals Erkenntnisse zu Herkunft, Herstellung, Aufbau und Umarbeitungen dieser Funde und schaffen damit eine wichtige Grundlage für die internationale Forschung.
Zu den besonders interessanten Funden gehören die sogenannten „Saxe“. Saxe sind einseitig geschärfte Hiebwaffen und gelten als charakteristische Waffen der historischen Sachsen, denen sie ihren Namen verdanken. Sie finden sich oft in Kombination mit den zweischneidigen Waffen, die „Spatha“ genannt werden. Als wertvolle Statussymbole wurden die verschiedenen Schwerter Angehörigen der damaligen Eliten mit ins Grab gegeben. Ihre Erforschung liefert wichtige Erkenntnisse über Machtstrukturen und überregionale Kontakte im frühen Mittelalter.
„Schwerter sind Statussymbole und repräsentieren eine ganze Gesellschaftsordnung. Gerade die Saxe sind ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der Sachsen – und damit auch der niedersächsischen Landesgeschichte“, sagt Museumsdirektorin Dr. Ursula Warnke.
Möglich wurden die neuen Erkenntnisse zu den empfindlichen Waffen durch den Einsatz eines mobilen Röntgengeräts des TÜV Nord. Die zerstörungsfreien Aufnahmen machen Details sichtbar, die unter Korrosionsschichten verborgen liegen. Dadurch lassen sich Waffenformen eindeutig bestimmen sowie Schmiedetechnik, Klingenaufbau und die teils aufwändigen Verzierungen der Schwertscheiden untersuchen, ohne die empfindlichen Originale zu beschädigen.
„Viele der Schwerter waren bislang wegen ihrer Korrosion kaum sicher zu bestimmen. Die Röntgenaufnahmen ermöglichen uns erstmals einen detaillierten Blick unter die Oberfläche und eröffnen neue Einblicke in ihre Herstellung und Nutzung“, sagt Archäologin Dr. Annette Siegmüller, die die Untersuchung leitete.
Die untersuchten Schwerter datieren aus der Völkerwanderungszeit (4./5. Jh. n. Chr.) und dem Frühmittelalter (7. - 9. Jh. n. Chr.) und stammen überwiegend aus frühmittelalterlichen Friedhöfen aus dieser Zeit im Weser-Ems-Raum. Einige der Stücke waren jedoch auch in die regionalen Flüsse geworfen worden und wurden dort gefunden. Vermutlich handelte es sich um Opfergaben.
Die Untersuchungen sind Teil eines Forschungsprojekts zu frühmittelalterlichen Schwertern im deutsch-niederländischen Grenzgebiet, das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wird. Das Projekt wird im Rahmen der im Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg angesiedelten „Sachsenforschung Niedersachsen“ durchgeführt. Das Landesmuseum arbeitet dabei mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), dem Fries Museum Leeuwarden (Niederlande), dem Schloss Museum Jever sowie weiteren Partner*innen zusammen.
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https://www.naturundmensch.de/presse
1_Gut erhaltenes Sax aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld bei Schortens. Sogar Reste des Holzgriffs und der Lederscheide haben sich erhalten.
© Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Foto: A. Devillez
2_Röntgenbild des Saxes. Gut erkennbar ist die aufwändige einseitige Damaszierung in der Klinge und eine Reihe von Ziernieten an der Scheide.
©Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Röntgenbild: F. Meisner, TÜV Nord.
3_Zweischneidiges Schwert, sogenannte Spatha, aus dem Gräberfeld von Schortens mit ankorrodiertem Messerchen.
© Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Foto: A. Devillez
4_Detail des Schwertgriffs mit flächigen Messingverzierungen. Der Abnutzungsgrad dieser Muster ermöglicht es genau zu rekonstruieren, in welcher Form die Klinge gehalten und geführt wurde.
© Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, Foto: A. Devillez
Dr. Anette Siegmüller
a.siegmueller@landesmuseen-ol.de
Gut erhaltenes Sax aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld bei Schortens. Sogar Reste des Holzgriff ...
Quelle: Armelle Devillez
Copyright: Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg
Röntgenbild des Saxes. Gut erkennbar ist die aufwändige einseitige Damaszierung in der Klinge und ei ...
Quelle: Frank Meisner / TÜV Nord
Copyright: Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg
Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, jedermann
Geschichte / Archäologie
überregional
Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsergebnisse
Deutsch

Gut erhaltenes Sax aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld bei Schortens. Sogar Reste des Holzgriff ...
Quelle: Armelle Devillez
Copyright: Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg
Röntgenbild des Saxes. Gut erkennbar ist die aufwändige einseitige Damaszierung in der Klinge und ei ...
Quelle: Frank Meisner / TÜV Nord
Copyright: Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg
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