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04.04.2005 13:26

Die Sauropoden: Flink und wendig - trotz Riesengröße

Julia Boecker Hochschulkommunikation
Universität Flensburg

    Biologen der Universität Flensburg rekonstruieren in einem internationalen Forschungsprojekt die Biomechanik der größten Dinosaurier. Erste Ergebnisse zeigen: Die Sauropoden waren beweglicher, als Wissenschaftler bisher angenommen haben.

    Sie erreichten gigantische Ausmaße und gehören zu den größten Landlebewesen, die es jemals auf der Erde gegeben hat: die Sauropoden. Der Brachiosaurus etwa konnte über 15 Meter hoch, Seismosaurus und Argentinosaurus um 40 Meter lang werden. Die größten Sauropoden wogen über 50, vielleicht sogar bis zu 100 Tonnen, so viel wie ein Blauwal. Oder fünfzehn ausgewachsene Elefanten. Vor über 65 Millionen Jahren starben diese größten Dinosaurier aus - und bis heute geben sie den Wissenschaftlern Rätsel auf: Wie konnten die Sauropoden solche Ausmaße erreichen? Wie viel Nahrung mussten sie zu sich nehmen, um zu wachsen und sich zu vermehren? Und wie beweglich waren sie mit ihren riesigen Körpern überhaupt? - Beweglicher, als Dino-Experten bislang angenommen haben. Das haben Prof. Dr. Andreas Christian und Doktorand Gordon Dzemski vom Institut für Biologie und Sachunterricht und ihre Didaktik an der Universität Flensburg herausgefunden.

    Im Rahmen des internationalen Projekts "Biologie des Gigantismus" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) rekonstruieren die beiden Wissenschaftler die Halsstellung der großen Tiere. "Die wird schon seit langem sehr kontrovers diskutiert", erklärt Andreas Christian. War der Hals der Riesenechsen nach oben gebogen wie beispielsweise bei der Giraffe? Oder hielten die Sauropoden ihren Kopf beim Fressen dicht über dem Boden - und ernährten sich somit nach dem "Staubsauger-Prinzip"? Sollten sich herausstellen, dass die erste Variante zutraf, wäre dies eine "brisante Entdeckung", sagt Andreas Christian. "Bei ihrer enormen Größe würde das bedeuten, dass die Tiere ein besonders leistungsfähiges Herz und einen extrem hohen Blutdruck gehabt haben müssen, damit das Blut beim Fressen bis zum Kopf hinauf gepumpt werden konnte." Manche Dino-Experten vermuten sogar, dass die Tiere zusätzliche "Hilfsherzen" im Hals gehabt hätten.

    Erste Ergebnisse zeigen nun, dass der lange Hals von Sauropoden offenbar unterschiedlich eingesetzt wurde. "Tiere, die neben einem langen Hals auch lange Vorderbeine hatten - wie etwa der Brachiosaurus - nutzen ihn wohl vorwiegend zum Fressen in der Höhe", erläutert Prof. Christian. "Sauropoden wie der Diplodocus mit eher kurzen Vorderbeinen nutzten ihn vor allem, um mit ruhendem Rumpf ein großes Areal abzuweiden." Ganz neu ist die Erkenntnis der Flensburger Biologen, dass die Sauropodenhälse trotz ihrer sperrigen Knochengerüste nicht so starr waren, wie bislang angenommen wurde. "Dadurch konnte der Raum, den die Tiere bei ruhendem Rumpf mit dem Kopf erreichen konnten, erheblich vergrößert werden. Dann hätten sie -ohne Energie für die Bewegung des massigen Körpers aufwenden zu müssen - große Mengen an Nahrung aufnehmen können." Mit einem derart beweglichen Hals könnte es einigen der mächtigen Tiere sogar möglich gewesen sein, sich auf die Hinterbeine zu stellen, vermutet Andreas Christian. Eine Annahme, die unter Wissenschaftlern bislang ebenfalls kontrovers diskutiert wurde.

    Um die Halsstellung der Tiere zu rekonstruieren, sind Andreas Christian und Gordon Dzemski quer durch Europa gereist: In den paläonthologischen Abteilungen großer Museen und Universitäten haben sie an zahlreichen Dinosaurier-Skeletten die Halswirbel untersucht. "Wir vergleichen an verschiedenen Stellen im Hals den Druck, der auf den Bandscheiben lastet", erklärt Andreas Christian. Aus diesen Werten lasse sich die übliche Stellung des Halses - eben "Staubsauger-Prinzip" oder Giraffenhals - ableiten. Diese Methode wenden die beiden Wissenschaftler aber auch an heute noch lebenden Tieren an: den Straußen. "Durch die Untersuchung ihrer Halswirbel können wir heraus finden, wie andere Tiere mit einem sehr langen Hals reagieren, wenn sie ihn über längere Zeit in einer ungewöhnlichen Stellung halten", sagt der Biologe.

    Von ihren Forschungen erhoffen sich die Flensburger Forscher noch viele weitere Aufschlüsse über den Stoffwechsel und die gesamte Physiologie der Dinosaurier, über Geschwindigkeit, Energieumsatz und Beweglichkeit.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Andreas Christian, Tel.: 0461 - 805 2321, Email: christian@uni-flensburg.de


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Biologie, Informationstechnik
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


     

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