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28.03.2022 09:31

Digitalisierung und Nachhaltigkeit: Wie engagiert sind Dax-Unternehmen?

Bianca Schröder Presse und Kommunikation
Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

    Kann die Digitalisierung einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Wirtschaft leisten? Das Thema bewegt die Dax-Unternehmen – bislang allerdings nur so weit, wie es ihre Kundinnen und Kunden nachfragen. Die meisten scheuen vor umfassenden Änderungen zurück. Es gibt jedoch auch einzelne Vorreiter, die mit ihrer digitalen Kompetenz zur Lösung gesamtgesellschaftlicher Herausforderungen beitragen wollen.

    Um einen Eindruck zu gewinnen, mit welchen Nachhaltigkeitszielen und Werten große Unternehmen ihre Digitalisierungsprozesse verbinden, analysierte IASS-Forscherin Silke Niehoff die Nachhaltigkeitsberichte von 20 Dax-Unternehmen sowie zwölf Interviews mit Unternehmensvertretern. Die meisten Aussagen offenbarten eine auf unmittelbare Vorteile abzielende Sicht auf die Digitalisierung: „Die Unternehmen sind stark auf Kundenanforderungen fokussiert und sehen die Digitalisierung als Möglichkeit, ihr Geschäftsmodell effizienter zu gestalten, ohne es grundlegend zu verändern. Damit reproduzieren sie nicht nachhaltige Wirtschaftsmuster“, sagt die Umweltwissenschaftlerin. Ihre Studie erschien in der Zeitschrift „Business strategy and the environment“.

    Kundenwünsche an erster Stelle

    Die Erfüllung von Kundenwünschen wird in den Nachhaltigkeitsberichten am häufigsten als Motivation für Digitalisierung genannt. Den zweiten vermuteten Nutzen der Digitalisierung fasst Niehoff unter dem Thema „Optimierung“ zusammen: Die Digitalisierung wird als Instrument zur Weiterentwicklung bestehender Prozesse und zur Verbesserung der Effizienz und Geschwindigkeit bei gleichzeitiger Kostenreduzierung verstanden. So heißt es etwa im Nachhaltigkeitsbericht eines Bekleidungsherstellers: „Wenn wir unsere digitalen Kompetenzen entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbessern, können wir nicht nur mit unseren Konsumenten in Kontakt treten, sondern zudem in allen Bereichen unserer Organisation schneller, besser und effizienter werden. Wir erzielen weiterhin gute Fortschritte mit verschiedenen digitalen Beschleunigern (‚digital accelerators‘).“

    Wenn jedoch Umweltkriterien im Vordergrund stehen, kann die Optimierung bestehender Prozesse durchaus zu mehr Nachhaltigkeit beitragen. So hat ein Unternehmen mit einer stärker ausgeprägten Nachhaltigkeitsorientierung eine Plattform geschaffen, die verschiedene Unternehmensstandorte digital miteinander verbindet und es ermöglicht, Umweltdaten wie den Energieverbrauch zu erfassen und das Einsparpotenzial zu identifizieren.

    Einen über den unmittelbaren Nutzen hinausgehenden Ansatz, der Nachhaltigkeitsfragen ganzheitlich adressiert, haben nur wenige Unternehmen. Eines dieser Unternehmen setzt zum Beispiel eigene Ressourcen ein, um gemeinsam mit externen und internen Akteuren normative Standards für einen ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu entwickeln.

    Nur drei Prozent der Maßnahmen deuten auf ein "starkes Nachhaltigkeitsweltbild" hin

    Insgesamt ordnete Niehoff in den untersuchten Berichten nur drei Prozent der genannten Motivationen, Herausforderungen und Maßnahmen der Digitalisierung einem „starken Nachhaltigkeitsweltbild“, dagegen 45 Prozent einem schwachen und 41 Prozent einem mittleren Nachhaltigkeitsverständnis zu. „Diese Weltsicht beeinflusst auch, wie Digitalisierung in den Unternehmen tatsächlich umgesetzt wird und bedeutet für die untersuchten Fälle, dass Digitalisierung in dieser Form nur wenig Beitrag für mehr Nachhaltigkeit leisten oder sogar eine nicht nachhaltige Entwicklung weiter verstärken könnte“, sagt die Forscherin.

    Jene Unternehmen, die Digitalisierung als Gestaltungsaufgabe für eine nachhaltige Entwicklung begreifen, könnten laut Niehoff anderen Unternehmen als Vorbild dienen, wenn die Sichtbarkeit ihrer Bemühungen erhöht würde, zum Beispiel durch Best-Practice-Leitfäden, Politikberatung oder Kooperationen mit der Wissenschaft. Weniger fortschrittliche Unternehmen könne die Politik durch Informationsaustausch, Unterstützung und Regulierung ansprechen, sowohl um eine nachhaltigere Weltsicht als auch nachhaltige Umsetzung der Unternehmensdigitalisierung zu fördern.


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Silke Niehoff
    Senior Wissenschaftliche Mitarbeiterin
    silke.niehoff@iass-potsdam.de


    Originalpublikation:

    Niehoff, S. (2022). Aligning digitalisation and sustainable development? Evidence from the analysis of worldviews in sustainability reports. Business strategy and the environment. https://doi.org/10.1002/bse.3043


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    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Energie, Gesellschaft, Informationstechnik, Umwelt / Ökologie, Wirtschaft
    überregional
    Forschungsergebnisse
    Deutsch


     

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