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13.04.1999 17:21

Holographie verbindet Medizin und Archäologie

Norbert Frie Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

    Auf der Hannover-Messe zeigen Wissenschaftler der Universität Münster unter anderem eine transportable Holographie-Kamera.

    Fundobjekte alter Kulturen werden weltweit verstreut in Museen aufbewahrt, selbst Fragmente befinden sich oft nicht am selben Ort. Viele Objekte sind leicht zerstörbar und daher bei Transporten akut gefährdet. Eine Lösung für dieses Dilemma der Forschung bietet eine kompakte und transportable holographische Kamera, die einen mobilen Einsatz der berührungslosen Holographie-Technik ermöglicht. Vorgestellt werden die Kamera und die Einsatzmöglichkeiten der Holographie in Medizin und Archäologie von der Universität Münster auf der am 19. April beginnenden Hannover-Messe '99. Außerdem präsentieren münstersche Wissenschaftler in Hannover Forschungsprojekte aus dem Bereich der Nanotechnologie und Neuentwicklungen der Bildverarbeitung und Datenanalyse.

    Prof. Gert von Bally, Dr. Frank Dreesen und Diplom-Physiker Holger Deleré vom münsterschen Labor für Biophysik zeigen auf dem Gemeinschaftsstand nordrhein-westfälischer Hochschulen wie mit dreidimensionalen höchstauflösenden Holographien beliebig viele Kopien hergestellt werden können, die das gleiche mikroskopische Detailauflösungsvermögen wie das ursprüngliche "Masterhologramm" zeigen. Mit diesen Hologrammen läßt sich nach Ansicht der münsterschen Wissenschaftler ein "Weltarchiv" archäologischer und anderer Objekte aufbauen. Dadurch können den Fachwissenschaftlern weltweit Kopien zur weiteren Erforschung zur Verfügung gestellt werden. Museen können ihre Sammlungen vervollständigen, ohne teure Originalfundstücke kaufen oder ausleihen zu müssen. Komplette Ausstellungen lassen sich als Hologramme mit geringem Platz- und Kostenaufwand transportieren. Das Projekt "Archäoholographie" wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Bonn.

    Prof. von Bally weist darauf hin, daß die moderne Holographie auch die medizinische Diagnostik verbessern kann: "Die Holographie ermöglicht es, in Verbindung mit Lasern, Mini- Endoskopen und Videotechniken, wirklich dreidimensionale Bilder aus dem Körperinneren anschaulich und mit großer Tiefenschärfe herzustellen". An höchstauflösenden Hologrammen können die gleichen optischen Feinstrukturanalysen vorgenommen werden wie an Originalobjekten. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel in der Medizin mikroskopische Untersuchungen an Zellstrukturen durchführen, ohne dem Körper Gewebeproben entnehmen zu müssen.

    Ebenfalls auf der Hannover-Messe vertreten ist das neugegründete Kompetenzzentrum Nanoanalytik an der Universität Münster, ein Projekt des Bundesminsteriums für Bildung und Forschung, in dem sich acht Hochschulinstitute, 16 klein- und mittelständische Unternehmen, 7 Unternehmen der Großindustrie und 9 hochschulfreie Forschungsinstitute zusammengefunden haben. Ziel des Zentrums ist es, nanoanalytische Meßmethoden weiterzuentwickeln und an technologische Anforderungen anzupassen, eine Standardisierung und damit Vergleichbarkeit dieser Meßmethoden anzustreben und die enwickelten Methoden einer breiteren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

    Die Nanotechnologie gilt als eine der Schlüsseltechnologien der nächsten Jahrzehnte. Ziel ist die maßgeschneiderte Anpassung von Werkstoffen und funktioneller Bauelemente auf einer Skala unterhalb von 100 Nanometern (zehntausendstel Millimeter) bis in den molekularen oder atomaren Bereich. Es geht um die Herstellung winzigster Strukturen und Komponenten in allen Sparten der Technik von der Elektronik über die Chemie bis zur Mechanik.

    Das aus der Universität Münster entstandene Unternehmen CLK (Cruse Leppelmann Kognitionstechnik GmbH) zeigt in Hannover in Zusammenarbeit mit dem münsterschen Institut für Informatik Projekte zur ultraschnellen Erkennung von bewegten Objekten, zur automasisierten Auswertung von Luftbildern und zur Prognose des Verhaltens von Fernsehzuschauern. So wurde in Zusammenarbeit mit dem Land NRW eine automasisierte Auswertung von Luftbildern aus dem 2. Weltkrieg zur Räumung von Rüstungsaltlasten entwickelt. Mußten bislang die Kartenausschnitte mühsam mit den Augen abgesucht werden, übernimmt diese Aufgabe nun ein Computerprogramm, das zuvor mit entsprechenden Rahmendaten mittels Neuronaler Netze trainiert wurde.


    Weitere Informationen:

    http://medweb.uni-muenster.de/institute/biophys/
    http://www.uni-muenster.de/Physik/PI/Fuchs/Welcome-d.html


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Ernährung / Gesundheit / Pflege, Geschichte / Archäologie, Informationstechnik, Mathematik, Medizin, Physik / Astronomie
    überregional
    Buntes aus der Wissenschaft, Forschungsprojekte
    Deutsch


    Holographie einer Keilschrift


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